1233
Handlung auffaſſen (wie das leider zuweilen ge=
ſchieht) ; verlangt er doch dasſelbe von den Eltern
ſeiner Schüler | "
1V. Die F. de8 Lehrers hoherer Schulen,
Die bis8herigen Ausführungen, die ſich auf den
Volksſchullehrer beziehen, gelten mit Einſchränkung
auch für die Lehrer an höhern Lehranſtalten, Frei-
lich werden dieſe nicht in dem Maße wie die Volk3=
ſchullehrer al8 Vorbilder de8 Volkes betrachtet.
Sie wirken zudem meiſt an größern Orten, wo
die einzelne F. in der Menge mehr verſchwindet
al3 an kleinen Orten. Sie haben e3 endlich vor=
zugsweiſe mit den fog. beſſern Ständen zu tun,
die ſich von dem Beiſpiele de8 Lehrer3 nicht ſo
ſehr beeinfluſſen laſſen, weder im guten noch im
jchlechten Sinne. Dagegen fällt auf der andern
Seite ſ höhern Schulen mit ältern Schülern u. Scüle-
rinnen zu tun haben, die erſahrener u. urteil8=
fähiger ſind u. de8halb mit fritiſchem Auge die
Schwächen des Lehrer8 durchſchauen. Finden ſie
ſolche auch in ſeinem F.nleben, ſo machen ſie dieſe
gern zum Gegenſtande ihres Spotte8. Anch über=
trägt ſich die Mißachtung, die ſeine eignen Kinder
ſic) bei ihren Mitſchülern zuziehen, leicht auf
ihn ſelbſt.
Likeratur. Devas, Das F.nleben (1896);
A. H. Niemeyer, Grundſäße d. Erziehung u. d.
Unterr. (n. A. ?1882f v. W. Nein); C. Krieg,
Lehrb. d. Pädag. (21905) 96 ff. [H. Brü.]
Familie 1. Schule ſ. Haus u. Schule.
Familienalumtmnate ſ. Alumnate, Exter-
nat u. Internat.
' Familien- 1. Anſtaltserziehung.
1. Die Familienerziehung. Namentlich in den
jog. beſſern Kreiſen iſt e8 ziemlich üblich geworden,
die Kinder nac beſuch8 in ein Inſtitut zur weitern Ausbildung
zu ſchien. Damit übertragen die Eltern ihre
Erziehung3pflichten u. -ſorgen der Inſtitutsleitung.
CS ergibt ſic) nun die Frage, inwieweit eine ſol Pflichtenverſchiebung wünſchenswert u. berechtigt
iſt. Daran muß unbedingt feſtgehalten werden,
daß die Familie al8 Norm jeder geſellſchaſtlichen
Ordnung grundſäßlich die Stätte der Erziehung
iſt u. ſo lange bleiben muß, wie die Umſtände es
irgend noh erlauben. Das Band zwiſchen Eltern
u. Kindern iſt ein natürliches u. ſollte nicht un=
nötig u. unzeitig gelöſt werden. Die Beziehungen
zwiſchen dieſen beiden ſind von Natur aus Liebe-
u. Freundbeziehungen. Die ganze Atmoſphäre des
Familienlebens iſt an ſich --- vorausgeſeßt immer
eine auf ſittlichen Grundſäßen aufgebaute u. ſolche
anſtrebende Familie -- von einer Menge erzieh-
licher Eindrücke u. Einflüſſe erfüllt (Beiſpiel, Ge=
wöhnung, religiöſes Leben, Familienfeſte). Be
kanntlich haften die erſten Eindrücke ſehr feſt,
Uu. gerade die Familie iſt e8, die dem Kinde
dieſe erſten Eindrücke vermitteln kann, ſowohl
Eindrü>de des äußern Sinmnenleben8 wie des
innern, des geiſtigen (Verſtande3=) u, Gemüt3=
Familie u. Schule -- Familien- u. Anſtaltserziehung.

