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ſprachliche Schulung zu kurz, wenn ſich der Unter-
richt ganz od. vorzugsweiſe nur in F. u. A. bewegt.
Wir üſſen den Schülern mehr Gelegenheit geben
zur Darlegung ihrer eignen Auffaſſungen u. Ein-
rüde, zur Wiedergabe eines zuſammenhängenden
Ganzen. Statt ein Leſeſtück, eine Erzählung ab-
zuſragen, laſſe man den Schüler erzählen u, helfe
mit F.u nur weiter, wenn er ſto>t; ebenſo ver-
ſäume man nicht, das Ergebnis einer einheit-
lichen Unterrichtötätigkeit vom Schüler mit ſeinen
Worten zuſammenfaſſen zu laſſen. Man kann
ihm ja in lurzen Merkworten, die F.n paſſend er-
ſehen, eine Diöpoſition als Anhalt geben. Unſre
Schüler gehen im Unterrichte zu wenig aus ſich
Heraus , jprechen zu wenig, die natürliche Er-
zählung8gabe verkümmert ſehr bald, weil ſie ge-
wöhnt werden, nur zu antworten, wenn gefragt,
y, nur auf das, wa3 geſragt wird.
Im Unterrichte iſt ja ohnehin da3 Verhältni3
des Geſragten zum Fragenden eigentlich auf den
Kopf geſtellt ; es ſragt derjenige, der die A. weiß,
1. gefragt wird der, welcher ſie ſo u. ſo oft
nicht weiß. Schon dieſe Umkehrung de3 natür-
lichen Verhältniſjes könnte vor einer Überſchähung
der F. u. A. im Unterrichte warnen. Die freie
Darſtellung de3 Schüler3 darf jedenfalls nicht zu
furz kommen (ſ. Erotematiſche Lehrſorm),
V. Die Antwort, Die A. ſoll der F. ent»
ſprechen, Sie muß alſo zunächſt ſachlich richtig ſein;
ſie muß die Ergänzung des Urteil3 geben, welche
die F. verlangt, unzweifelhaft u. beſtimmt, Man
dar] ſich nicht mit einer halben od. unklaren
A, begniigen, auch nicht dulden, daß der Schüler
um die Sache herumrede u. durch Worte die
Lücke im Wiſſen zu verde>en ſuche. Erfolgt keine
A. od. eine falſche, ſo wird man zunächſt den
Schüler auf die richtige zu führen ſuchen ; gelingt
da3 nicht od. nur ſchwer, ſo läßt man ſie durch
einen andern Schüler geben, greift dann aber auf
den erſten zurück, um ſich zu überzeugen, ob er
zieht da3 Verlangte weiß u. verſteht.
Die A. muß ſerner ſprachlich richtig ſein, das
liegt in der Aufgabe de3 Unterrichts. Soll ſie
auch immer in einem ganzen Sate erfolgen? Auf
der Unterſtufe jedenfalls, Die A. im ganzen Saße
gibt eine gute ſprachliche Schulung, bekämpft die
Sprechſaulheit u. macht einen guten Eindruck.
Daß die Schüler dabei die F. de3 Lehrers mit
denjelben Worten u. in derjelben Neihenfolge
wiederholen, iſt nicht nötig, wirkt bei größern
Schülern ſogar leicht komiſch ; hier wird man auf
eine ſreiere A. im ganzen Saße hinwirken. Wo
nur vielleicht eine Zahl od. ein Name anzugeben
ijt, kann man ſich auch damit begnügen, hier iſt
dem Ermeſſen des Lehrers ein gewiſſer Spielraum
zu laſſen. -- Wie die F., wo der Lehrer ſeine
Sezülor in der Hand hat, oſt nur mit einzelnen
„231778 ausgedrücdt werden kann, wie oben dar-
gelegt, jo braucht bei reiſern Schülern auch die A.
nur in der Ergänzung de3 unvollſtändigen Urteils,
da3 die F. darſtellt, zu beſtehen. Hier eine A.
