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Formulierung verbeſſerungs8bedürſtig ſein, da ſie
allzuſehr am Buchſtaben klebte : an der Tatſache,
daß er durch Jein Geſeß nicht nur die germaniſche,
jondern zugleich auch die indogermaniſche Laut»
lehre begründet, das Fundament zu aller etymo»
(wgiſchen Forſchung gelegt hat, ändert das nichts.
Die Grammatik ſteht im Mittelpunkte von Jakobs
zweiter Schaſſenöperiode, 1826 erſcheint der 2.,
1831 der 3, Bd; ſie behandeln die Lehre der
Wortbildung. 1837 bietet der 4. Bd die Syntax
des einfachen Sapßes. Damit bricht das gewaltige
Werk ab. Eine Umarbeitung de3 1. Bdes wurde
begonnen, gedieh aber nicht über den 1, Abſchnitt!
hinaus (1840 erſchienen). Ein neuer, aus G.3
Nachlaß reich vermehrter Abdruck, von W. Scherer,
E. Schröder u. G. Röthe beſorgt, erſchien 1870/98.
Neben der Grammatik lieſen andre Arbeiten her:
1828 veröffentlichte Jakob die „Deutſchen Rechts8-
altertümer“ (4. Aufl. von A. Heusler u. R. Hüb-
ner, 2 Bde, 1899) ; ſie bieten Materialien für das
ſinnliche (poetiſche) Clement de8 germaniſchen
Rechts. N18 Quellen dienen Rechtsſprichwörter,
portiſche Schilderungen, vor allem die Weistümer,
d. h. die Nechtsanſzeichnungen der Bauern, Dieſe
„Weistümer“ ſelbſt gab Jakob in 4 Bdn 1840
bis 1863 herau3; L. Maurer u, R. Scröder
ließen 1866 u. 1569 einen 5. u. 6. Bd folgen,
Die „Rechtöaltertümer“ waren der erſte Schritt zur
Erfüllung einer Forderung, die Jakob G. ſich ge-
ſtellt hatte : da3 deutſche Leben wieder lebendig zu
machen. In der Vorrede verheißt er nach u. nach
zu verarbeiten, wa3 er zur Geſchichte de3 heid-
niſchen (Xanben3, der Feſte, Trachten, Bauart u.
Ackerbejiellung der Deutſchen geſammelt habe.
Den zweiten Schritt tut die „Deutſche Mytho-
logie“ (1835, 2., ſtark vermehrte Aufl. 1844;
1875/78, hr3g. von CE. H. Meyer). Hier wird
„deutſch“ dem gewöhnlichen Sprachgebrauch ent»
ſprechend verwendet, nichtwie bei der „Grammatik“
un. den „Rechtöaltertümern“ fürgermaniſch. Sprache-
liche Unterjuchungen dienen zur Grundlage; von
den Wört»rn wird auf die Sachen geſchloſſen.
„Neben den lateiniſchen Zeugniſſen, die von der
Römerzeit anheben u. durch das ganze Mittel»
alter ſich erſtre>en“", dienen vor allem Märchen u.
Sagen ſowie der Volk3aberglaube al3 Quellen,
Überwältigende Fülle erſcheint dort, wo vor»
her kümmerliche Armut herrſchte. Hieraus erklärt
ſich die große Wirkung der „Mythologie“, die
jahrzehntelang eine reiche , freilich nicht ſelten
recht unerſreuliche Literatur ins Leben rieſ. Den»
no< läßz ſich nicht verkennen, daß Jakob G. die
Sicherheit des Unterbaus überſchäßt hat : Märchen
u. Sagen können als Quellen der Mythologie nur
in den ſeltenſten Fällen in Betracht kommen, 1.
