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Gymnaſtik -- Habſucht. 572
Tas höh. Lehramt in Deutſchland u. Öſterreich | kurze, Ulare Orient.) ; W. Oberle u. &. Köſters,
(21910, Ergänzungsbd 1913; geſchichtlich-kritiſch, Taſchenb. j. d. höh. Lehrerſtand Preußens (1912).
auf ſehr eingehender Quellenſorſchung beruhend) ;
F. Aly, Getſc<. d. preuß. höh. Schulweſ. (1911;
[1--V1, VI11--X H. Bigge, VII V. Thumſer.]
Gymnaſtik |. Turnen.
H.
Haarpflege |. Haut, Abſchn. 111,
Haberl, Franz Xaver. I. Lebensgang,
H. wurde geboren am 12. April 1840 in Ober»
ellenbac (Niederbayern), Sein Vater, der Lehrer
war, erteilte ihm den erſten Unterricht. Das
Gymnaſium u. da3 theologiſche Studium ab-
folvierte er in Paſſau u. wurde dort 1862 zum
Prieſter geweiht. Wegen ſeiner muſikaliſchen
Tüchtigkeit wurde er ſofort zum Domkapellmeiſter
u. Muſikpräſekt an den biſchöflichen Seminaren
in Paſſau ernannt. In dieſer Stellung erwarb ſich
H. jene bedeutenden Kenntniſſe u. Fertigkeiten, die
ihn zu höherm wiſſenſchaſtlichen Studium in der
Muſik beſähigten u. ihn zu einem hervorragenden
Muſikgelehrten u. Hiſtoriker machten. 1867/70
war H. Organiſt an der Kirche S. Maria dell'
Anima in Rom u. begann ſeine Forſchungen u.
Sammlungen in den dortigen Archiven u. Muſik-
bibliotheken. 1871 berief ihn Biſchof Ignatius
v. Seneſtrey al3 Domkapellmeiſter nach Negens»
burg. Bis 1882 leitete er hier den Domchor, der
im Vortrage der klaſſiſchen Polyphonie bald Welt»
ruf erlangte. Im Herbſte 1874 gründete H. die
Kirchenmuſikſchule in Negens3burg, die eine wichtige
Pflegeſtätte der katholiſchen Kirchenmuſik u. eine
Muſterſchule für zukünftige kirhenmuſikaliſche Mei-
ſter geworden iſt. Um das Fortbeſtehen der Schule
zu ſichern, rieſ er eine Kirchenmuſikſchulſtiſtung ins
Leben unter dem Protektorate de3 Biſchoſ3. Neben
der Schule erbaute er die ſchöne St Cäcilien-Kirche,
in der die Kursteilnehmer die Schöpfungen der
alten Meiſter vortrugen. Auf der Generalver-
ſammlung des „Allgemeinen Cäcilienvereins“ in
Münſter 1899 wurde H. zu deſſen Generalpräſe3
gewählt u. auf den gleichen Verſammlungen in
Negensburg 1904 u. in Paſſau 1909 wiederge-
wählt, Am 5. Sept. 1910 ſtarb er in Negensburg, | O
II. Bedeutung u. Werke. H. hat auf die
Entwicklung der liturgiſchen Muſik in Choral u.
Polyphonie bedeutenden Einfluß; ausgeübt, ſo
daß ihm der Ehrentitel Regenerator musicao
ecclegiasticao wohl gebührt. Ihm wurde die
Herausgabe (1880/94) der im PBuſtetſchen Ver-
lage erſchienenen Choralbücher (Editio Medi-
caea) übertragen, die von der Nitenkongregation
empjohlen wurden, 1903 aber durch Einführung
der vatiſanijchen Au3gabe ihren oſſiziellen Cha»
rakter verloren haben. H. ſchrieb eine theoretiſche
u. praktiſche Anweiſung zum Verſtändniſſe u. Vor-
trage de3 Gregorianiſchen Chorals unter dem Titel
Magizter choralis (1864, bis 1912: 15 Aufl.,


in 7 Sprachen überſeßt). Seinem Eifer für He-
bung der Kirchenmuſik im Geiſte der Polyphonie
der großen Meiſter de8 Mittelalters verdanken
wir jeine große literariſche Tätigkeit. Nach dem
Tode Schrems 1872 übernahm H. die Heraus-
gabe des von Proske gegründeten Sammelwerkes
MNusica divina ; ſeit Witt8 Tode 1888 redigierte
er die Musica saera 1. ſeit 1899 das Cäcilien-
vereinöorgan „Fliegende Blätter für katholiſche
Kirchenmuſik“. In dieſen Zeitſchriſten ſowie in
jeinem „Cäcilienkalender“, der von 1885 ab zu
einem „Kirchenmuſikaliſchen Jahrbuch“ amwuchs,
hat er eine Fülle muſikaliſchen Stoſſes au8 Theorie
y. Praxis, Liturgie, Äſthetik u. Geſchichte nieder=
gelegt. Die von Th. de Witt, Franz Eſpagne
u. Franz Commer angeſangene monumentale
Paleſtringausgabe (33 Bde, Leipzig 1862/1903,
Breitkopf & Härtel) hat H. vom 10. Bde an
redigiert. Die Geſamtau8gabe der Werke von
Orlando di Laſſo (lagnum opus musicum ;
auf 60 Bde berechnet), die er mit Prof. Dr Sand-=
berger begonnen hatte, konnte er nicht mehr
vollenden (1/X1IX, 1894/1908). Ein Sammel-
werk für den praktiſchen Gebrauch der Kirchen-
<öre erſchien unter dem Titel Ropertorium mu-
81c30 Suerao ſeit 1886 bei Puſtet in Regens=
burg. Seine Beiträge für die „Vierteljahrſchriſt
ſür Muſikwiſſenſchaſt“ u. die „Monatheſte für
Muſikgeſchichte“ wurden hr8g, al38 „Bauſteine ſür
Muſikgeſchichte“ (3 Bde, 1886/88). H. gab ſerner
heraus: „Lieder-Noſenkranz“ (1866), Bertalottis
„Solfeggien"“ (1880, 21888), Fres8cobaldis
„Orgelwerke“ (Auswahl; 1889), Oſfticium hnob-
domadao ganctas (dij) 1887), Psalterium
vesportinum (1888) u. gemeinſam mit dem
Domorganiſten Haniſch eine Orgelbegleitung zum
rdimarium Missa2e, Graduale 1. Vesperale.
Als weit über Deutſchlands Grenzen berühmtem
Muſikgelehrten fehlten ihm auc nicht : Die Univerſität Würzburg ernannte ihn
1889 zum Dr theol, h, c., die Kommiſſion zur
Herausgabe der Denkmäler deutſcher Tonkunſt zum
FShrenmitgliede, Prinzregent Luitpold zum „Kgl.
Geiſtlichen Nat“ u. Pius X, zum Hausprälaien
(1908).
Literatur. Eine Monogr. Über H.,8 Leben
u. Wirken wird von K. Weinmann vorbereitet.
[E. Velßzer.]
Habſucht, 1. Ihr Weſen. H. iſt, dem
Grundworte „Sucht“ gemäß, das mit ſieh u.
Seuche zuſammenhängt, das übermäßige, kranl-

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