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mit dem Lichtreize das Weiß, mit der Er»
holung von dieſem das Schwarz empfindet.
Dieje Empfindung des lehtern tritt nicht bloß bei
abjoluter Ruhe des Auges ein, ſondern auch bei
geringerm Grade des Lichtreizes. Wir können
uns aljo die farbloje Empfindung auf einer
geraden Linie auſzeichnen, deren eines Ende dem
Weiß, da3 andre dem Schwarz entſpricht; in der
Mitte liegt das Grau, Bei dem abſoluten
Schwarz wäre die Erregung gleich null, wogegen
die Crholung ihr Maximum hat; ungekehrt iſt
bei dem abjoluten Weiß die Erregung die höchſte,
die Erholung die geringſte; in den Zwiſchen»
räumen iſt da3 Verhalten ein gemiſchtes. Dieſe
ſarbloje Erregung kann auch die farbige begleiten
u. damit die Farben heller od. geſättigter zur
Empfindung bringen. Die ſarbige Erregung der
Netzhaut kann im Gegenſatze zur farbloſen durd)
einen Kreis, eine Scheibe dargeſtellt werden,
deren Ende ſich mit dem Anfange zuſammen»
ſchließt, wobei zwiſchen den Spektrenenden Violett
u. Not das Bindeglied Purpur eingeſchaltet iſt.
Der Prozeß der Farbenerregung iſt ein ähnlicher
wie der der Tonerregung. Wie dem Tone der
Oktave doppelt ſoviel Schallſchwingungen ent»
ſprechen als dem Grundtone, ſo nähert ſich an der
Grenze des Violett8 die Schwingungszahl des
Licht3 der Doppelzahl der Schwingungen des Nots.
Will man beide, die farbloje u. die farbige Er»
regung, in einer Figur darſtellen, ſo geſchicht die3
zweckmäßig durch einen Kegel, deſſen Spiße die
Erholung, die Ruhe in Schwarz, deſjen Baſis die
höchſte Erregung in Weiß darſtellt ; den Mantel
de3 Kegel3 bilden die Regenbogenſarben, deren
Ningſchluß Purpur bildet ; nächſt dem Weiß ſind
die Farben am hellſten, nächſt dem Schwarz am
geſättigtſten. Tatſache iſt auch, daß in der Net»
haut bejondere Endorgane der Nerven ſowohl ſür
farbige Reize (Zapfen) wie ſür die ſarblojen
(Stäbchen) exiſtieren.
Was den F. der Schulkinder anlangt, ſo
iſt dieſer bei den Schulanſängern vielſach noch
wenig entwicelt, Eine große Anzahl (28--80 */,)
kann die 4 Hauptfarben Rot, Gelb, Grün u.
Blau nicht richtig benennen ; ſie kennen wohl die
Namen, verbinden aber mit dieſen ganz unzu-
treſſende Vorſtellungen. Richtiger empfinden die
Kinder Weiß u. Schwarz. Am bekannteſten iſt
hiernac) Not, dann ſolgen der Neihe nach Blau,
Gran, Gelb, Braun, Nec dern Violett u. Orange. Der F. iſt bei den
Mädchen beſſer entwickelt al3 bei den Knaben. Cs
ſteht auch ſeit, daß das Kind ſehr viel früher die
Farben unterſcheidet, als e3 ſie richtig zu benennen
verſteht.
Die Unterſcheidung der Farben iſi eine ver-
ſchiedene. Im allgemeinen ſtehen Rot u. Orange
obenan, dann folgen Purpur, Violett, Blau,
darauf Grau u. Gelb. Bedeutend ſchlechter wer»
den ſchr helle u, ſehr dunkle Farben unterſchieden,
Ta3 Kind erkennt alle Nuancen ſchlecht. Die
Faſſungskraft -- Faulheit,

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Vorliebe für beſtimmte Farben zeigt ſich bei ihm
oſt ſchon ſrüh. Die Erfahrung lehrt, daß der F.
ut anerzogen werden kann, was rechtzeitig ge»
ſchehen ſollte, damit der Sinn für Naturſchön»
heiten mit ihrer kunſivollen Farbenzuſammen-
ſellung möglichſt bald geweelt u. hohentwidelt
werde ; denn das iſt auf die gute Entwieklung des
äſthetiſchen Geſühls überhaupt von weſentlichem
Einfluſſe. [A. Bauxr.]
