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hafte Verlangen nach Geld u. Gut, wobei der Be-
gehrende die Herrſchaſt über ſich ſelbſt verliert,
während man da38 ungeordnete Feſthalten am
Reichtum al3 Geiz bezeichnet. Pſychologiſch be-
trachtet iſt die H. die Übertreibung des in der
menſc Habjüchtige iſt der Sklave feiner Habe, u. dieſe
entwürdigende Abhängigkeit kennzeichnel dieſes
Laſter al3 da3 ſchmählichſte: „Der Geizige iſt
ein Gößendiener.“ Nichtödeſtoweniger nennt der
hl. Thoma3 die H. ein geiſtiges Laſter, da der
Habſüchtige nur wegen der Freude am Beſitze ſelbſt
Neichtümer erſtrebt, erwirbt u, feſthält. Bielfach
wird darum der Menſd) erſt dann habſüchtig, wenn
andre Freuden keine rechte Anziehungskraſt mehr
ausüben, weshalb die H. aud) das Laſter des Alter3
genannt wird. E3 könnte darum ſcheinen, als
hätte die Erziehung der Jugend mit der H. über=
haupt nicht3 zu tun. Jn Wirklichkeit aber ebnet
gerade ſie den Weg zu allen andern Laſtern ! „Die
H. iſt die Wurzel aller Übel“ (1 Tim 6, 10). Sie
iſt im gewiſſen Sinne ſogar ſo recht das Laſter
der Menſchen, das mehr al38 jede3 andre deſſen
geiſtig-ſinnlicher Doppelnatur entkeimt u. ſowohl
von der Genußſucht wie von dem Stolze auſge-
ſtachelt u. genährt wird. Sie begleitet den Men=
ſchen von der Wiege bis zum Grabe. Jn der
Mannigſattigkeit ihrer Folgen wie in ihrer großen
Verbreitung liegen die Gefahren, vor denen die
Erziehung den Zögling zu ſchüßen hat.
11. Thre Gefahren. Die früheſte Form de3
Beſiktriebes iſt beim Kinde die Sammelwut, die
an fich harmlos iſt, jedod leicht zur Stehlſucht
werden kann, Die Trübung des Urteils in der
Unterſcheidung von Mein u. Dein zicht ſodann
aber aud die Lüge, den Betrug, nicht ſelten Härte
u. Liebloſigkeit, ja ſogar Raub u. Mord nad ſich.
Denn der Habſüchtige kennt keine andern Jutereſſen
al3 den Beſiß, u. da in dieſem ſelbſt, mehr als bei
jevem andern Laſter, eine verhältni3mäßig längere
Freude ſtet, ſo bietet die H. gewiſſermaßen eine
Entſchädigung für die in andern Genüſſen erlit-
tenen Enttäujchungen, obwohl aud) hier mit der
Freude am Beſiße die Begierde nach größerer
Habe wächſt. Alles, was dem Habſüchtigen unter=
kommt, betrachtet er unter dem Geſichtöpunkte des
Gewinnes, u. ſo kommt er aus der Spannung nicht
heraus, Dieſer gefährliche Gemütszuſtand ver=
dunkelt nicht nur den Verſtand, ſondern lähmt
auch den Willen, namentlich das ſittliche u. reli
giöſe Streben. Er wirkt auch anſte>kend u. kann
al3 Spiel= od. Goldſieber ganze Familien ins
Unglüd ziehen. Darum find Erzählungen dieſer
Art für die Jugend nicht paſſend ; hat doch der
Reichtum an ſich für ſie ſchon allzu Beſtrikendes
u. erfüllt den ärmern Schüler ſo leicht mit Neid
gegen den reichern. Die Herrſchaft de8 Geldes iſt
überall eine tyranniſche, auch in der Erziehung u.