Fragen der Linder -- Franke,

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im ganzen Saße unter allen Umſtänden zu for»
deri, erſchiene leicht pedantiſch. Tatjächlich wird
die Forderung einer A. im ganzen Saße auch
häufiger erhoben als befolgt.
Literatur. A. Neinſtein, Die F. im Unterr.
(1874, 21903); dazu die Kritik von K. Juſt: „Die
Unterrichtömethodi?k 1. ihre Begründung“, u. die
„Vemerkungen zu Reinſteins F. im Unterr." (An-
hang zu Juſts Kritik, von E. Thränendorf, im
Jahrb. des Ver. |f. wiſſenſch. Pädag., hrög. von T.
Ziller, 10. Jahrg. (1878), 216/242 u. 242/251);
K. Juſt, Über die Form des Unterr, Eine Unterſuch.
aus d, Gebiete d. allg. Methodik (ebd., 15. Jahrg.
[1883], 129/154); Th. Imme, Die F.ſähe nach
pſy des Gymn. in Nleve, 1879 u. 1881); O. Folh;, Die
TF. als Bildungsmittel (Pädag. Blätter, hrg. v.
NR. Rehr, 1881, Nr 31); W. Thilo, Nec (Nhein. Blätter XXXV111 71/102); Fr. Mich.
Vierthalers Ausgew. pädag. Schriſten , hr8g. von
8. Glö>l (1893; Bibl. d. kath. Pädag. V1 232/251)
1. von W, v. der Fuhr (Samml, der bedentendſt.
pädag. Schr. aus alter 1. neuer Zeit. 1. Geiſt der
Sokratik [1904)). [J. B. Seidenberger.]
Fragen der Kindexr ſ. Wißbegierde.
Frante, Auguſt Hermann, 1. die Frantee-
ſchen Stiftungen, 1. Lebensgang. F.8 Fa-
milie ſtammte aus Thüringen. Der Großvater
war in ſeinen Wanderjahren al8 Bäder nach Lü-
be gekommen u. wohlhabend geworden, ſo daß er
ſeinen Sohn, den Vater Auguſt Hermanns, die
Nechte ſtudieren laſſen konnte, Dieſer erwarb ſich
als Anwalt großes Anſehen, wurde zufällig dur
eine geſchäftliche Verhandlung dem Herzog Ernſt
dem Frommen v. Gotha vorteilhaft bekannt u. er-
hielt von dieſem eine Berufung als Hoſ= u. Juſtiz»
rat. Nicht lange jollte er ſich der wiedergewon=-
nenen Heimat erfreuen, denn er ſtarb bald.
Daz jüngſte Kind Auguſt Hermann wurde am
22. März 1663 zu Lübe> geboren, war alſo bei
der Überſiedlung nach Gotha 3 Jahre alt. Sein
von der frommen Mutter gepflegter religiöſer Sinn
erlitt durc< den Verkehr mit ältern Knaben früh-
zeitig manchen Stoß, den die gutgläubige Schweſter
mit Mühe auszugleichen ſuchte. Die Univerſität
Erfurt bezog er 16jährig, um Theologie zu ſtu-
dieren; nebenbei beſchäftigte er ſich eifrig mit Phi-
loſophie, Geſchichte u. den Grundſprachen der Bibel.
Ein anſehnliches Familienſtipendium an der Uni=-
verſität Kiel veranlaßte ihn, dorthin überzuſiedeln
u. zugleich ſich in dem nahen Hamburg bei dem
jüdiſchen Gelehrten E3ra Edſardi im Hebräiſchen
weiterzubilden. Zum Abſchluß brachte er ſeine
Studien während eine3 anderthalbjährigen Auſ-
enthaltes im Elternhauſe. 1685 erwarb er in Leip-
zig den Grad eines Magister artium liboeralium.
An derſelben Univerſität begann er alsbald ſeine
Dozentenlauſbahn. Aufjehen erregten ſeine Col-
Jegian philobiblieca, in denen er den Verſuch
einer praktiſch-erbaulichen Bibelerklärung machte,
u. dur die er ein Hauptvertreter des Pietiömus
(). d.) wurde. Die Studenten zog er mächtig an,
denn e3 wurde ohne weiteres klar, daß er ſür den

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