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den beſlen Nerv ihre8 Lebens zerſchneiden, wenn
ſie die innige Verbindung mit der Kirche auflöſen
wollte, wenn ſie es nicht als ihre Aufgabe betrach»
tele, die Jugend zu Got? hinzuführen," Die
neueſten Beſirebungen radikaler Lehrer können ſich
alſo auf G. nicht beruſen. Er iſt aber dagegen,
daß die Geiſtlichen die Herren in der Volköſchnle
bleiben, die Schulverwaltung ſoll durch ſelbſtändige
Behörden geführt, jedenſalls müſſen Sachver-
ſtändige dabei beteiligt werden, Die Lehrer ſollen
von den niedern Kirchendienſten beſreit ſein, G.8
„Deutſche Volls8ſchule“ hat durch Schumann eine
eingehend umgearbeitete Geſchichte der Volksſchule
erhalten, an der bei aller Gründlichkeit nur auß»
njehen iſt, daß das katholiſche deutſche Volks»
Thu weſen zu wenig zur Geltung kommt. Zn
vielem können wir aber Schumann zuſtimmen: daß
G. politiſchen Freiſinn u. deutſche Vaterlandsliebe,
ee wiſſenſchaſtliche Arbeit mit Verſtändnis
ür die praktiſchen Bedürfniſſe vereinigt, daß ſeine
„Deutſche Volksſchule“ eines der hervorragendſten
neuzeitlichen pädagogiſchen Werke iſt, daß es
epochemachend wirkte in der Entwicklung der
rundbegriſſe der Erziehung u. Schulzucht, wie
die Nachahmungen bei Dittes, Rüegg, Böhm u. a.
zeigen, daß G. Über die Lernſchule hinausgeht,
das Lernen zu einer Tat umgeſtalten will, u. daß
er auch ſür die materielle Beſſerſtellung des Lehrer-
ſtandes erfolgreich wirkte. Gegenüber dem ſpelu»
lativen, philoſophiſchen, aber originellen Graſer
wirken G.8 Schriſien durch ihre Klarheit wohl»
tnend, gegenüber Dieſterweg erwärmend durch den
Anregung.
111. Schriften, Von ſeinen zahlreichen Werken
ſeien erwähnt: „Archiv ſür d. prakt. Vollöſchul=
weſ.“ (8 Bde, 1828/35); „Das Rechtsverhältnis
der Volkſchule von innen u. außen" (1829);
„Die Schulreſorm mit beſ. Beziehung auf das
Königreich Sachſen“ (1834) ; „Handbuch der
Naturgeſchichte der drei Neiche“ (1838; mit
Staumann); „Schule u. Unterricht, Abhand-
lungen über wichtige pädag. Fragen unſrer Zeit“
(1839) ; „Allgemeine Bädagogik" (2 Bde, 1845);
„Die deutſche Volksſchule“ (3 Bde, 1847; *1878
von Schumann ; die beiden Hauptwerke).
Literatur. K. Sc IV (*1895) 218; IJ. Böhm, Geſch. der Pädag. mit
Charakterbildern 11 (1893) 398 ; F. Dittes, Schule
der Pädag. (*?1880) 1000 fj ; Schumann, in G.s
Dtſch. Volksſchule* 111 (*?1878) 499 fj ; K. Knabe,
inW. Neins Enzyklop. Handb. d. Pädag. 111 (?1905)
638/646 ; Ache1is, Die Wandlungen d. Päd. (1901,
in Bd 22, S. 144 ff von „Am Ende d. Jahrh.) ;
Lotholz, in Allg. dtſch. Biogr. 1X 556 ff.
[I. Heigenmooſer.]
Grammar School ſj. Großbritannien u.
Irland (Schulweſen).
Grammatik. 1. Name u. Begriſſ. Der
Name G. kommt her von dem griechiſchen Worte
Grammar Sohool -- Grammatik.

