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Syntheſe ſo ſich vollziehenden Apperzeption3»
prozeſſes iſt e8 wichtig, daß man dem Schüler in
er Wiedergabe des Stoſſe8 möglichſte Freiheit
geſtatte, ſich alſo mit der ſprachlichen Form be-
gnüge, die der Sprachkraſt de3 Schülers entſpricht.
5. Die Pauſe zwiſchen dem Appexr»
zeptions8-u.dem Abſtraktions8prozeſſe.
Die Anrigmuing 1, die Eingliederung des Neuen
in den Gedankenkreis des Schülers iſt mit dem
Abſchluſſe der Syntheſe erfolgt, Aber damit iſt
die Bearbeitung de3 Neuen noc< nicht beendet.
No< muß das Begriſſliche, das Allgemeingültige
u. Notwendige herausgeſchält u. durch Übung u.
Anwendung zum freien, ſür den Gebrauch ſtet8
bereiten Beſiß geführt werden. Das geſchieht auf | [
den ſolgenden Stufen der Aſſoziation, des Sy»
ſtem3 u. der Methove. Pſychologiſch angeſehen
iſt der geiſtige Vorgang wie auf den 1. Stufen,
jo auch auf der 3. u. 4. ein Apperzipieren, Indes
tritt hier der logiſche Vorgang der Abſtraktion
ſtark in den Vordergrund, we8halb man von dem
Abſtraktionsprozeſſe redet. Zeitlich könnte die auf
der 3.---5, Stuſe zu leiſtende Arbeit in derſelben
Stunde an die 2. Stuſe unmittelbar angeſchloſſen
werden. Ziller verlangt jedo< au8 mehrern
Gründen eine Pauſe u. die Berſchiebung bi8 zur
nächſten Stunde. Die begriſſliche Bearbeitung
macht mehrfache Wiederholungen deſſen notwendig,
was eben gelernt iſt, wodurch die Teilnahme de3
Schüler3 leicht vermindert wird.
6. Die Aſſoziationsſtufe hat die Auf»
gabe, aus dem Stoſſe der Syntheſe u. aus ver»
wandten Stoſſen, die ſchon bekannt ſind, das Be»
griſſtiche u. Allgemeine auszuſcheiden u. dem
Schüler anzueignen. Der Stoſſ der Syntheſe
wird de8halb zunächſt noc< einmal durchlaufen u.
dabei die Auſmerkſamkeit auſ die Teile gelenkt, in
denen das Allgemeine u. Notwendige enthalten
iſt. Dann werden aus dem ältern Gedanſkenkreiſe
de38 Schülers verwandte Stoſſe, die unter die
leichen Begriſſe u. allgemeinen Wahrheiten
fallen, aufgeſucht. Gemäß der allerdings nicht
einwandſreien Darſtellung Herbarts8, nach der die
Begriſſe nicht dem höhern geiſtigen Erkenntnis»
vermögen, ſondern nur der einen ſinnlichen Vor»
ſtellungskraſt der Seele angehören u. bloß ge»
läuterte Vorſtellungen ſind, ſcheidet ſich dann durch
die Nvereinſtimmung de38 Gleichartigen u. durch
den Gegenſatz de3 Verſchiedenen das Begrifſliche
u. Allgemeine aus, Auf dieſer Stuſe dürfen nur
ſolche Stoſſe herangezogen werden, die dem
Schüler vollſtändig bekannt ſind. Die weitere
Verarbeitung des Begriſſlichen führt dann zur
7. Stuſe des Syſtems. „Hier muß da3
Begriſſliche u. Geſeßliche in der Geſtalt, die es
im Geiſte des Zöglings angenommen hat, für ſich
fixiert u. annähernd ſo geordnet u, mit anderm
ſchon bekannten Begriſſlichen ſo zuſammengeordnet
werden, wie es in den Syſtemen der Fachwiſſen»
ſchaſt vorliegt“ (Ziller). Darum darf der Unter»
richt nach keinen irgendwie gearteten Lehrbüchern
Formalſtufen,

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fortſchreiten. Dieſe müſſen vielmehr auf dieſer
Siuſe nach der ausdrüflichen Forderung Ziller8
„dur< die eigne Geiſtesarbeit des Schülers ent=
ſtehen“. Das Lehrbuch darf nur zur nachträg=
lichen Vergleichung u. Klärung benußt werden,
Die Schüler geben das Unterrichtöergebnis in
der erarbeiteten Geſtalt u. Gliederung mündlich
wieder 11. tragen es dann ſchriftlich in die „Sy»
ſtemheſte“ ein. Mit den ſrüher gewonnenen Sy»
ſtemen wird das Neue verglichen u. zuſammen»
geordnet, So bauen ſich durd) den Unterricht
allmählich die ſyſtematiſchen Anordnungen der
Fachwiſſenſchaſten auf. Da3 Syſtem der Schul»
wiſſenſchaſt muß ſich ſtreng auf die Ergebniſſe be-
nichts darf eingetragen werden, was nicht auf dem
Wege der F. erarbeitet worden iſt.
