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Grüber, Auguſtin. 1. Lebensgang, G.
wurde am 23. Juni 1763 zu Wien geboren, nach
vollendetentheologiſchen Studiendaſelbſt 1788zum
Prieſter geweiht, 1796 als Katechet an der Normal»
Hauptſchule bei St Anna in Wien angeſtellt, 1802
zum Regierungzärat u. geiſtlichen Referenten bei der
Landesregierung ernannt, nach mehrern raſch auf-
einanderfolgenden Beſörderungen 1815 auf den
Bi jen Stuhl von Laibach u. 1823 auf den erz»
biſchöflichen Stuhl von Salzburg erhoben, deſſen
Zierde er bi3 zu ſeinem Tode, am 28. Juni 1835,
war, -- Schon während ſeiner Wirkſamkeit in der
praktiſchen Srelſorge (als Kooperator u. Pfarrer
1788,96) erwarb er ſich allgemeine Anerkennung
al3 tüchtiger Katechet u. großer Schulfreund; die
Schule blieb auch dem Hofrat u, Biſchof eine
wahre Rena ; in jeder Stellung benuhte er
jein Anjehen u. ſeinen Einfluß zur Förderung de3
Religionsunterrichts u. zur Auſmunterung der Re-
ligionölehrer. Als Erzbiſchof unterzog er ſich der
Mühe , ſelbſt den Seminaralumnen katechetiſche
Vorleſung“ zu halten u. ſeine Theorie an Kate»
IT. Bedeutung, Dur die (theoretiſche u.
praktiſche) Vertretung ſeiner Grundſäße iſt G.
(neben Hirſcher u. Overberg) der Wiederher»
ſteller der kirchlichen Katecheſe nach der
Entartung in der Zeit der rationaliſtiſchen Auf-
klärung geworden. In dieſer wurde eine unſrucht-
bare Sokratik betrieben, eine heuriſtiſche Lehr-
weiſe, die durch Fragen od. halbe8 Vorſagen die
Antworten hervorlo>te u. die Kinder alle Erkennt=
nis aus der eignen Vernunſt ſchöpfen laſſen wollte.
„Schon mit den kleinſten Schulkindern“, klagt G.,
„beſpricht man ſich in unſrer neuen Zeit über ſinn-
liche Gegenſtände, körperliche Sinneswerkzeuge,
über da3 Daſein einer Seele in un3, ihre Kräſte
u. Fähigleiten; man will die natürlichen Ge-
ühle der Liebe zu den Eltern . . . wecken u. über
ie Natur dieſer Gefühle mit ihnen räſonieren,
um dann endlich auf den Begriſſ von Gott zu
kommen.“ Dieſe Sokratik verwarſ er entſchieden,
weil ſie dem Boten der göttlichen Oſſenbarung
nicht gezieme, deren gläubiger Auffaſſung ents
gegenwirke u. den natürlichen Geſehen des Den»
ken3 zuwiderlauſe. Dem rationaliſtiſchen Zeitgeiſte
gegenüber, der das Wiſſen u. Verſtehen zum
Hauptziele auch de3 religiöſen Unterricht3 machte
u. den menſchlichen Verſtand aus ſich ſelbſt ſich
bilden offen wollte, zeigte G., daß katechiſieren
nach katholiſcher Auffaſſung heiße: als Bote
Gottes u. Beauſtragter der Kirche lehren, allen
Lehrſtoff al3 etwas von Gott Gegebene3 vortra»
gen, überall von der Autorität de3 ſich gnädig
oſſenbarenden Gotte3 au8gehen, alle3 auf ſie
ſtüßen u, zurückführen, demütige u. willige Unter-
werſung des Verſtandes unter dieſe bei den Kin-
dern zu bewirken ſuchen, aus der dann al3 edelſte
Frucht der Unterweiſung die im Glauben tätige
Liebe erwachſen müſſe ; dieſe zu erwecken 1. zu
nähren ſei das höchſte Ziel der Katecheſe. Sie
Gruber.

