1211
Die Vermittlung des Inhalts geſchieht ent-
weder durch das erzählend-en)witkelnde od, durch
das ausjegende Verſahren. Zu der geſundenen
Lehre jind Beiſpiele aus dem Leben zu ſuchen,
wobei der Lehrer die Kinder durch paſſende Hin-
weiſe zu unterſtüßen hat,
Wegen ihre3 wertvollen Inhalt8 ſowie wegen
der meiſt knappen Sprache eignen ſich die F.n be»
jonders zum Nacherzählen, Auswendiglernen, zum
mehr od. minder ſreien Niederſchreiben aus dem
Gedächtniſſe od, zu Diktaten. Nachbildungen von
F.n al8 Auſſahübungen empfehlen wir nur dann,
wenn auch in der Nacherzählung die Äußerungen
der darin handelnden Weſen ihren Eigenſchaften entſprechen. Meiſt liefern derlei
Arbeiten bloß Zerrbilder der urſprünglichen F,
In jeder Schülerbibliothe? ſollten Leſſings u.
Aſop3 F.n (ſelbſtverſtändlich nur in Au3wahl)
vorhanden ſein.
Siteratur. Leſſing, Abhandlung über die F.
(5. Abteil.), Sie erſcheint Leſſing beſonders geeignet,
erfindende 11. denkende Köpfe heranzubilden. Vgl.
auch Eberhardt, Die F. als poet. Produkt (1888).
[B. Merth.]
Fabrikarbeit der Kinder ſ. Kinderſchuß.
SFabrikſchulen, 1. F. ſrühtrer Zeit, als
Erjaß der Vollsſchule. Mit der Entſtehung der
durc< die Maſchine beherrſchten Fabriken wurden
auch die Kinder zur Fabrikarbeit herangezogen,
einmal um des Verdienſtes willen, der den Eltern
zuſloß, u. dann wegen der Gewandtheit der Kinder»
hand für manche Arbeiten. Jn den Staaten, wo | h
der Schulzwang beſtand, ergaben ſich durch die
NKinderfabrikarbeit Schwierigleiten für den Schul»
beſuch, weil die Arbeit8zeit mit der Schulzeit zu»
jammenſiel, Da zudem auch der rückjichtöloſen
Ansbeutung der Kinder durch die Unternehmer
entgegengetreten werden mußte, ſo griſſen die
Staatsbehörden ſchon ſrüh durch Geſetz od. Ver»
ordnung zugunſten der Kinder ein, indem ſie die
Genehmigung zur Beſchäſtigung der Kinder von
dem Nachweije eine3 wenn auch recht beſchränkten
Schulbeſuchs abhängig machten. Die Unter»
nehmer waren gezwungen, für die in der Fabrik
beſchäftigten Kinder beſondere F. zu errichten u.
zu unterhalten. Den Unterricht in dieſen Schulen
erteilten meiſt die Volksſchullehrer im Nebenamte;
nur bei großen od. entfernt liegenden Fabriken
waren Lehrer im Hauptamte angeſtellt.
