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Segen ſein. Allerdings dürſen ſie nicht in erſter
Linie od. wohl gar ausſchließlich Geſchäftöunter2
nehmungen ſein, bei denen die Zöglinge nur nach
der Höhe des Penſion3preiſes8 u. die Leiter nach
dem Grade der Nentabilität ihres Haushaltungs=
plane8 bewertet werden. Selbſtverſtändlich muß
jede Anſtalt auf einer befriedigenden wirtſchaft»
lichen Unterlage aufgebaut jein, joll die Schaffens-
ſreudigkeit de3 Perjonal8 u. damit auch die Er-
ziehung nicht leiden. Dominiert jedoch der Geld=
ſtandpunkt, ſo. liegt die Gefahr allzu nahe, daß
manche bedenkliche Erſcheinungen, die ſich in
Anſtalten zeigen können, überſehen werden, um
nur ja nicht die Zöglinge vom Beſuche der Anſtalt
abzuſchreen ; in ſolhen Fällen regieren dann
allerdings mehr die Zöglinge als die Erzieher. Wo
aber auf die Durchführung einer guten, zeitge-
mäßen Erziehung das Hauptgewicht gelegt wird, da
laſſen ſich die den Anſtalten gegenüber ſo häufig ge-
machten Ausſeßungen leicht gegenſtand8lo8 machen
(jf. den Art, Anſtalt8pädagogik). Die wichtigſte
Auzsſtellung iſt die, daß die Anſtalten „Stätten
de3 geheimen Laſter3" ſeien. Wir wollen nun
ſicher nicht leugnen, daß in Erziehungsanſtalten
die „geheime Sünde“ vorkommt, zumal wenn die
Überwachung unzureichend iſt. Dod) iſt das nicht
naturnotwendig im Weſen der Anſtalt begründet,
Religiöſe Gewiſſenspflege, Benußung der Gnaden=
mittel unter gleichzeitiger vernünſtiger körperlicher
u. geiſtiger Hygiene ſind auch hiergegen Schuß
u. Nettungsmittel. Al3 weitere Vorwürſe gegen
die A. werden ſolgende vorgebracht : Die Zöglinge
haben zu wenig Gelegenheit zur Betätigung ihres
perſönlichen Leben3 u. unterliegen daher leicht der
Gefahr, unſelbſtändig zu werden u. dem Herden
menſchentum zu verfallen (ſ. d. Art. Einzel- u. Maſ-
ſenerziehung). Der Maſſenbetrieb der Erziehungs-
anſtalten laſſe kein rechtes herzliches Verhältnis
zwiſchen Zögling u. Erzieher aufkommen, ſondern
jei der Nährboden des gegenſeitigen Mißtrauens,
da3 ſeinerſeits wieder Verſtellung u. Heuchelei,
Verbitterung, Troß u. unter Umſtänden heim-
lichen u. oſſenen Widerſtand verurſache. Außerdem
lernten Anſtalt3zöglinge den ernſten Sinn des
ſpätern Lebens zu wenig kennen, da ihre täglichen
Bedürfniſſe ohne ihr eignes Zutun beſriedigt
würden. E38 ſind das zweifello8 beachtenswerte
Klagen, die aber erneut u. nochdru>8voll nahe=
legen, daß in den Anſtalten der Erziehung beſon=
dere Auſmerkſamkeit u. Pflege gewidmet wird.
Literatur. F. Dupanloup, Die Erziehung
(dtſch, 3 Bde, 1867 ; beſ. das 2. Buch des 2. Teiles:
„Der Vater, die Mutter, die Familie") ; A. Stolz,
Erziehungskunſt (81911); K. V. Stoy, Enzyklop.
d. Pädag. (?1878; 111, „Von d. prakt. Pädag.“,
S. 217 fj). [I. Weber.]
Familienerzicehungslehre [. Haus-
pädagogik.
Farbenblindheit, UnterF. verſteht man
die angeborne od. erworbene Herabſeßung des
Farbenſinne38 bzw. deſſen völligen Verluſt mit all-

Familienerziehungs8lehre -- Farbenſinn.

