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zöſiſch, Latein, Geſchichte, Geographie, Mathe-
matik, Naturkunde, Krieg8baukunſt zur „hof-
fähigen“ Bildung führt. Die 3. Stufe, die zur
Univerſität überleitet, treibt Latein „bis zur gram=
matiſchen u. rhetoriſchen Nichtigkeit“, Griechiſch,
Mathematik, Geſchichte ſowie Einleitung in Theo»-
logie u. Philoſophie. -- Daß dieſe8 Jdeal von
einer Einheitsöſchulenicht verwirklicht werden konatc,
liegt auf der Hand ; es iſt eben das Produkt einer
der Erfahrung ermangelnden Übergangsperiode,
Literatur. J. D. Michaelis, Momoria G.
(Gött. 1761); J. A. Erneſti, Narratio do G. (Leipz.
1762) ; H. Sauppe, Joh. Matth. G. (Programm,
Weimar 1856); derſ., in der Samm. „Götting.
Profeſſoren“ (1872); F. A. Edſtein, im Progr. d.
Thomasſchule (1869) ; derſ., in K. A. Schmids En-
zyklop. d. geſ. Erzieh. u. Unterrichtöweſ. 11 (21878);
derſ., in der Allg. Enzyklop. von Erſch u. Gruber
(Bd 64); F. Paulſen, Geſch. d. gelehrt, Unterr,
(2 Bde, *?1896 f) ; Veröffentlihungen 3. Geſch. d.
gelehrt. Schulweſ. im Albertin. Sachſen 1 (1900).
[E. M. Noloff.]
Geſpenſterſur Geſpielen 1, Kameraden ſ. Umgang.
Geſundheit, Im Körper des Menſchen
findet vom Anfang ſeines Daſeins an bis zu ſeinem
Ende ein Entſtehen, Aufbauen u. Vergehen ſtatt.
Dieſe3 nennt man den Stoffwechſel im weiteſten
Sinne de3 Wortes. Geht dieſer ununterbrochene
Wechſel der Materie beim Auſbaue de8 Körpers,
bei ſeiner Verjüngung u. ſeinem Abſterben in ge-
höriger Ordnung vor ſich, ſo nennen wir das G.;
dieſe äußert ſich in einem Wohlbefinden, Ver-
läuft der Stoſſwechſel abnorm, werden alſo die
Kreiſe der Natur geſtört, dann ſpricht man von
Krankheit, die in Verſchlimmerung de8 Allgemein=
befindens ſowie der Organäußerungen zum Aus=
drucke kommt. Da G.öſtörungen die Arbeitskraſt
mindern u. allerlei Beſchwerden, Übelbefinden u,
Schmerzen zur Folge haben, die G. dagegen un=
geſchwächte Kräfte zur Entfaltung kommen läßt,
jo hat man Geſeße aufgeſtellt, welche die G. er-
halten, die Krankheit verhindern ſollen. Dieſe
ſind vereinigt in der G.ölehre (Hygiene), die ſich
in zwei verſchiedene Abteilungen gliedert, je nach-
dem der einzelne od, die Öffentlichkeit dieſe Geſeße
zu befolgen hat, je nachdem gewiſſe Alter8=-, Ges
ſchlecht3= od. Beruf8gruppen durc die Befolgung
ihrer Negeln in günſtigem Sinne beeinflußt wer=-
den. Man ſpricht daher 1. von einer perſönlichen,
2. von einer öſſentlichen G. 8pflege, u. jede dieſer
kann ſich befaſſen mit dem Kinde vom Säuglings8=
bis zum Erwachſenenalter a) mit der G.öpflege
für Mann u. Frau, b) mit einer Gewerbe» u.
Arbeiter-G.3pflege.
Die perſönliche G.öpflege betrifft die Er=
nährung, die Kleidung, die Wohnung, die
Pflege der einzelnen Körperorgane mit vernünſ-
tiger Abhärtung.