8. Die Methode. Nachdem die Aneignung
des nenen Stoſſe8 mit der Arbeit auf der Syſtem
ſtuſe zum Abſchluß gebracht iſt, muß er durch
Dbung u. Anwendung lebendig u. fruchtbar für
den Geiſt gemacht werden ; da3 geſchicht durch die
Methode od. Funktion. Sie durchläuft die gez
wonnenen Gedankenreihen zu wiederholten Malen
u. ſtellt neue Geſichtöpunkte auf, nach denen der
Stoſf geordnet u. geformt werden muß. Durch
ſolche Art der Wiederholung wird der Schüler
zum Denken u. zur ſelbſtändigen geiſtigen Arbeit
genötigt. Die begriffliche Erkenntni8 wird auch
auf noc< nicht behandelte Stoſſe angewandt. Der
Schüler muß dabei den Weg vom Allgemeinen
zum Einzelnen u. umgekehrt ſelbſtändig zurü-
legen. Zahlreiche Aufgaben ſür die mündliche u.
ſchriſtliche Darſtellung wachſen aus dieſem Tun
heraus. So werden die gewonnenen Gedanken
nach den verſchiedenſten Nichtungen herumgewälzt
n. zu dem Übrigen Geiſtesinhalte in ſruchtbare
Beziehung geſeßt. Sie ſichen dann nicht mehr als
„Gelerntes“ Wiſſen abgeſondert im Geiſte, ſon-
dern ſie werden motoriſche Kräſte im Bewußtſein,
die jedesmal erwachen u, ſich geliend maden,
wenn Verwandtes anklingt. Durch die Methode
ſoll nach der Pſychologie Herbart3 die Brücke
zwiſchen dem Erkennen u, Wollen geſchlagen wer=
den, indem ſo geklärte 1. in weitverzweigter Ver-
bindung ſtehende Vorſtellungs u. Begriſſsreihen
Wollen u. Handeln wirkſam beeinfluſſen. Das
Wiſſen wird auf das Leben angewandt u. an den
Erfahrungen im Leben gemeſſen u. gewertet. So
kehrt der Gedankenlauf in der Methode zu dem
Punkte zurück, von dem er in der Analyſe ausging.
111. Zur Geſchichte u. Beurteilung der F.
Aus dem zuſammengeſeßten Vorgange der geiſtigen
Aneignung u. de3 Lernen38 treten 2 Momente be-
ſonder3 ſcharf hervor: der Eintritt de8 Neuen in
den Geiſt, bei dem dieſer ſich vorwiegend rezeptiv
verhält, u. die aktive Gegenwirkung de3 Geiſtes,
die ſich als Eingliederung, Verarbeitung u. An-=
wendung des Neuen kennzeichnet. EC3 iſt der
Gegenſatz, der ſich mannigſa in der Sprache
anöprägt, jo wenn man vom Denken u. Handeln,

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