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10e3ppa == Schriſtzeichen, Buchſtabe, u. in er»
weitertem Sinne = Schrift, ſchriſtliche Gedanken»
äußerung, in der Mehrzahl auch = Literatur, Die
[rey] ypappurtzrh (z= SG.) iſt alfo zunächſt die
Kenntnis von den Buchſtaben u. weiter die vom
Leſen u. Schreiben. Der Lehrer dieſes Wiſſens
hieß ypoappatarig, was heute etwa den Volks-
ſc Kenntnis qypappoar6s. Die Bedeutung dieſes
Wortes erweiterte ſich dann zu der eine8 Philo»
logen, 1. damit nahm im Altertume auch der
Name G. die weitergreiſende Bedeutung von phi»
lologiſcher Wiſſenſchaft an. Heute verſteht man
nnter G. die Darſtellung der geſamten Regeln,
die ſür die Formenlehre u. Syntax einer
Sprache gelten (Sprachlehre). Die Formenlehre
zerfällt wieder in Lautlehre u. Morphologie, lehtere
in Wortbildung3- u, Flezionslehre (Lehre von der
Deklination u. Konjugation); die Syntax entwickelt
die Geſehze über die Verbindung von Wörtern zu
einem Saße u, über die Saßarten (Saßlehre).
11. Geſchichte des Begriffes G. Mit gram»
matiſchen Fragen beſaßten ſich zuerſt die griechi-
ſchen Philoſophen, vor allem Heraklit, Demokrit,
die Sophiſten, Platon, Ariſtoteles u. die Stoiker.
In der Hauptſache handelte es ſich bei ihren Er-
örterungen darum, wie ſich die Namen od. Be-
zeichnungen zu den Dingen ſelbſt verhielten, d. h.
ob das Wort notwendig (pvoz:) durch die Sache
bedingt jei, od. ob e8 durch willkürliche Überein-
kunft (Veozt) zur Bezeichnung eines Dinge3 ge-
wählt ſei. Von anſangs phantaſtiſch willkürlicher
Worterklärung u. dilettantiſcher Etymologie (He-
raklit) drang man allmählich zur Unterſcheidung
der Nedeteile (Platons „Kratylo8“) u. zum Be
griſſe des Saßes (Ariſtoteles, Stoiker) vor, den
man aber nach ſeinen logiſchen, nicht nad) ſeinen
ſprachlichen Elementen behandelte. Von den grie-
matiſcher Fragen über auf die Bibliothekare der
Ptolemäer in Alexandrien, unter denen beſonders
Ariſtophanes v. Byzanz (um 180 v. Chr.) u.
Ariſtarch v. Samothrake (um 150 v. Chr.) zu
nennen ſind, u. der Attaliden in Pergamon, an
deren Spiße Krates v. Mallo3 ſtand. Die erſte
iyſtematiſche Darſtellung der grammatiſchen Ge=
ſehe verdanken wir Ariſtarc<8 bedeutendſtem Schü-
ler, Dionyſio3 Thrax (um 100 v. Chr.). Seine
G. enthielt eine Zuſammenſtellung der grammati-
ſchen Bezeichnungen nebſt ihrer Erläuterung an
Beiſpielen, Sie iſt bald in andre Sprachen, ſo
ins Armeniſche u. Syriſche, überſcht worden u.
iſt troß Abänderungen in Einzelheiten im großen
u. ganzen das eigentliche Handbud) der G. bis
in die neuere Zeit geblieben. Eine Ergänzung der
G. des Dionyſios Thrax durc eine Syntax lie-
ſerte zur Zeit des Kaiſers Hadrian der Alexandri»
ner Apollonio8 Dyskolo8; ſein Sohn Alius He=
rodianus gab wertvolle Beiträge zur Formenlehre
heraus. Das von den Griechen geſchaffene Syſtem
der G. haben die Nömer reſtlos übernommen ; ſie

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