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haben; 2. das „Weberſche" Geſeß: ein Neiz»
zuwach8 wird nur dann bewußt empfunden, 1.
2 intenſiv abgeſtuſte gleichartige Reize werden
darum nur dann unterſchieden, wenn der Zuwach8
einen beſtimmten, ſür das jedesmalige Sinne8-
gebiet konſtanten Bruchteil de3 al8 Ausgang
dienenden Neize3 au8macht (Unterſchied8ſchwelle,
Maß der Empfindlichkeit); 3. das „F.ſche
Geſeß" (das ſich auf der Annahme auſbaut, daß
die Geſamtſtärke der Empfindung als Summe
von eben merklichen Unterſchieden als Einheiten
gedacht werden könne): die Stärke der Empfin-
dung wächſt proportional dem Logarithmus der
Reizſtärke. Zur Ableitung dieſer Geſeße bedient
ſich F. verſchiedener, mit Scharfſinn entwickelter
Methoden (Methode der eben merklichen Unter-
ſchiede, der richtigen u. falſchen Fälle, der mittlern
Fehler), bei denen ſeine eigentümliche Leiſtung be-
ſonder3 in der ſcharſſinnigen Anwendung der
Wahrſcheinlichkeitsre Das einzelne der Pſychophyſik F.3: ſeine Me
thoden, ſeine Neſultate u. am meiſten ſeine Deu=
tung der Geſeße, iſt umſtritten, u. vergebens hat
F- in mehrern Schriſten (In Sachen der Pſycho-
phyſik [1877]; Neviſion der Hauptpunkte der
Pijychophyſit [1882] ; Über die pſychiſchen Maß»
prinzipien u. das Weberſche Geſetz [1887]; vgl.
auth die von Fr. G. Lipp8 hr8g. „Kollektivmaß»-
lehre“ [1897]) ſeinen Gegnern gegenüber, unter
denen G. E. Müller der bedeutendſte war, ſeine
urſprünglichen Auſſtellungen aufrechtzuerhalten ge»
ſucht. Aber die von ihm begründete experimen=-
telle Pſychologie hat zu den wertvollſten Ergeb=
niſſen geführt, die in der angewandten Pſychologie
zugleich von hohem praktiſchen Werte ſind (ex=
perimentelle Pädagogik). -- Noch ſei erwähnt,
daß F. auch auf äſthetiſchem Gebiete die experi-
mentelle Methode mit Glück zur Begründung
einer induktiven „Äſthetik von unten“ verwertet
hat (Vorſchule der Äſthetik[2 Tle, 1876, ?21897f]).
Namentlich ſeine Unterſuchungen über die äſtheti=
ſche Wirkung von Elementarſormen u. über den
afſoziativen Faktor geben reiche Anregung.
Literatur. I. E. Kunße, G Th. F. (1892);
K. Laßwih, G. Th. F. (81910; Frommanns Klaſſiker
der Philoſophie 1) ; W. Wundt, G. Th. F. (1901);
W, Paſtor, G. Th. F. (1905); O. Klemm, Geſch.
der Pſychol. (1911). [Cl. Baeumker.]
Fechten ſ. Turnen.
FeDer |. Lernmittel.
Fehler der Kinder. 1. Erforſchung der
F. d. K, Die intimere Beſchäſtigung mit den
tieſern Urſachen u. lezten Gründen der Kinder-
ſehler iſt noch nicht ſehr alt. Wohl haben ſchon
ſrühere Pädagogen --- e3 ſei beſonder8 an Salz»
mann u, Milde erinnert-- ſich mit den auffallen=
dern Mängeln der Kinder beſaßt; ſür eine klare
Auſſaſſung u. Behandlung fehlen aber noch die
exaktern pſychologiſchen u. mediziniſchen Beob-
achtungen. Je mehr beſonder38 auch die Beſchäf=
tigung mit derpädagogiſd orientierten Pjycho-
Fechten -- Fehler der Kinder,

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logie wuch8, u. je mehr der Erzieher beim Mediziner
für ſeine Zwecke mit in die Schule ging, deſto
größere Einſicht in die F. d. K. wurde gewonnen.
