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die Oberſlächlichkeit tritt bei der H. oſfſen zutage.
Grobleme, denen die berufenſien u. erlauchteſten
eiſter ſeit Jahrhunderten u. Jahrtauſenden ihre
beſie Kraft geopfert haben, ſind für den Halb»
gebildeten jong gelöſt; er hat ja is „Welt»
rätjel“ gelejen! Und mit der Oberſlächlichkeit geht
wie immer die Unduldſamkeit Hand in Hand: wer
von den Anſichten der „Maßgebenden“ abweicht,
iſt je nachdem ein Narr, ein Jrrender, ein Dunkel»
mann, furz ein Menſch, den ernſt zu nehmen ſich
nicht lohnt. Damit ſind wir bei dem hervor-
ſtehendſten Mexkmal der H., dem Dünkel, an»
gekommen. Wie die Kaufſmannstöchter u. die an»
weſenden „Handelöbübchen" mitleidig»überlegen
auf den „ungebildeten“ Hermann hinabſchauen u,
dabei jeder wahren Bildung zum Hohn erſt „lä-
d lichem Wiß „laut auflachten“, ſo rümpft der Halb-
gebildete die Naſe über einen, der keinen Sprac-
unterricht genoſjen, den neueſten Roman nicht
gelejen hat u, überhaupt ſein Wiſſen8quantum durch
kein Zeugnis belegen kann. --- Und was iſt die
Wirkung eines ſolchen Geiſte8» u, Seelenzuſtande8?
Innere Leere u. Öde, die gerade in den Zeiten,
in denen echte Bildung ihre Stüß» u. Heilfraſt
voll bewährt, erſt recht drüdend ſühlbar wird.
C€3 iſt wohl nicht Zufall, daß gerade in den Län-
dern u. Landesteilen, in denen die H. graſſiert,
die Selbſimorde weitaus am zahlreichſten ſind.
Wie die Sc egenüber zu verhalten hat, geht aus dem Ge-
jagten deutlich genug hervor. Sie muß ſich zur
Dienerin des echten Bildung3prinzip3 von innen
heraus machen; mit Cinzelvorſchriſten iſt hier
wenig erreicht. So ſicher e3 Zeiten gibt, für welche
die H. beſonder3 die Schule an einer derartigen Erſcheinung nicht
ganz unſchuldig. Möge ſie ſich ſtet3 bewußt bleiben,
daß Bildung etymologiſch von bilden u. Bild
herrührt, aljo bejagen will, daß die Menſchen zu
dem vollendeten Abbilde deſſen herangebildet wer-
den ſollen, das dem Schöpfer bei der Erſchaſſung
der Lebeweſen vorgeſchwebt hat, ſo wird ſie vor
der Pflege einer Karikatur der Bildung, eben der
H)., ſicher bewahrt bleiben.
Literatur. A. Schönbach, Über Leſen u. Bil«
dung (71905) ; F. Paulſen, Pädagogik (*1911).
[C. M. Rolofj.]
Halbtagſchule |. Einklaſjige Volköſchule.
Halliſches Waiſenhaus [ſ. Franke u. die
Frandeſchen Stiſtungen.
Halluzinationen, 1. Entſtehung der H.
Unjre Sinne3wahrnehmung läßt ſich in 3 Alte
zerlegen: 1. indie periphere Auſnahme des Sinne8-
reizes aus der Außenwelt durch da38 Sinnesend»
organ (Auge, Ohr uſw.) u. ſeine zentripetale
Leitung durch den Sinnesnerv zum Gehirn ; 2. in
die Umſezung des genannten Erregung3vor-
ganges an der Stelle der vorläufigen Endigung
des Sinne3nerv3 im Sinnhirn (Perzeptions»
organ, ſubkortifales Zentrum) in den elementaren
Halbtagſ
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Vorgang der „Empfindung“ ; 3. in die weitere
Dbertragung vom Sinnhirn zu der in der Him»
rinde gelegenen Endſtation der Sinne8bahn, zum
jenſoriſchen Nindenzentrum (Apperzeptionsorgan);
befindet ſich dieſe Endſtation im Erregungszu-
ſtande der Auſmerkſamkeit, u. ſtößt die ankom-
mende Erregung auf Rüdſtände früherer, gleich»
artiger Erregungen, die ſinnlichen Erinnerungs»
bilder, ſo entſteht durch Verſchmelzung der neuen
Erregung mit dem Erinnerungsbilde eine „Wahr-
nehmung“. Dadurd) daß beim Zuſtandekommen
dieſes Prozeſſes der ganze Sinne3apparat in
Tätigkeit geſeßt wird, erhalten die neu entſtehenden
Produkte dieje3 Prozeſſes, die Anſchauungsbilder,
eine beſondere Klarheit im Bewußtſein ; ſie werden
direkt auf die Entſtehungs8quelle in der Außen-
welt bezogen, d. H. in den Außenraum projiziert.
Dieſe Lebhaftigkeit mangelt den Erinnerungsbil»
dern. Lehtern eignet vielmehr eine eigentümliche
Bläſſe u. Verſchwommenheit, die weſentlich die
Unwirklichkeit des nur Vorgeſtellten zum Bewußt=
ſein bringt. -- Störungen in der Funktion der
genannten 3 Akte führen zu Sinnestäuſchungen,
zu denen auch die H, od. Sinnesvorſpieglungen
gehören. Bei den H. geht die Erregung nicht von
der Peripherie, ſondern von den zentralen Sinne8»
flächen aus, Erlangt ein Erinnerungsbild durc
ſpäter zu erörternde Urfachen die Stärke einer
ſinnlichen Wahrnehmung, indem vom Zentrum
aus, alſo in entgegengeſehter Nichtung, der Sin-
neßapparat in eine annähernd gleiche Erregung
verſeht wird, wie ſie ſonſt durch phyſikaliſche Reize
von außen hervorgerufen wird, ſo entſteht eine
Halluzination. Demnach iſt eine Halluzina»
tion einereine Erinnerungsſälſchung
ohne Gegenwart eines ſie auslöſenden
äußern Reizes.
I1. Intenſitügt der H. Die Miterregung des
Sinnesapparates iſt eine notwendige Voraus»
ſehung ſür die H., weil ohne jene die dieſen eigne
ſinnliche Lebhaftigkeit u. die Projektion nach außen,
die das Wirklichkeit8gefühl hervorrufen, fehlen
würden. Infolge dieſes Wirklichkeit8gefühls ſieht,
hört, riecht, ſchmedt u. fühlt der Halluzinant mit
voller Deutlichkeit Dinge, die nicht da ſind; es
ſcheint ihm nicht bloß jo, ſondern er nimmt alles
wie beim objektiven Sinne3eindru> wahr. Die
Geſicht3-H. treten ſo plaſtiſch im Raume auf, daß
das Kind nach ihnen greift ; die Gehör3-H. er-
tönen ſo laut u. deutlich, daß der Kranke den
Kopf zum Horchen hinneigt.
Die abnorme Jnutenſitätäbetonung der Erinne=
rungösbilder wird hervorgerufen durch innere phy-
ſiologiſche od. krankhaſte Urſachen. Organiſch be=
dingt ſind die H. dur< Zirkulationsſtörungen des
Blutes in den Hirnhäuten u. in der Hirnrinde,
ſeien es Blutanhäufſungen (Hyperämien) infolge
von entzündlichen Prozeſſen od. von Fieber,
od. jeien es Zuſtände des Blutmangel3 (An-
ämien) des Gehirns infolge tiefer Ernährungs=
ſtörungen od. gänzlichen Nahrung38mangels. Aud

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