Die Verhältniſſe der F. wurden geregelt: in
Preußen durch das Regulativ v. 9. März 1839
u. durch das Geſeßz v. 16. Mai 1853, das durch
die Verordnung v. 22. Sept, 1867 auch für die
neuen Landesteile eingeführt wurde. Später
traten an die Stelle des Geſehes die 88 134 |f
der Reichsgewerbeordnungin der Faſſung v. 1. Juni
1883; in Sachſen durch das Geſeß v. 6. Juni
1835; in Baden durch das Geſeh v. 4. März
1x40, Auch in den außerdeutſchen Staaten, ſo in
England 1835, in Frankreich 1874, in der Schweiz
gleichſalls in den 1870er Jahren wurde die Kinder»
Fobrikarbeit der Hinder -- Fabrikſchulen,

1212
jabrikarbeit geſeßlich zugunſten des Shylbeſuchs
beſchräntt u, geregelt, In Öſterreich beſtehen die
auf dem Reichsvolksſchnlgeſeze (8 60) v. 14, Mai
1869 beruhenden F. no heute. Die Schäden,
die mit der Kinderfabrikarbeit offenſichtlich ver»
bunden waren, führten dann im Deutſchen Reiche
zu ihrer Abſchajſſung (vgl. den Art. Kinderſchuß)
1. damit auch zur Aufhebung aller F. durch
da8 ſog. Arbeiterſchußgeſeh (Abänderung der
Neichsgewerbeordnung) v. 1. Juni 1891, das im
3 135 beſtimmt : „Kinder unter 18 Jahren dürſen
in Fabriken nicht beſchäftigt werden. Kinder über
13 Jahren dürſen in Fabriken nur beſchäftigt
werden, wenn ſie nicht mehr zum Beſuche der
Volksſchule verpflichtet ſind.“
Der Unterricht in den F. war bloß ein not»
dürſtiger Erſaßh de3 Volksſchulunterricht8. Die
Kinder erhielten 3 Stunden Unterricht am Tage,
oft zu ungünſtiger Zeit, zwiſchen od. nah der
Tagesarbeit, Für Preußen wurden no einen Miniſterialerlaß v. 26. Nov. 1878 folgende
Beſtimmungen getroffen: „DieKinder inF. müſſen
mindeſtens in der Neligion, im Dentſchen, im
Nechnen 1. in der vaterländiſchen Geſchichte unter
richtet werden. Die Unterrichtsſtunden dürfen
nicht in die Zeit nach 7 Uhr abends u, vor 7 Uhr
morgens fallen,“
11. Heutige F. Getragen von dem Gedanken,
daß der wirtſchaftlich Starke zur Minderung der
Schäden verpflichtet iſt, die ſür die Arbeiter mit
unjerm hentigen Wirlſchaftöleben verbunden ſind,
aben eine große Zahl von Unternehmern für die
Kinder ihrer Arbeiter Erziehungsanſtalten ver»
ſchiedener Art geſchaffen, die man unter dem
Namen F. zuſammenſaſſen kann. Dahin gehören
die Kindergärten für die vorſchulpflichtige Jugend,
die Kinderheime für Schulpflichtige. Dieſe An»
ſtalten ſollen den Arbeiterkindern die ſonſt oſt
mangelnde Familienerziehung ſo gut wie möglich
erſehen. Zn den Kinderheimen finden ſie zunächſt
in der ſchuylſreien Zeit einen angenehmen Aufent»
halt, find dadurch den Gefahren der Straße ent-
zogen 1. haben Gelegenheit, die Haus8aufgaben
anzufertigen; auch können die Knaben ſich mit
Handarbeit, die Mädchen mit Nähen, Stricken u.
Sticken beſchöjtigen.
Bei vielen Fabriken, die junge Mädchen be-
ſchäjtigen, beſtehen Haushaltungs8» u. Nähſchulen,
in denen Unterweiſung in den Arbeiten der Haus=
ſrau erteilt wird. Von dieſen Anſtalten ver»
ſchieden ſind die Fabrikfortbildungsſchulen; das
ſind Fachſchulen im eigentlichen Sinne. Die im
Fabrikbetriebe herrſchende Teilung der Arbeit hat
dazu geführt, daß viele Arbeiter nur mehr einen
kleinen Teil des ſertigen Arbeitserzeugniſſe3 zu ge»
ſtalten haben, daß ſie de8halb auc die Überſicht
über ihre Tätigkeit, den Bli auf den Zuſammen»
hang u. das Ganze, u. damit auch die Teilnahme
u. Freude an der Arbeit verlieren. Um dieſe
Schäden zu beſeitigen, werden die Arbeiter in den
Fabrikfortbildungsſchulen praktiſch u. theoretiſch

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.