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dieſer Studien brachten 1828 die „Wiener Jahr-
bücher der Literatur“, Ferner ſeien genannt die
Ausgaben de3 „Grafen Rudolſ“ (1828 u. 1844),
von „Freidanks Beſcheidenheit“ (1834 u. 1860),
des „Roſengarten3“ (1836), de3 „Nolandslied8“
(1838), „Wernhers von Niederrhein“ (1839), der
„Goldenen Schmiede" (1840) u. des „Silveſter“
von Konrad v. Würzburg (1841), Zn Freidank,
dem pſeitdonymen Verfaſſer der „Beſcheidenheit“,
glaubte Wilhelm Walter von der Vogelweide zu
erkennen ; fen Vermutung hat ſich nicht beſtätigt.
V. LSeßzies gemeinſames Arbeiten. Das
Greiſenaltervereinigte die Brüdernoch einmalzu ge-
meinſamer Arbeit : ſie galt dem „Deutſchen Wörter-
buch“. Der Gedanke zu dieſem war von außen an
ſie herangetreten. Nad) ihrer Entlaſſung hat K.
Neimer, der mit S. Hirzel den Weidmannſchen
Verlag innehatte, den Brüdern den Plan vorge-
tragen. Nach längerm Widerſtreben erwärmte ſich
Jakob für die Aufgabe. Da3 Wörterbuch ſollte
die Sprache des 16., 17. u. 18. Jahrh. umfaſſen,
Erläuterungen aus der ältern Sprache, Etymolo-
gien u. parallele Nedensarten bringen. Ein
mäßiger Umfang war vorgeſehen, denn da3 Werk
war al3 ein deutſches Haus8buch gedacht. Die erſte
Lieferung erſchien 1852. Jakob hatte die Buch-
ſtaben A, B, C übernommen; Wilhelm arbeitete
D aus; dann ſehzte Jafob bei EC ein. Er war bi8
zum Worte „Frucht“ gelangt, als ihm der Tod
die Feder aus der Hand nahm. Bd 1 (A--Bier-
molke) iſt 1854 erſchienen ; Bd Il (Biermörder
bi3 D) 1860 ; Bd I11 (E--Forſche) 1862. Nach
Jakob3 Heimgang übernahmen K. Weigand u. N,
Hildebrand die Fortſezung, andre Bearbeiter
ſchloſſen ſich an. Der urſprüngliche Plan hat ſich
im Laufe der Jahrzehnte völlig verſchoben: aus
dem Volks8buche iſt ein bändereiches Werk für Ge-
lehrte geworden, deſſen Abſchluß noh lange nicht
zu erwarten iſt.
Literatur. Die Einzelarbeiten der Brüder
ſind in den „Kleinern Schriſten" geſammelt; die Ja-
kob3 umfaſſen 8 Bde (1865/90), die Wilhelms
4 Bde (1881/87); Aus8wahl ausd, „Kl.Sc Von den Brieſſammlungenſeien genannt: H. Grimm
1. G. Hinrichs, Briefwechſel zw. J. u. W. G. aus
der Jugendzeit (1881); EC. Stengel, Private u. amtl.
Beziehungen d. Brüder G. zu Heſſen (2 Bde, 21895;
mit Aktenſtücken), Bd 111: Briefe an P. Wigand
(1910) ; J. v. Görres, Geſammelte Briefe 11 u. 111
(1874); Fiſcher, Brieſw. zw. J. G. u. Gräter (1877);
W. Müller, Briefe d. Brüder J. u. W. G. an Benecke
(1889) ; E. Ippel, Briefw. zw. J. u. W. G., Dahl=-
mann u. Gervinus (2 Bde, 1885/86) ; C. Wende-
ler, Briefwechſel des Frhrn v. Meuſebach mit IJ.
u. W, G. (1880) ; E. Schmidt, Brieſw. d. Gebritis
der G. mit nord, Gelehrten (1885); N. Ehrwald, E.
Brauns Brieſw. mit den Brüdern G. (1891); F.
Sander, Brieſw. F. Lückes mit den Brüdern G.
