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gabe, den unmündigen Menſchen durch plan-
müßige Ausbildung u. Stärkung ſeiner guten
(leiblichen, geiſtigen u. ſittlihen) Kräfte u. An-
lagen 11, dur gungen dazu anzuleiten (geneigt zu machen) u.
zu beſähigen, daß er ſelbſtändig ſein leßte3 Ziel
erſirebe, Auf dieſe CE. hat jedes Kind ein Recht,
weil es ein von Gott verlichenes Anrecht auf
Erreichung ſeiner Beſtimmung hat. E38 beruht
auf einem Mißverſtändniſſe, wenn Herbart bes=
hauptet: „Es iſt falſch, wenn man der E. ihren
höchſten Zwe> außerhalb de8 Individuum8 an=
weiſt, ſo daß man das Kind für gewiſſe ideale
Zwede, z. B. für Gott, erzieht." Da3 Cbenbild
Gotte8 kann nur in Gott ſein höchſtes Ziel u.
ſein wahre3 Glü> finden, darum iſt die E. zur
glücſeligen Vereinigung mit Gott die einzig rich»
tige, der innerſten Natur des Menſchen entſpre=
Heidentum das Diesſeit3 u. das Jenſeit3 aus=
einander, ſondern es betrachtet das Leben hier u.
da38 Fortleben dort als ein zuſammenhängende38
Ganze3 u. benußt die diesſeitigen Leben3verhält-
niſſe u. Bildungsmittel zur E. für die Ewig»
keit u. verleiht damit dem ganzen E.8werke einen
ewigen Wert. Den Eltern obliegt an erſter
Stelle die Pflicht u. das Necht, als Stellvertreter
Gotte3 ihre Kinder durd) eine Beſtimmung entgegenzuführen. Die E. kann aber
die Bildung, namentlich die Charakterbildung de3
jungen Menſchen nicht abſchließen, u. e3 iſt eine
irrige Auffaſſung, wenn man meint, der Zögling
müſſe od. könne aus der führenden Hand ſeiner
Eltern u. Lehrer als ein vollendeter Menſch u,
Chriſt hervorgehen. Die E. hat vielmehr das
ihrige getan, wenn ſie den Zögling befähigt u.
geneigt gemacht hat, ſelbſtändig auf dem Wege,
den die €. ihn geführt hat, ſortzuſchreiten u. durch
treue Pſlichterfüllung ſich den Himmel zu ver-
dienen. Dieſe Aufgabe der E. iſt eine herrliche,
aber ſo groß u. ſchwierig, daß ſie nur mit der G.
Gottes gelöſt werden kann. Vgl. darüber 3. B.
Gräfe a. a, O. 402. Nach ihm ſoll die E. „die
Natur im Zöglinge veredeln, daß er ein andrer
werde, als er von Natur iſt, daß er wiedergeboren
werde im Geiſte u. durch den Geiſt. Hierin liegt
das Chriſtliche der E. Jede wahre E, iſt eine
natürlichen egoiſtiſchen Sinne zu entkleiden, den
Keim einer heiligen Gottesliebe in ihn zu pflanzen
u. den natürlihen Hang zum Böſen zu ver-
drängen durc) die Liebe zum Guten". Gräfe
nennt die E. eine „geiſtige Zeugung“, deren
„eigentlichſte Tätigkeit ſchöpferiſcher Natur iſt u.
ſein muß“. Der Einrede, ſeine Auffaſſung ſei
myſtiſch, kommt er zuvor mit der Erklärung:
„3 habe nichts dagegen. Jſt doch der Geiſt
des Menſchen u. ſein Verhältni8 zu Gott ge-
heimnisvoll u. myſtiſch. Wie ſollte nicht das
tieſſte Weſen der E, geheimnisvoller, myſtiſcher
Natur ſein?“ Und ſchließlich erklärt er: „Da3
Gnade u. Erziehung.