im Unterrichte. Kinder, denen von Jugend auf
die Annehmlichkeiten des Reichtums im roſigſten
Lichte geſchildert werden, laufen leicht Geſahr, dem
Habſucht,

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Gelderwerbe alle3 unterzuordnen. Selbſt bei ſonſt
gutgearteten Kindern beſteht dann die Geſahr, daß
ſie äußerlich ſcheinbar untadelig, in Wahrheit aber
nur um de3 Geldes willen arbeiten. Werden ſie
überdies einem Berufe zugeführt, in dem das Geld
die erſte Rolle ſpielt, ſo iſt ihre Charakterbildung
ſehr gefährdet. Denn die H. macht unempfindlich
für jede beſſere Regung u. läßt ſelbſt religiöſe Be=
weggründe, ja Himmel u. Hölle wirkungslo8 wer=
den. Darum ſagt die Hl. Scriſt : „Nichts iſt grö=
ßere3 Unrecht als das Geld liebhaben. Wer das
tut, der hat ſelbſt ſeine Seele feil ; noch da er lebt,
wirſt ex ſeine Eingeweide weg“ (Sir 10, 10).
Die H. macht aud unſozial; unter ihrer Herr=
ſchaſt hat ſich das geſamte öffentliche Leben in eine
wilde Heßjagd verwandelt, Ohne Scheu zeitigt
rücjicht8loſe Geldgier ihre abſchenlihſten Früchte
u. tritt hohnlachend die heiligſten Güter um Juda3=
lohn in den Kot. Der Habſüchtige betrachtet das
gejamie öffentliche Leben als einen großen Schacher-
markt u. hält, ſelber ein Sklave des Gelde8, auc)
alle andern Menſchen für Sklaven, ohne perſön=
liche Rechte, ohne Ehre, Tugend, Menſchenwürde.
II. Bekämpfung der H. Der H. liegt ein
gewaltiger Naturtrieb zugrunde, deſſen Beherr=
ſ ſein muß. Er braucht nicht gewaltſam unterdrückt
zu werden, da alle Menſchen auf den Gebraud)
irdiſcher Güter u. die meiſten ſelbſt auf Bereiche=
rung innerhalb beſtimmter Grenzen angewieſen
ſind. Die Erziehung darf u. muß darum den
geſunden Sparſinn (f]. Sparſamkeit) pflegen. Allein
ſaſt mehr nod) iſt darauf zu ſehen, warum ge-
ſpart wird, als daß geſpart wird. Denn für den
Armen wie für den Neichen iſt, um den Gefahren
der H. zu entgehen, dieſelbe innere Losſhälung
von jeder ungeordneten Anhänglichkeit an äußern
Beſitz notwendig. Da3 hat ſeit jeher die katho=
liſche Erziehung ganz befonder3 betont. Die katho=
liſchen Orden betrachten bekanntlich die Armut
geradezu al3 ihr Fundament, u. die vollkommene
Beſißloſigkeit vieler dieſer religiöſen Geſellſchaften
wird immer die beſte Predigt dafür ſein, daß die
Lo3löſung von den äußern Gütern möglich u.
innerhalb der dur< den Beruf des einzelnen ge=
ſteckten Grenzen ſogar notwendig iſt. Das iſt auch
da8 Ziel, das Erziehung bei der Bekämpfung der H. anzuſtreben
haben. Die rechte Lenkung des Beſißbtriebe3 iſt ſchon
gegeben durch die den ganzen Menſchen berü>=
ſichtigende iſt Gotte3 wegen da, u. alle Güter u. Geſchöpfe,
die ihm die Welt bietet, follen von ihm nur dazu
u. nur injotweit benußt werden, als ſie ihm helſen,
jein Ziel zu erreichen. Jſt nun bei einem Kinde
wirklich der Spar= u. Sammeltrieb beſonders ſtark
entwidelt, jo daß es ſich ſchon früh außergewöhn=
lich am Beſitze ſeines Eigentums freut, dann dürſte
es ſich zunächſt empfehlen, feiner Sammelluſt ent=
gegenzufonimen u. dieſe in den Dienſt der Näch=
ſtenliebe zu ſtellen. So kann ſich unter erziehlicher

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