im Aberglauben überwiegen die antik- Elemente die national-heidniſchen. Nomantiſche
Iugendträume haben wie bei der „Mythologie“ ſo
auch bei dem ein Jahr ſrüher veröffentlichten „Rein-
hart Fucy3"“ (1834) Jakob über die Grenze des
Erkennkaren hinausgelo>t. Die Bedeutung des
Grimm,

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Buche3, das einen alten Jugendplan in umgebil-
deter Form erneuert, beruht viel weniger auf den
veröſſentlichten Texten als auf der umfangreichen
Einleitung. G. glaubt in den (ſatiriſchen) Tier-
epen drs Mittelalters die Fortſehung eines uralten
Tierepos zu erkennen, in deſſen Mittelpunkt Fuchs
u. Wolf geſtanden. DieÜbereinſtimmung indiſcher,
eg deutſcher Tierfabeln wird auf Urver-
wandtſchaft anſtatt auf Entlehnung zurückgeführt,
der ſatiriſche Grundton des „Neinhart“ verkannt.
In den „Lateiniſchen Gedichten des 10. u. 11.
Jahrh. ", die Jakob G. 1838 mit Schmeller heraus-
gab, betrat er zum erſtenmal ſeit den Jugendjahren
wiederden Boden der Heldenſage: erediert hier Elke-
hards „Waltharius“ mit ſchönen Erläuterungen.
Die Ausgabe zweier angeljächſiſcher Legenden de3
Andreas u. der Elene (1840) iſt wertvoll durc
den Nachweis der aus dem germaniſchen Epo3
ſtammenden Formelhaſtigkeit de3 Ausdru>8. Die
„Geſchichte der deutſchen Sprache“ (1848, *?1853,
1868, hr8g. von Müllenhoſſ) ſucht die Identität
der alten Geten mit den Goten zu erweiſen. So
verſehlt dieſer Grundgedanke iſt, jo üben do zahl-
reiche feine Einzelheiten große Anziehungskraſt
aus; denn zum erſtenmal macht Jakob G. den
Verſuch, die älteſte Kultur der Germanen aus der
Sprache ſelbſt zu erſchließen.
IV. Wilhelm G. beſaß nicht die geniale Kom-
bination8gabe, den kühnen Wagemut u. die ſou-
veräne Herrſchaft über den Stoff, die Jakob3 un=
vergleichliche Größe an8machen. „Seine ganze Art
war weniger geſtellt auf Erfinden als auf ruhiges,
ſicheres in ſich Ausbilden“, ſagt der Bruder von
ihm. Wilhelms Neigung gehörte der deutſchen
Heldenſage: die Bemühungen um ihre Erſor-
ſchung durchziehen ſein ganze3 Leben, Zu den
wertvollſten Anſjäßen der „Altdeutſchen Wälder“
ehören die Zeugniſſe über die deutſche Helden-
[age (1 195--323). Dieſe Arbeit zeigt ſchon
en Grundriß ſeine3 berühmten Buches über die
„Deutſche Heldenſage“ (1829). Neben die äußern
Zeugniſſe treten hier die innern, d. h. die An=
gaben der Dichtungen ſelbſt über ihre Quellen.
Sie alle ſind „die Veränderungen der Sage in Denkmälern
beobachten können, welche von den erſten Spuren
bi8 zu dem völligen Verſc etwa faujend Jahren einnehmen“. Eindringende
Unterſuchungen über den Urſprung u. die Ent=
wielung der Sage u. de3 Cpo3 ſchließen ſich an,
ſo daß wir eine abgerundete Geſchichte der Helden»
ſage erhalten. Sein Leben lang hat Wilhelm ſür
eine neue Bearbeitung geſammelt; e8 war ihm
nicht vergönnt, dieſe ſertig zu hinterlaſſen. Müllen-
hoff hat ſie 1867 hr8g.; eine 3. Au8g. hat
R. Steig 1889 bearbeitet. Neben dieſem Leben3-
werk laufen manche Einzelunterſuchungen u. zahl-
reiche Ausgaben mhd. Texte her. Das Büchlein
„Über deutſche Runen“ (1821) behandelt das
Verhältnis der nordiſchen, angelſächſiſchen u.
deutſchen Nunen zueinander; eine Fortſeßung

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