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einiger Auznahme von Schwarz u. Weiß. Sie iſt
unheilbar. Man unterſcheidet verſchiedene Arten
dieſer Anomalie. Die Anhänger der Dreiſarben=
theorie von Helmholh=Young ſprechen von Rot-
blindheit (Protanopfie), Gründblindheit (Deus
teranopſie) u. Violettblindheit (Tritanopſie). Nach
Zering gibt es eine Not=Grünblindheit, eine Blau=
elbblindheit u. eine totale F. Bei den weitaus
meiſten Farbenblinden liegt Rot=-Grünblind»-
heit vor. Dieſe empfindet außer Schwarz u.
Weiß nur Blau u. Gelb u. verwechſelt die andern
Farben mit einer dieſer beiden leßtgenannten od.
mit Grau. Da möglichſt reines Rot ebenſo wie
Grün al8 Gelb empfunden werden, hören dieſe
Farben auſ, Gegenſarben (Kontraſtſarben) zu ſein;
ſie ſind aber Gegenfarbe für Blau geworden u.
werden von dieſem ausgelöſc herrſcht. Die Blau=-Gelbblindheit, die der
Helmholhſchen Violettblindheit entſpricht, iſt ſehr
jelten. Bei ihr iſt nur die Empfindung von
Schwarz, Weiß, Rot u. Grün vorhanden. Alle
andern Farben werden mit Not, Grün od. Grau
verwechſelt, u. zwar beſonder3 Blau mit Grau,
Gelb mit Not. Die ebenfalls nicht oft vorkom-
mende totale F. ſieht nur Schwarz u, Weiß.
Die Bilder einer Gemäldegalerie werden in den
Farben Weiß, Schwarz u. Grau wie Photo-
graphien geſehen. Die F. kann ſich auch nur auf
ein Auge erſtre>en. Man darf wohl annehmen,
daß bei dieſer Krankheit ein Mangel der Nerven=
ſubſtanz in der Neßhaut vorliegt: dort ſehlen die
Nervenzapfen zur Aufnahme von Rot u. Grün,
hier für Blau u. Gelb.
Der Nachweis der F. iſt, zumal bei Kindern,
nicht leicht, da uns ein objektives Zeichen für das
Vorhandenſein von F. gänzlich fehlt. Auch wiſſer
wir nicht, welche Vorſtellung jemand ſich von der
einzelnen Farben macht. Darum ſoll man bei de!
Unterjuchung de38 Farbenſinnes nicht nach de!
Farbe eines beſtimmten Gegenſtandes fragen
ſondern den Sachverhalt durch Herſtellung vot
Gleichungen zwiſchen verſchiedenen Farbenprobei
zu ermitteln ſuchen (man laſſe aus verſchieden
ſarbigen Wollbündeln die gleichſarbigen heraus
ſuchen). Bei Schulkindern fand Cohn unter 232!
Knaben 95 Farbenblinde = 4*/,, unter 106.
Mädchen aber keine ; Magnu3 unter 3273 Knabe
3,27 ?/» Farbenblinde, unter 2218 Mädchen nu
1, alſo 0,22 /,. Die Not-Grünblinden ſind gan
beſonders zahlreich unter den Schwachſinnige
vertreten. Juden u. Sprößlinge aus Verwand!
ſchaft3ehen haben einen viel größern Prozentſa!
wa3 auf Atavi8mu5 ſchließen laſſen könnte. Ei
Art F. kommt auch bei Hyſteriſchen vor u. kan
dur Hypnoti3mus bewirkt werden. [A. Baur.]
Farbenſiun, Jede Lichtreizung in Dd
Neßhauk entſpricht entweder einer ſarbloſen o
einer farbigen Erregung; jene kann für ſich au
treten u. die Empfindung Weiß, Grau u. Schwa
auslöſen. Die ſarbloſe Empfindung rührt vi
den Jntenſitätgunterſchieden des Lichtes her, d

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