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große Geheimnis der E. erſchließt ſich nur in der
Erlöſung.“ Da3 alles iſt ſchön u. wahr ge=
ſprochen, bewegt ſich aber in Allgemeinheiten, die
für die erzieheriſche Tätigkeit fruchtlo3 bleiben.
Gräfe hat das Nichtige geahnt, e3 hat ſich ihm
aber nicht aufgetan. Zwar ſagt er: „Ohne andre
Mittel zu verſchmähen, gilt der das Wort Gottes als das hauptſächlichſte u.
wirkſamſte E.8mittel , durch das göttliche Kraft
in den Zögling dringt u. deſſen Innere3 mit
einem neuen Geiſte erfüllt." Gewiß iſt das
Wort Gotte3 ein mächtiges E.3mittel, denn e3
iſt „lebendig u. wirkſam u. einſchneidender al3
jedes zweiſchneidige Schwert“ (Hebr 4, 12), aber
nur für den, der e3 gläubig aufnimmt u. es
ſich nicht nac) ſeinem Sinne aus= u. zurecht=
legt. Die gläubige Aufnahme aber vermittelt der
Hl, Geiſt durch ſeine G. Der göttliche Heiland hat
38 Jahre lang gelehrt u. ſeine Lehre dur< zahl=
reiche Wunder beglaubigt, u. wir leſen nirgend3
im Evangelium, daß ſein Wort Tauſende bekehrt
habe. Sein Wort u. ſein Beiſpiel haben nicht
einmal die Apoſtel ganz umgewandelt. Der Hei-
land verwies ſie in ſeiner Abſchied3rede auf den
Hl. Geiſt, der „bei ihnen bleiben u. in ihnen ſein
u. fie alle3 lehren wird“ (Jo 14, 17 26 u. 16, 12).
Und unmittelbar vor ſeiner Himmelfahrt ſprach er
zu ihnen: „Ihr werdet die Kraft des über euch
herabfommenden Hl. Geiſtes empfangen u. mir
Zeugen ſein . .. bi8 an die Grenzen der Erde“
(Apg 1, 8). Nach Herabkunft de38 Hl. Geiſtes
waren die Apoſtel umgewandelt, u. e3 war eine
Wirkung dieſe3 göttlichen Geiſte3, daß die erſte
Predigt Petri am Pfingſtfeſte die Herzen der Zu=
hörer „durchſtach“ u. bei 3000 von ihnen ſich
taufen ließen. Der Hl. Geiſt iſt der Kirche ge-
ſandt worden, daß er bei ihr bleibe in Ewigfeit
u. die G.n ausſpende, die Chriſtus der Menſchheit
verdient hat. „Gott will“, ſagt Auguſtinus, „jein
Wort u. ſeine G. den Menſc vermitteln, ſonſt würde die Stellung de3 Men-
ſchen herabgedrü>t.“ Da8 Schwache in unſerm
Weſen kann nur dur) ein Stärkere3, das es ergreift,
geheilt; da38 Verkehrte u. Sündhafte in unſrer
Natur nur durch ein Heiliges, das ſie reinigt, ver=
edelt u. zum Guten hinzieht, beſeitigt ; da3 Niedere
nur durch ein Höheres, das ſich ihm einigt, em=
porgezogen u. gehoben; die Blindheit unſers
Geiſtes nur durch ein Licht von oben, da8 ihn
durchleuchtet; das unerſättliche Herz nur durch
da3 höchſte, unwandelbare Gut, das fich ihm zu
koſten gibt, befriedigt werden. Der Hl. Geiſt
ſtattet das Menſchenkind mit höhern, übernatür=-
lichen Gaben u. Kräften aus, indem er ihm in der
Taufe die durch den Sündenfall der Stammeltern
verlorene heiligmachende G. verleiht u. die
übernatürlichen Fähigkeiten des Glaubens, der
Hoſſnung u. der Liebe in ſeine Seele eingießt.
adur< wird der Menſch von der Erbſchuld ge-
reinigt u. zu einem ſeiner erhabenen Beſtimmung
entſprechenden Wirken befähigt. Der Hl. Geiſt

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