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baren Beiſpielen ſteht das des Erzieher8 obenan.
Seinen Worten u, Taten widmet das Kind die
größte ea „Zym gleich zu werden,
ihm zu gefallen u. von ihm geachtet zu werden,
iſt der nächſte Anſporn zur Nacheiſerung des Bei»
piel8, Hat das Kind dabei aber nur die Abſicht,
vn Lehrer zu geſallen, dann treibt der Wetteifer
Scheinfrüchte ; denn die Kinder ſollen das Gute
nicht des Lehrer8, ſondern des Guten wegen tun.
Unmittelbare Beiſpiele geben ferner auch die Kinder
untereinander. Die Erfahrung lehrt, daß die
Kraft des Beiſpiel3 um ſo größer u. ſicherer iſt, je
verwandter das vorſchwebende Beiſpiel der eignen
Perſönlichkeit u. der Leben8lage de8 zu Erziehenden
iſt. Wir führen den Zögling auh an die glanz»
vollen, vorbildlichen Geſtalten der Vergangenheit
u, Gegenwart heran, denen nachzueifern u. gleich»
zukommen ihr Ziel werden ſoll, Lebensbilder der
heiligen u. der Profangeſchichte, des engern u.
weitern Vaterlandes u. darüber hinaus, aus allen
Ständen u. jede38 Alter8 führen wir vor, u. wer
wollte es in Abrede ſtellen, daß ſich da ein
heiliger Wetteifer entwieeln kann? Dieſe mittel-
baren Beiſpiele haben den Vorzug, daß die edle
Abſicht der handelnden Perſonen klar hervor=-
tritt u. bei der Nachahmung eine Nivalität nicht
entſteht.
Gebot u. Verbot ſind Haupthebel der Erziehung,
aber da ſie dem Willen künſtliche Schranken ſeßen,
werden ſie leicht mißachtet. Ihre Beobachtung
wird durch den Wetteifer unterſtüßt. Wenn uns
die Erfüllung dieſes od. jene3 Gebotes ſchwer er=
ſcheint, ſo wird der Gedanke, daß der Befehl andern
heilig iſt, uns mit dem ſtarren Geſeße verſöhnen u.
zu deſſen Erfüllung führen. Von Belohnungen
u. Strafen läßt ſich der Weltteifer am wenigſten
trennen. =- Die A. begleitet ſchließlich den Zögling
ins Leben. „Gebet dem Knaben eine lebendige,
da3 Herz durc ſo iſt er fähig, ein Mann zu werden", ſagt Jean
Paul, Der auf dem Ehrgefühl beruhende Wett»
eifer, wie der Erzieher ihn planmäßig gebildet u.
bi3 zur Reinheit geläutert hat, gibt dem Menſchen
Spannkraſt, nicht zu ermüden, bi8 das Ziel er=
reicht iſt. Anderſeit3 bringt ihn der Wetteifer,
wenn der Entartung durch den Erzieher vorgebeugt
iſt, dahin, bei aller Cnergie de3 Streben8 das
bewegende Prinzip nicht in der Erringung der
zweifelhaften Palme der äußern Ehre zu erbliken,
ſondern jein Ziel iſt die eigne Vervollkommnung
u. das Vollbringen „ehrenwerter Werke“ ſowie
ein Wirken zum Wohle der Geſamtheit u. zur
Ehre Gottes. Damit beweiſt der Menſch, daß
er den Kern ſittlichen Handeln8 erkannt hat, daß
er ein ſittlicher Charakter geworden iſt u. ſich ſelbſt
zu erziehen verſteht. Ein wird auch ſeine zeitliche Beſtimmung am erſten
erfüllen. Wer aber dieſe richtig ſchäßt, wird auch
den koſtbaren Gütern der Neligion u. Tugend
die rechte Würdigung zuteil werden laſſen u. ſeine
höhere Beſtimmung erfaſſen u. ſicherſtellen.
Lexikon der Pädogogik. 1.
Analogie.