Die öffentliche G.3pflege wirkt auf Ver-
hältniſſe ein, auf die der einzelne keinen Cinfluß
hat; ſie betriſſt die Hygiene der Wohnungsanlagen,
Geſpenſterfur
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die Beſeitigung der Abfallſtoffe, der Menſchen-
u, Tierleichen, die Nahrungsmittelkontrolle, die
Waſſerverſorgung.
Die Säugling3pflege hat die hygieniſche Pflege
der Säuglinge, ihre rationelle Ernährung, Klei-
dung u. Wohnung, ihre Abhärtung im Auge, die
Sculhygiene (ſ. d.) vertritt das Wohl der ſchul=
pflichtigen Kinder, die Gewerbehygiene wird zum
Wohle u. Schuhe der G. der Gewerbetreibenden
die Verhütung der Berufskrankheiten verfolgen,
die Arbeiterhygiene diejenige der Arbeiter in
Fabriken.
Daß man mit Befolgung der G.s8lehre, auch
wenn Maßnahmen notwendig ſein ſollten, die viel
Geld koſten, Gutes ſchafft, was ſich in der G.
eine3 Volkes hoch u. lange verzinſt, dafür mag fol=
gende38 Nechenexempel al3 Beleg dienen: Nehmen
wir an, daß z. B. in einer Stadt von 20000 Cin-
wohnern mit etwa 8000 Arbeitenden die Sterblich»
keit in einem beſtimmten Lebensalter dur lich um 2 von 1000 geringer wird, ſo finkt auch
die Erkrankungsziſſer. Auf einen Todesfall treffen
durchſchnittlich 34 Erkrankungsfälle; es würde alſo
die Zahl der lehtern um 544 vermindert. Die
mittlere Krankheit8dauer aber beträgt 20 Tage,
wa3 auf die angegebenen Erkrankungsfälle die
Summe von 10880 Arbeitötagen ausmacht.
Rechnet man mun den dur Arbeitöverdienſt =- gering genommen -- zu 4 X,
ſo werden alſo durch die geſundheitliche Beſſer-
ſtellung dieſer Arbeiter jährlich 43 520 M erſpart,
Nehmen wir dazu den Jahre3verdienſt der zu früh
Verſtorbenen nur zu 2000 X, ſo erhöhen ſich die
Erſparniſſe noch um 32 000 3/. Dazu kommen
die Erſparniſſe für Arzt= u. Apothekerkoſten, die,
pro Jahr u. Krankheitsfall zu 8 X/ taxiert, wieder
4352 M aus8machen; mithin erſpart die Stadt
alles in allem 798782 M, gewiß eine beherzigens-=
werte Summe, welche den Wert der G.3pflege u.
ihre Behandlung in der Säule in3 rechte Licht
rückt. Vgl. die Art, Abhärtung, Anſte>ende Krank=
heiten, Ernährung, G.8lehre, Körperpflege, Shul-
hygiene u. die ſonſtigen mediziniſchen Art. dieſe8
Lexikon.
Literatur. A. Baur, G.öpſlege fürs Haus
(1905) ; Spemanns „Goldene8 Buch d. G.“ (1904),
ſowie die bekannten Lehrbücher der Phyſiol. (Lan-
dois, Gad u. Heymann uſw.) u. der Kinderkrank-
heiten (Baginsky, Heubner ujw.). [A. Baur.]
Geſundheitslehre in den Schulen. Im
Intereſſe der Geſundheit (ſ. d.) iſt e8 geboten, daß
die Schule jede Gelegenheit wahrnimmt, den
Schulkindern G.n zu vermitteln u. ſie geſundheit-
lich aufzuklären. In erſter Linie kommt für dieſe
hygieniſchen Unterweiſungen der Lehrer in Betracht.
Er kann im Unterrichte jeder Diſziplin Gelegen=
heit nehmen, geſundheitliche Ermahnungen u. Rat=
ſchläge zu erteilen in einer der Faſſungskraſt jeder
Altersklaſſe angepaßten Form, Den jüngſten
Sculkindern mögen Erzählungen aus dem täg=
lichen Leben mit ſeinem geſundheitſchädigenden


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