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darf nicht die Vernunft u. die natürliche Erkennt»
nis zu ihrem Fundamente machen, um darauf
aufzubauen, ihre Grundlage muß vielmehr die
göttliche Offenbarung ſein, deren geſchichtlicher
Verlauf u. lehrhaſter Inhalt in den Büchern der
1, Schrift beurkundet ſind. Beide3, ſowohl die
eſchichte wie die Lehre, gehört zum Lehrgute der
Katecheſe. Zene muß vorangehen (was St Aus
guſtinus für die Erwachſenen verlangt hat, das iſt
nodh viel notwendiger beim Unterrichte der Kinder),
dieſe an die Geſchichte ſich anſchließen (hiſtoriſche
Methove im Sinne G.8), Als ſeine methodiſchen
Grundſäße laſſen ſich folgende zuſammenſlellen :
1. Der Katechet hat im Auftrage Gottes zu lehren,
u. zwar 2. das, was Gott geoffenbart hat u. die
Kirche zu glauben vorſtellt. 3. Dem poſitiven Ge-
gebenſein des Lehrinhaltes entſpricht am beſten die
mitteilende (akroamatiſche) Lehrform (Erzählung
u. Vortrag), die ſokratiſche Lehrweiſe iſt al8 un=
katholiſch zu verwerfen. 4. Der Religions8unterricht
muß eine geſchichtliche Grundlage haben, die ſchon
glei) auf der Unterſtufe zu legen iſt; für die reli
giöſen Lehren dienen die heil8geſchichtlichen Be
gebenheiten als Mittel, um ſie zu veranſchaulichen
u. zu beweiſen. 5. Auf allen Stufen muß der
Religionsunterricht der Entwilung der kindlichen
Seelenkräſte u. den religiöſen Bedürfniſſen des
Alter8 entſprechen, alſo pſychologiſch u. praktiſch
jein. 6. Er darf nicht ausſchließlich od. vor-
wiegend die Verſtändlichmachung der Wahrheiten
erſtreben, ſondern muß auch Geſühl u. Wille
unter den Einfluß der erkannten Wahrheit ſtellen.
7. An den vorgeſchriebenen Katechiömns muß ſich
der Katechet ſtreng binden, 8. bei ſeiner Erklärung
zuerſt die richtige Vorſtellung von der Sache,
darauf die begriſſliche Formulierung geben. 9. Den
Sculneulingen iſt eine beſondere liebevolle Für-
ſorge zuzuwenden u, ein gründlicher Neligion8-
unterricht zu erteilen. (Dieſe Grundſäße ſind ſehr
nahe verwandt mit denen der Mündner kateche»
tiſchen Methode, wie J. Eiſing [Die katechet. Me-
thode vergang. Zeiten in zeitgemäßer Ausgeſtalt.,
1905] eingehend nachgewieſen hat.)
111, Schriſten, Den katechetiſchen Vorträgen
im Salzburger Seminar legte G. die Schrift des
hl. Auguſtinu8 Ds ceatochizandis rudibus zus=
grunde. An die von ihm beſorgte Überſeßung der-
jelben knüpfte er Erläuterungen an, in denen er
die Nichtigkeit der Auguſtiniſchen Grundſäße nach=
wies u. ihre Anwendung in der Gegenwart zeigte.
Seine Vorträge erſchienen 1830 als „Katechetiſche
Vorleſungen“. Ihnen folgte 1832 das „Praf=
tiſche Handbuch der Katechetik“. 1. Tl: Elementar»
unterricht der Kleinen mit 23 Katechiſationöſkizzen
für die Vorbereitungsklaſſe (1. Schuljahr); 1834
eöſelben Handbuches 2. Tl: Neligionöunterricht
für die Schüler der 1. Klaſſe (Untere Abteilung)
mit 59 Katecheſen nebſt beigefügten Lehrerinne-
rungen, in denen die ſachliche u. methodiſche Cin-
richtung jeder Katecheſe dargelegt u. begründet
wird. Eine neue Aus8gabe de8 G.ſchen Werkes be-

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