1234
leben3. Beſonder3 das lektere dürſte in der Famili
ſtärkſte Nahrung finden. Deren gemütbildende
Kraſt iſt es aber auh, die der F. ihre weſentliche
Bedeutung gibt. Denn nicht die Vernunſt ſchlecht
hin, ſondern die von einem Gemüt3momente bes
ſtimmte Vernunft entſcheidet lehten Endes über
vas Handeln. Jn der Familie iſt e8 nun meiſt
die Mutter, die das gemütbildende Element in
unnachahmlicher Kraft zu vermitteln vermag. Die
ſo notwendige wirkungs8volle Ergänzung dieſe3
mütterlich-weiblichen Einſluſſe3 gewährleiſtet ſeiner»
ſeit3 der Vater, ſo daß ein natürlicher Au8gleich
gegeben iſt. Die Einzelerziehung kann in der
Familie viel leichter ſtattfinden, da ſelbſt in kinder=
reichen Familien die Kenntniſſe der Eltern über
Werden u. Wachſen ihrer Kinder unmittelbarer Art
ſind. Vater u. Mutter können die Eigenart der ein=
zelnen Kinder leicht herausfinden u. in der Wahl der
Erziehung3mittel auf die Eigenart Bedacht nehmen.
Freilich iſt in der Familie auch die Gefahr vor=
handen, daß die Elternliebe die oſt ſo notwendige
Strenge allzuſehr mildert, daß unzeitige Nach-
giebigkeit u. ſchädliche Unfolgerichtigkeit ſich ein=
ſchleichen u. fo die unbedingt wichtige Autorität
ins Schwanlen bringen. Liegt da3 ſchon außer=
ordentlich nahe in Familien mit 2 Kindern, ſo erſt
recht da, wo nur ein Kind vorhanden iſt; das
„einzige Kind“ ſelbſt entbehrt dabei ſehr viel,
namentlich wenn es von dem Umgange mit Alter8=
genoſſen ausgeſchloſſen bleibt. Schon aus erzich=
lichen Gründen muß daher ein gewiſſer Kinder=
reihtum ein Segen genannt werden, da Ge=
ſc weit näher ſtehen, al8 da3 zwiſchen Kind u. Er-
wachſenen der Fall iſt. Jn kinderreichen Familien
iſt eine wohltätige Miſchung von Einzel= u,
Maſſenerziehung (). d.) gegeben ; nur daß leßtere
hier den ſo gefür wie das im allgemeinen in der Anſtalt8erziehung
zutrifft. Sind mehrere Kinder vorhanden, ſo
können ſie auch innerhalb der Familie die für da3
ſpätere Leben ſo nötige ſoziale Ein= u. Unterord=
nung kennen u. üben lernen; find Knaben u.
Mäddhen in einer Familie gemiſcht, ſo bietet ſich
jenen reiche Gelegenheit zur Ritterlichkeit, dieſen
zur Entfaltung des mütterlichen Weſens8elemente3
in der weiblichen Natur. Wenn allerding3 die
genannten günſtigen Erziehung8möglichkeiten ent=
ſprechend ausgenüht, gewiſſe Mängel verhütet
werden Jollen, dann iſt e3 unbedingt nötig, daß
die Eltern auf die elementare Wichtigkeit der Er=
ziehungskenntniſſe hingewieſen werden. Die tat=
ſächlich vielen Mißgriſſe u. Mißerfolge der F.
legen jol lich, ob die neuere Beſtrebung, die geiſtige Vor=
bereitung zum matterberuſlichen Können in unjre
Mädchenfortbildungsſhulen zu verlegen, zweck=
mäßig iſt, od. ob nicht beſſer der dadurch aus8geübte
Zwang vermieden u. die Erwerbung3möglichkeit
ſolchen an ſich notwendigen Wiſſens ſreien Bil=
dung3organiſationen, etwa privaten Frauenhod-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.