Beſonders Ludw. Strümpell in Leipzig war es,
der eingehende Unterſuchungen vornahm u. mit
ſeiner „Pädagog. Pathologie“ ein Werk ſchuf,
das zum erſtenmal eine wiſſenſchaftlich bedeutjame
u. praktiſch fruchtbare Darſtellung der F. d. K. gab.
Zn ſeiner neuen Bearbeitung durch A. Spißner
(21909 f) iſt es durchweg auf den Stand der
gegenwärtigen Forſchungsergebniſſe gebracht. Be
ſonder3 verdient gemacht hat ſich um die Erforſchung
u. praktiſche Deutung der komplizierten Fragen
auch J. Trüper, der Begründer der „Zeitſchrift für
Kinderforſchung mit beſonderer Berückſichtigung
der pädagogiſchen Pathologie“ (ſeit 1896 ; zuerſt
„Die Kinderſehler“ genannt), die in ihren Bei-
heften eine größere Zahl von F.n d. K. eingehend
behandelt hat. Mit dem Auſſ Heilpädagogik (ſ. d.) überhaupt genommen
hat, iſt aud die Erkenntni3 des Weſens u. der
Behandlung der F. d. K. weiter gewachſen.
11. Kennzeichen u. Beurteilung. Eine große
Zahl von F.n d. K. liegt innerhalb der nor»
malen Entwicklung des Kinde3. Sie beſchäftigen
uns hier nicht, da e3 fich bei den „Kinderſehlern“
im engern Sinne um anormale Erſcheinungen
handelt, Von krankhaſten Fehlern kann geſprochen
werden: 1. wenn ſie ſolcher Art ſind, daß ſie
troß normaler, korrekter erziehlicher Beeinfluſſung
nicht beſeitigt werden ; 2. wenn ſie vergeſellſchaftet
mit andern Mängeln auftreten; 3. wenn ſie mit
leichtern od. ſchwerern Intelligenzdeſelten od. auch
beſondern Begabung8mängeln auf Teilgebieten
verbunden ſind; 4. wenn etwa körperliche Defekte
damit verknüpft ſind.
Hier iſt min ein Wort prinzipieller Art über
das Verhalten gegenüber dieſen Fehlern zu ſagen,
dur das ſic) der Standpunkt des Erzieher8, bes
ſonder3 des ziniſcher Betrachtung unterſcheidet : Von der Ein=
ſicht in die Krankhaſtigkeit vieler Fehler dürfen
wir uns nicht dazu verleiten laſſen, dieſe Fehler
nun etwa mitleidig wuchern zu laſſen. Der rein
mediziniſche Standpunkt iſt dazu geneigt, dieſe
Fehler zu diagnoſtizieren u. ſodann al3 gegeben
hinzunehmen, al8 ein Anlagenprodukt, bei dem
nicht viel zu ändern iſt, Darin liegt aber eine
völlige Verkennung der Cigenart des ſchwachen
Kinde3 u. ſalſch angebrachtes Mitleid, wie jeder
Pädagog weiß, der ſich viel mit abnormen Kin=
dern beſchäftigt hat. Wir können dieſe Mängel
nicht etwa nur mit pſychologiſchem od. pſychiatri=
jc Heilerzieher wollen wir auch ſoviel wie mög=
lich noch helfen. Wir wiſſen, daß auch die
Fehler der kranken Kinder nac< der Seite des
Guten hin noch zu beeinfluſſen ſind. Beſonder3
die religiöſe Auffaſſung von der unſterblichen
Seele auch des ſchwachen Kindes führt zu dieſer
Stellungnahme u, bringt un3 namentlich dazu,

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