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Tätigkeit au3, 1827 wurde er Proſeſſor der Phi-
loſophie am kantonalen Lyzeum in Luzern u. legte
als jolcher ſeinem Kurſe die Philoſophie von F. H.
Jacobi zugrunde ; bald ſammelte ſich eine Schar
begeiſterter Schüler um ihn. -- 1834 kehrte G.
nac Leben8werk zu vollenden. 1844 erſchien der (Fin=
leitungö8band: Do I'euseignement r6gulier de
Ja langue maternells, der gewaltigen Erfolg
hatte; die franzöſiſche Akademie verlieh G. den
Prei38 Montyon (1844). 1845/48 erſchien ſodann
in 7 Bänden ſein Cours 6ducatif de 1a langue
maternelle. -- Jm höchſten Alter rieſen die
Stürme de38 Sonderbundskrieges den greiſen G.
nochmal3 in die Öſſentlichkeit. Im Nov. 1847
war in Freiburg dur< den Sturz de3 konſerva=
tiven Negiments8 u, die Vertreibung der Jeſuiten
der Nadikali3mus zur Herrſchaft gelangt. G. folgte
dem NRuſe der neuen Negierung in die Kommiſſion
zur Auzarbeitung eines neuen Unterricht3geſeße3.
Bald aber empörte ihn das religionsfeindliche
Schalten de8 Negiment8, Sein Proteſt gegen
die freigeiſtige Umgeſtaltung de8 Kollegiums
St Michael war die lekte öffentliche Kundgebung
G.3. Er ſtarb am 6. März 1850. Der Große
Rat errichtete ihm 1860 ein Standbild auf dem
Lindenplaße zu Freiburg.
1. Methode. G. wollte alle Lehrgegenſtände
in den Dienſt der Seelenbildung ſtellen. Zentrum
de3 Unterricht3 war ihm die Mutterſprache, die
er als den Haupthebel der ſittlichen u. religiöſen
Erziehung betrachtete gemäß ſeinem Axiom: „Die
Worte für da3 Denken, die Gedanken für da3
Herz u. das Leben.“ Das religiöſe Bildungs8ziel
hielt er konſequent im Auge, wobei er allerdings
in Unterricht u. Predigtweiſe von der Zeitphilo=
ſophie beeinflußt war u. die induktive Methode auf
die Gewinnung der üÜbernatürlichen Wahrheiten
übertrug. P. N. Nädle bezeichnet G.38 Religions8=
auffaſſung al3 „myſtiſchen Sentimentali8mus“,
--- Die Methode G.3 wird gekennzeichnet durch
den wechſelſeitigen Unterricht (ſ. d.), der mit dem
Unterrichte des Lehrers ſich verband zum Bnseigne-
mont mutue] mixts. Zur Einführung dieſer Me=
thode wurde G. durd) die Notwendigkeit gedrängt.
1815 zählte ſeine Schule 300 Schüler. Dem
Präſekten ſtanden nur vier Lehrer zur Seite; der
Magiſtrat war außerſtande, mehr Lehrkräſte zu
beſolden. G. mußte alſo entweder die Hälſte ſeiner
Schüler zurückweiſen od. die Hilſskräſte nehmen,
wo ſie gemäß ſeiner Erfahrung in der eignen Kind-
heit ſich fanden. Unter der genialen Leitung G.3
erzielte ſein Helferſyſtem die gehofſten Früchte.
Vorher waren die 300 Schüler verteilt auf 4
Klaſſen. Von 1816 an beſtanden 27 Abteilungen,
die ſtuſenmäßig aufſtiegen, jedem Schüler den
ſeiner Entwicklungsſtuſe entſprechenden Unterricht
u. dem Präfekten überdies die Möglichkeit boten,
100 Schüler mehr aufzunehmen. So entſtand
G.3 weltberühmte Schule. =-- Heute iſt allerdings
der wechſelſeitige Unterricht wie G.3 Sprachpäd=

Glaube u, Glauben3bekenntnis.