Faſſungskrafſt ſ. Erkenntnisvermögen.
Faynlheit. I. Begriff. F., Arbeits8ſchen,
Trägheit iſt ein fehlechaſter geiſltig=ſittlicher
Zuſtand, der ſich zeigt al8 Widerwille gegen geiſtige
od. körperliche Anſtrengung, deren Übernahme eine
Pflicht iſt. Im einzelnen iſt die F. Intereſſe»
lojigkeit gegen alle höhern geiſtigen Dinge, Uns=
tätigkeit in den pflichtmäßigen Arbeitäverrichtungen
u. religiöſen Übungen, Ekel u. Überdruß vor jeder
guten Betätigung. Die F. al3 Sünde beſteht im
Mangel der Anſpannung vorhandener Kräfte,
Die Neigung zur F. iſt als eine Folge der Erb»
fände im Menſchen zurückgeblieben 1. bildet, wenn
dieſem Hange nachgegeben wird, die Wurzel zu
vielen andern Sünden, wie zu Leichtſinn, Genuß»
jucht, Unzucht. Darum iſt die F. unter die Haupts-
od. Wurzelſünden zu recnen. „Sie verläuſt in
einem oberflächlichen ſentimentalen Traumleben,
erzeugt Abneigung gegen jede ernſtere Berufs=
tätigkeit, täuſcht die Welt u. ſich durch geſchäſtige
Nichtsötuerei mit ſtetem Wechſel der Liebhabereien,
auch wenn möglich der Aufenthaltsöorte, u. endet
mit geiſtig-ſitllichem Mara8mu3“ (Linſenmann).
11. Urjachen der F. Die F. iſt de8halb als
ein Grundübel durch die Erziehung zu bekämpfen,
damit der Fehler womöglich gleich in ſeinem Keime
erſtidt wird. Doch iſt hierbei Vorſicht geboten ;
denn nicht alles, wa3 beim Kinde wie Trägheit8=
ſtinde ausſicht, iſt eine ſolche. Um klar zu ſehen,
muß der Erzieher den Urſachen einer derartigen
Erſcheinung im Kindes8leben nachſorſchen. Da
wird ſich dann herauäſtellen, daß in manchen Fäls-
len die F.3özeichen Symptome eine38 körperlichen
Sc (ſ. den Art, Bleichſucht) od. Unterernährung (ſ. d.).
Hier einzugreifen u. zu heilen, iſt Sache des Arztes
uU. der Hygiene. Der Erzieher darf ſolc< arme Ge
ſchöpſe nicht als Sünder behandeln, ſondern muß,
wenn möglich, die Eltern aufklären u. zur Abhilfe
anregen. Dort, wo die Kinder zu verhältni8mäßig
ſchweren Arbeiten herangezogen werden, zeigen ſich
ebenfalls Trägheitserſcheinungen. Viel anch iſt
daran da3 übermäßige Genußleben der Eltern
ſchuld, die ihre Kinder ebenfalls zu ſolchen Ge-
nüſſen anhalten od. Gelegenheit dazu geben (Al»
koholitmus). Auch die ſchlehten Wohnung3-
verhältniſſe in Stadt u, Land helfen mit, da die
Kinder daheim nicht das nötige Maß von Nuhe
u. Schlaf erhalten, ſchlecht beauſſichtigt werden
bei ihren Aufgaben u. in böſe Geſellſchaft u. unter
lähmende Cinflüſſe andrer Art kommen. Ein
großer Teil der F.3ſymptome wird aber auch durd)

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