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Biteratur. Stö>l, Lehrb. d. Pädag. (?1880);
Duhr 8. J3., Die Studienordnung der Geſellſchaft
Jeſu (1896) ; Lindner, Enzyklop. Handbuch der
Erziehungskunde (1891) ; K. A. Schmid, Pädag.
Handbuch (2 Bde, ?1883/84) » Heider, Das wahre
u. das falſche Ehrgefühl (21896) ; Willmann, Die
hdaftif (*1909) 88 32 u. 36. [K. Kamp.]
Analogie, Das grie Fachau3druck der Mathematiker, den die Römer mit
proportio (unſer „Proportion“) wiedergaben ; e8
bezeichnete alſo die Gleichheit zweier Verhältniſſe.
(E3 iſt von 8v&-doyov gebildet, das bedeutet : ver»
hältnismäßig gleich, mutatis mutandis gleich. Bei
Ariſtotele3 heißen die Verwendungen eine3 Wortes
analog, bei denen dieſe3 in verſchiedenen Beziehun-
gen, alſo in nur relativ gleichem Sinne gebraucht
wird, wofür er als Beiſpiel „geſund“ anzuführen
pflegt, das man vom Menſchen, von der Leben3weiſe,
vom Heilmittel ausſagen kann. Solche analoge Be=
veutungen unterſcheidet er auch bei dem Begriffe
„jein“, der gültig u. doch verſchieden von Gott,
von einem Dinge, von einer Eigenſchaft, einem Ver=
hältniſſe, einem Vermögen, von Wirklichem u. Ges
dachtem uſw. ausgeſagt werden kann. Dieſe Unter»
ſcheidung iſt ein Hauptpunkt ſeiner Metaphyſik (bei
den Scholaſtikern analogia entis). In ſeiner Na»
turlehre berührt er öſter den analogen Bau der
Lebeweſen, 3. B. die Verwandtſchaft von Füßen,
Flügeln u. Floſſen, von Haaren, Federn u.
Suppen u. a.; ſo ſchreibt er den Tieren ein der
Vernunft analoges Vermögen zu (analogon ra-
tionis). „Zn der Logik ſpricht er der A. nur den
Wert der Vorbereitung für die Abſtraktion zu; denn
analoge Begriſſe ſind gleichgeordnet (koordiniert),
u, da8 Denken muß von ihnen anaiytiſch aufſtei=
gend zu dem Übergeordneten fortſchreiten, z. B.
Füße uſw. al3 Bewegung3organe, Haare uſw. als
Bedecung erkennen. Von Wert iſt aber die A. in der
Sprache, Rede, Lehre, da auf ihr die übertragene
Redeweiſe, die Metapher, beruht, dieveranſchaulicht,
wenn ſie Nichtſinnliches durch Sinnliches ausdrüt;
dasſelbe gilt vom Gleichniſſe, der Parabel u. der
Fabel. Wenn bei letzterer das Gemeinſame aus»
geſprochen wird, das tertium comparationis, der
allgemeine Saß, die Moral, ſo wird von der A. zum
Denkinhalte fortgeſchritten. In der Recht3wiſſen=
ſchaft bedeutet Necht3-A. die Anwendung einer Ges
ſezesbeſtimmung auf einen darin nicht vorgeſehenen,
aber mit den vorgeſehenen Fällen nahe verwandten
Fallnach dem Grundſake: Wodieſelberatio beſteht,
iſt dieſelbe Geſeßesanwendung an der Stelle. In
der Hermeneutik od. Exegeſe (Texterklärung) be=
jagt das Prinzip der A. Erklärung von dunkeln
Stellen mittel3 verwandter Partien od. Erklärung
aus dem Geiſte des ganzen Werkes, ein Prinzip,
da3 al38 „Glauben3=-A.“ in der ältern proteſtan-
tiſ Zn der Geſchichte der Sprachwiſſenſchaft ſpielt
der Gegenſaß von A. u. Anomalie eine Rolle, der die
griechiſchen 1. römiſchen Grammatiker in zwei Lager
teilte. Die Vertreter der A. traten für möglichſte
Oo

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