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agogik auf der ganzen Linie verlaſſen. Die Ur=
ſache dieſes Mißerfolges erblicken wir -- abgeſehen
von der innern Unhaltbarkeit des wechſelſeitigen
Unterricht8 =“- in dem verſehlten Streben, den
Sprachunterricht zum Zentrum der Schulfächer zu
machen. Der Sculunterricht kann aber nur ein
ideale3 Zentrum haben ; dieſes muß in der lichen Schule die Religion ſein. -- G. war ein
großer Bahnbrecher. Er hat der Didaktikneue Wege
eröffnet, den Unterricht in der franzöſiſchen Sprache
auf einen pſychologiſchen Boden geſtellt. Sein
Werk iſt durchaus originell; e3 ſpiegelt vollkommen
die Cigenart von G.3 großer Perſönlichkeit wider.
DI, Schriften. G. ſchrieb mit gleicher Ge=
wandtheit in franzöſiſcher u. deutſcher Sprache.
Das vollſtändige Verzeichnis ſeiner philoſophiſchen,
theologiſchen u. pädagogiſchen Schriften gibt P, N.
Rädle (|. u. Lit., S. 106 f 117f127f). Auf G.3
philoſophiſche3 u. theologiſches Denken haben die
rationaliſtiſchen u. gallikaniſchen Strömungen des
Zeitalters ſtark eingewirkt ; aber ſeine Verſtande3=
kraft, der Adel ſeines Gemütes u. der Geiſt des
Franziskanerorden3 haben ihn auf der Höhe er-
halten, =- Von den pädagogiſchen Scriſten G.3
nennen wir als die wichtigſten: Rapport sur
N'institut de M. Pestalozzi ä Yverdon, pre-
gente ä 8. 5. M. 16 Landammann et ä la haute
diete des 19 Cantons de la Suisse (Freib. i. Ue.
1810); Discours prononces par le Prefet de
1'Kcole frang. de Fribourg aux distributions
des prix de 1817 a 1822 (ebd.); Grammaire
des campagnes (1. Tl, ebd. 1821); Me-
moires adresses en 1818 et en 1823 au Con-
Seil municipal de Fribourg; Premieres no-
tions de Religion ä l'usage des jeunes en-
fants (Bar. 1854); De V'enseignementregulier
de la langue maternelle dans les ecoles et
les familles (ebd. 1844 ; n. A. Lüttich 1848;
deutſch von K. N. Pabſt : „Über den regelmäß.
Unterr, in d. Mutterſpr. f. Schule u. Haus“,
Biel 1846) ; Cours educatif ds la langus
maternelle (7 Bde, Par. 1845/48; n. A.
1856 ff u. 1880/81). Sprachlehre mit erzieh=
lichem Zweck in drei Teilen: Syntax der Au3=
ſage, des Saße8, der Periode,
Literatur. Quelques souv. de ma vie avec
quelquos reſlexions (Lebens8erinn. G.8, erſchienen
in L'6mulation nouvelle de Fribourg [1852]); GE.
Naville, Notice biogr. sur 16 P. G. (Genf u. Pax.
1850) ; W. v. TFellenberg, P. G.8 Anſicht. üb.
Volksbildung (1832); N. Rädle O. M. Cony., Le
Couvent des RR, PP. Cordeliers de Fribourg.
Notice historique 57 ff (Lebensſkizze P. G.8, Freib.
1882) ; Alex. Daguet, le Pöre G. et 80n temps
(2 Bde, Par. 1896); G. Compayree, Le Pere 6.
et 'educat, par la langue matern., (ebd. 1907) ; R.
Chaſſot, Le Centenaire du P. G. (Freib. 1906).
[I. Beck.]
Glaube u. Glaubensbekenutnis, I. Der
GlaubenZs8akt. Das Wort G. hat viele Bedeus=
tungen ; hier haben wir es mit dem religiöſen
G. zu tun. Auch ſo no

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