(1891) u. a. -- Die Selbſtbiographien der Brüder
findet man in den „Kleinern Schriften" ; manches
zur Lebensgeſch. bieten auch Ludw. Emil G.8 Er-
innerungen aus meinem Leben (?1913, hr8g. von
A. Stoll). Vgl. ferner : W. Scherer, JI. G. (21885;
Grippe -- Großbritannien u. Jrland.

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weitaus beſte Charakteriſtik); M. Haupt, Gedächtnis-
rede auf J. G. (Opuscula 111 [1876] 164 ff); F.
Frensdorſf, J. G. in Göttingen (1885); A. Dunder,
Brüder G. (1884); A. E. Schönbach, Brüder G.
(1885); N. Steig, Goethe u. die Brüder G. (1892);
K. Franke, Brüder G. (1899 ; mit tenverz.); R. v. Raumer, Geſch. d. german. Philol.
(1870) 378 ff 495 ff 632 ff; H. Paul, Grundriß der
german. Philol. I (*1901) 68 ff; K. G. Andreſen,
Über d. Sprache IJ. G.8 (1870). [W. Streitberg.]
Grippe |ſ. Influenza. [herren.
Groote, Gerhard(Geert)de, ſ. Frater=
Großbritannien u. Irland (Sc weſen). 1. Charakteriſtik. Das Schulweſen in
G. unterſcheidet ſich in weſentlichen Punkten von
den deutſchen S die Art ſeiner geſchichtlichen Entwicklung, die es
ſaſt ganz felbſtändig u. größtenteils ohne ſtaat=
liche Beihilfe u, Einmiſchung vollzog; durd) die
möglichſte Beibehaltung de8 geſchichtlich Gewor=
denen, ſo daß ſelbſt die Verhältniſſe in England,
Schottland, J., Wales ſehr voneinander ab=
weichen ; dur< den großen Zug der Freiheit, der
jedermann ohne weiteres zum Leiter u. Lehrer im
niedern u. mittlern Schulamte zuläßt; durc die
vollſtändige Freiheit in der Verwaltung des Scul-
vermögens u. in der Durchführung der nirgends
übereinſtimmenden Lehrpläne; durch die ſtarke
Betonung der Willensbildung ; durc die vielge-
ſtaltige Pflege der Internatserziehung u. der Sport=
liebhaberei. Alle dieſe u. manche andre Eigentüm=
lichkeiten der Schulen G.3 ſind ſo daß da8 Schulweſen in G. ſich mit den Verhält=
niſſen des Auslande3 nur ſchwer vergleichen läßt;
vielmehr muß ſelbſt bei den einzelnen Schularten
jede Verallgemeinerung vermieden werden.
II. Geſchichtliches. Die Geſchichte des Sc weſens in G. iſt auſ3 engſte mit der Geſchichte der
Kirche verknüpft, E3 gab dort frühzeitig Kloſter=,
Dom= u. Lateinſchulen. Die Reformationä3zeit
brachte das Laienelement in die Schule u. übergab
die Leitung der Schulen den Gemeinden od. welt=
lichen Korporationen. In der Folge entſtanden
zahlreiche Schulen, die beſonder3 die klaſſiſchen
Studien u. die Liebhabereien der Renaiſſance
eifrig pflegten. Der bald einſeßende Rükgang der
meiſten Schulen führte bis Ende des 18. Jahrh.
zur AuSbildung des Hauslehrertum3 u. der Privat=
ſchulen. Der Aufſſhwung England8 nac< dem
Sturze Napoleon3 hob aud) wieder die Schulen
u. brachte eine Scheidung des niedern u. höhern
Sculweſens. Allmählic) brachen ſich die Re=
ſormen de3 Th. Arnold, Rektors in Rugby (1828
bis 1842), Bahn, u. ſeine Erziehung8grundſäße
wurden Gemeingut de3 engliſchen Volkes. Geiſt
u. Gemüt, aber aud) die körperliche Vflege ſollte
gefördert, das nationale Bewußtſein, die Zuſam=
mengehörigfeit der Schüler, ihr Gefühl für Wahr=
heit u. Chrlichfeit geſtärkt, die ältern Schüler
ſollten zur Miterziehung der jüngern verwandt,
alle zu christian gentlemen erzogen werden.
Da53 1846 in London gegründete „Lehrerſeminar“

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