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(Collego of Precoptors) un. die 1857/58 an
den Univerſitäten Oxjord u. Cambridge einge-
richteten „örtlichen Prüfungen“ (local oxamina-
tions; ſ. u.) waren ſür die Fortentwicklung des
engliſchen Schulweſens ſchr wichtig. So wur-
den Oxſord u, Cambridge ſortan gewiſſermaßen
Schulbehörde. Jeht erſt fing der Staat an, ſich
dem Schulweſen zu widmen (1858). Kgl. Kom»
miſſionen prüſten das Volksſchulweſen u. gaben
ihm eine vollſtändig neue Reglung. Das 1. Schul»
geſez von 1870 hob die biöherige Willkür auf,
ermöglichte für aſle Kinder einen ausreichenden
Unterricht u. verpflichtete Gemeinden u, Schul»
verbände zur Errichtung von Volksſchulen. Den
„Schulrat“ (Schoo1 Board) bildeten Steuer»
zahler der einzelnen Gemeinden. Cin Geſeß von
1876 brachte den Schulzwang, das Geſeß von
1891 die Unentgeltlichkeit des Volksöſchulunter-
richts unter Gewährung der nötigen Staatsunter»
ſtübung. -- Schottland hatte bereit8 1696 ein
Schulgeſeß erhalten, demzuſolge der Staat die
Errichtung von Schulen (ſog. „Pfarrſchulen“ od.
„Nebenſchulen") übernahm, Neben dieſen Volks»
ſchulen blieben die bisherigen, meiſt von den
Städten unterhaltenen höhern Schulen beſtehen.
Da3 wichtige Schulgeſey von 1872 unterſtellte
die niedern u. höhern Schulen Schottlands einem
„Oberſchulrat“ (Board of Education); 1878
übernahm das Education Dopartment die Ge»
ſamtleitung des Erziehungsweſens, u. die ſtaat-
liche Beauſſichtigung d28 geſamten niedern u.
höhern Unterricht3 wurde angeordnet. Die Ge»
ſeße von 1882 u. 1886 betrafen die Beauſſichti»
gung der höhern Schulen, u. das Geſeß von 1888
ermöglichte an den höhern Schulen Schottlands
die Abhaltung eines Abiturientenexamens. --- Jr»
land hatte im Mittelalter die beſten Schulen u.
weltberühmte Klöſter. Die Reſormation ſchädigte
da3 geſamte Erziehung8weſen, aber unterdrücte
es nicht. Troß angedrohter Todesſtrafe ſür Prie-
ſter u. Volk wurden die katholiſchen Kinder J.8
in den „Heenſchulen“ (Uedge School) unter»
richtet. Die Proteſtanten hatten 1733 die Incor-
porated Society for promoting Engligh Pro-
testant Schools in Ireland gegründet, die für
die Entwicklung de3 Volksſchulunterricht3 ſehr
wichtig wurde ; dieſe Schulen waren unentgeltlich
u. wurden ſtaatlich unterſtüßt. Eine kgl. Kom»
miſſion erklärte 1854/58 die Schulverhältniſſe
J.3 ſür ſehc ungünſtig ; darum erging 1878 ein
„Vermitllungösgeſeß“, wonac< Katholiken u. Pro»
teſtanten zur Haltung ihrer Schulen unterſtüßt
werden ſollten, -- Auch das Fürſtentum Wales
Hat eigne Schulentwicllung. Wichtig wurde hier
die Gründung de8 Lehrerſeminar38 Bangor (1862),
u. bereits 1889/90 bekam da3 Land ein eignes
Schulgeſez. 1872/93 erfolgte die Gründung der
University of Wales. Seither iſt das Schul»
weſen in Wales vollſtändig frei u. unabhängig
von der Regierung, die nur zu bezahlen, aber
nichts zu verwalten hat. --- Herrſcht ſo ſchließlich

Großbritannien u. Jrland. 500
im niedern Schulweſen G.8 eine Art Staats-
ſorge u, Einheitlichkeit, ſo ſind im höhern Schul
weſen die Verhältniſſe geradezu tauſendfältig ver-
ſchieden, Seit 1861 begann auch hier eine wich-
tige Neuentwiklung, Eine kgl, Kommiſſion
unterſuchte zunächſt die Zuſtände an den alten
roßen Stkiſtungs8ſchulen, u. zwar die Internate
ion , Wincheſter, Weſtminſter, Charterhouſe,
arrow, Nugby, Shrew8bury, u. die Externate
t Panl's u. Merchant Taylor3, die ſämtlich als
Schulen 1. Ranges galten. Darauf wurden wei-
tere 782 Grammar Schools (Lateinſchulen) durd)
eine 2. kgl. Kommiſſion unterſucht; die Public
School Act von 1868 gab dann zunächſt wich»
tige Neſormen für die genannten 7 großen Inter-
nate. Die Schools Inquiry Commigsgion verord=
nete Neuerungen in der Verwaltung de8 Stiſtungs»-
vermögens, Ermöglichung von Kommunalſteuern,
Verbeſſerung de8 Unterricht8 ſowie die Schaffung
eine8 geordneten Schulverwaltungskörper8, der
aus Zentral» , Provinzial» u. Lokalbehörde be-
ſtehen ſollte. Die damals angeregten Reformen
u, die ſeitherigen Neſormverſuche ſind bis heute
noh nicht durc bildeten ſich ſeither zu einer Art Univerſität um,
z. B. die Victoria Univorzity in Nordengland:
Colleges zu Mancheſter , Liverpool, Leed8; die
Univorgity of Walos: College3 von Nberyſt-
wyth, Bangor, Cardiſſ; das Magon Collogo zu
Birmingham, genannt die Midland Univor-
gity. 1878 traten die Univerſitäten Oxford u.
Cambridge als Prüſung3behörden (Oxford &
Cambridge School Examination Board od.
Joint Board genannt) an die Spiße de3 höhern
Schulweſens für ſolche höhere Schulen, die ſich
unter ihre Auſſicht ſtellen u. ihren Abſchlußprü-
ſungen unterwerſen wollten, um ſo den Anſpruch
auf Vorzüglichkeit erheben zu können. Die beiden
Univerſitäten blieben ſeither für die Neform des
höhern Unterricht3 tonangebend , ſo durch Ein-
richtung von Volkshochſchulkurſen , Lehrer» u.
Lehrerinnenprüfungen , Förderung der neuen
Sprachen u. der techniſchen Fächer. Die 1889/90
für Wales gegebene Welsh Intermediate Edu-
cation Act wurde für das geſamte Schulweſen
England38 bald bedeutung8voll. Auf den Vor-
ſchlag der Univerſität Oxford wurde 1893 eine
kgl. Kommiſſion zur Prüſung de8 höhern Schul=
weſens eingeſeht ; eine vernünftige Organiſation
de3 höhern Schulweſens wurde für nötig befunden.
Alle in dieſer Hinſicht unternommenen Verſuche
ſcheiterten zunächſt. 1899 kam endlich ein Schul-
geſch, die Board of Education Act, zuſtande,
u. ſeither hat in G. das höhere wie das niedere
Schulweſen eine Zentralbehörde.
In England, Wale8 u. Sc Lokalbehörden für Volk8- u, höhere Schulen die
„Graſſchaftöräte“ ſeit 1888 von größtem Ein-
ſinſſe geweſen. Für das Volköſchulweſen in Lon-
on iſt im lehten Jahrzehnt „der Londoner
Graſſchaft8rat" beſonder8 wichtig geworden (we-

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