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VII H. bei Kindern, Kinder halluzinieren
leichter al8 Erwachſene, da die Phantaſie der Ju-
gend intenſiver arbeitet als im Alter. Daher
zeigen ſich bei ihnen auch in Geiſteskrankheiten u,
andern Zuſtänden bereit3 da H., wo bei Erwach»
ſenen noch keine auſtreten. Am häufigſten ſind
bei Kindern Viſionen ſchrekhafter Geſtalten mit
wildem, farbenreichem Ausſehen, die al8 Geſpenſter
angeſprochen werden, auch geſährliche Tiere.
Glanio hört da8 Rind leicht Schimpſreden u.
Drohworte. Gleichwohl ſind beim geſunden, nicht
erblich belaſteten Kinde H. ſelten. Th. Ziehen
faßt folgende Möglichkeiten des Entſtehens von
H. bei ſolchen Kindern überſichtlich zuſammen, die
nicht an ausgeſprothener Geiſteskrankheit leiden:
1. bei erblich belaſteten Kindern vereinzeltes Auſ»
treten der H. in großen Zwiſchenräumen bei Ge-
legenheitöurſachen, beſonder3 vor dem Einſchlafen
od. auch nacht3 bei plöhlichem Erwachen im
Anſchluß an lebhaſte Träume u. Angſt (Pavor
nocturnus); 2. im Fieber, bei belaſteten Kindern
ſchon bei geringem Fieber, häufig u. allgemein
beim infettiöſen Fieber; 3. in ſchweren Ex»
ſchöpſungszuſtänden (nac< ſtarkem Blutverluſt,
ſtarker körperlicher u. geiſtiger Anſtrengung), ferner
nach erſchöpfenden Krankheiten (Tuberkuloſe),
auch nach langem Hungern; 4. bei Vergiſ-
tungen (durch Stechapfel, Tollkirſche uſw.) u. im
Rauſche ; 5. bei ſehr anhaltender u. ſtark ſtrah-
lender Wärme (Sonne, Oſen); 6. bei beſtimmten
Nervenkrankheiten (Hyſterie, Epilepſie, VBeits8tanz);
7. bei ſtarken Aſſektjtößen dur wohl meiſt nur bei Belaſteten. Von den Geiſtes»
krankheiten, in denen Kinder H. zeigen, nennt er
die akute u. ſinne ſind H. ſelten. Bei deſſen niedrigſten For»
men, die nur mangelhafte Sinne8wahrnehmungen
beſitzen, ſind H. ſo gut wie ausgeſchloſſen; denn in
einem Sinnesgebiete ohne Wahrnehmung können
keine H. entſtehen.
VIII. Das äußere Verhalten der Halluzi-
nierenden entſpricht den krankhaſten Vorgängen,
wobei aber nicht nur die H., ſondern auch die
übrigen geiſtigen Störungen des Zuſtandes mit»
wirken dürſten. Wo halluzinatoriſche Beſehl8»
worte gehört werden, gibt der Kranke um ſo leichter
nach, je tieſer die allgemeine Störung iſt. So
kann wochen», ja monatelang dieſelbe Stellung
„auf Beſchl" eingehalten werden. Auf gleichem
Wege entſteht Stummheit u. Nahrung3verweige-
rung. Halluzinatoriſche Zornaſſekte veranlaſſen
oft Wutausbrüche.
IX. Die Erkennung der H. kann unter Um-
ſtänden von großer Wichtigkeit ſein, um böſe Zu»
fälle zu verhüten. Als ziemlich ſichere Zeichen
gelten : atemloſe3 Hinhorden, ſtarrgerichteter Blik,
Verſtopfen der Ohren od. Bedecken de8 Geſichtes,
da3 Berichten von Stimmen, die Neubildung von
Worten ujw. Oſt ſehlt ein äußerer Reiz doch
nicht ganz. Beſteht 3. B. jahrelange3 Ohren»
jauſen u. tritt dann eine Störung in der Orien»
Halsbräune -- Hamburg,

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tierung hinzu, ſo hört der Kranke ſchließlich Stim-
men heraus, Die Alkoholdeliranten verwandeln
die mouchos volantes, die in Zirfulation38:
törungen de8 Blutes ihren reellen Grund haben,
in Bienen od. Mäuſe. Mit ſolchen H. iſt der
Übergang zu den JUuſionen praktiſch gegeben.
Wo ſich Neigungen zu H. zeigen, muß der Ner»
venarzt befragt werden, Beim Pavor nooturnus
macht man am beſten Licht u. beruhigt die Kinder.
Fräſtige Nahrung u. kühle Waſchungen ſind an»
gezeigt. Eine gewiſſe Überwachung ſolcher Kinder
iſt notwendig.
Literatur, Hagemann»Dyroff, (283914); W. Zen Ee fle d. Piy-
djol. (1902); W. Wundt, Phyſiol. Pſychologie
(3 Dde, * 1908/11); Th. Ziehen, Leitf. d. phyſiol.
Bjychol, (1911) u. Art. H. in W. Neins Enzyklop.
Handb. d. Pädag. 111 (21905); Lehrbücher der
Pſychiatrie von Binöwanger u. Siemerling (81911),
Kraepelin (2 Bde, * 1909f), v. Krafft-Ebing (71903).
[W. Bergmann.]
Halsbräune |. Diphtheriti3,
Hamburg (Schulweſen). Geſ liches, Der hl. Ansgar gründete 831 die Doms2
ſchule vorwiegend zur Heranbildung der Kleriker ;
die Nikolaigemeinde richtete 1281 eine der älteſten
Stadtſchulen ein; Lehrmütter hielten private Mäd-=
dete 1529 das Johanneum, eine lateiniſche Schule,
al8 deren Fortfehung das Lektorium gelten ſollte.
Aus ihm ging 1615 das akademiſche Gymnaſium
hervor, eine Zwiſchenſtufe zwiſchen der gelehrten
Schule u, der Univerſität, Da3 höhere öffentliche
Schulweſen hat ſich erſt nach 1870 zu ſeiner jeßzi-
gen Ausdehnung entwickelt, Die öffentlichen Volks:
ſ richtägeſeß v. 21. Nov. 1870 ins Leben gerufen.
Die Oberſhulbehörde leitet u. beauſſich-
tigt das geſamte Unterricht8veſen. Sie beſteht aus
Mitgliedern de3 Senats (38), der Finanzdepus
tation (2), der Baudeputation (1) u. von Senat,
Bürgerſchaſt u. Sculſynode gewählten Depu=
tierten. Der Schulſynode gehören die Vorſteher
u. ſeſtangeſtellten Lehrer der öffentlichen u. die
Vorſteher der nichtöſſentlichen Schulen an. Sie
hat der Oberſchulbehörde Gutachten über das
Schulweſen u. über Geſcehe8vorlagen abzugeben u,
ſelbſtändige Anträge zu ſtellen.
Die Oberſchulbehörde gliedert ſich in 4 Sek-
tionen: 1. Sektion ſür die wiſſenſchaft-
lichen Anſtalten. Jhr unterſtehen das allge-
meine Vorleſung8weſen u. die wiſſenſchaftlichen
Anſtalten, u. zwar Stadtbibliothek, Muſeen für
Völkerkunde, für Kunſt u. Gewerbe, für Hamburgi-
j miſches Staatslaboratorium , Hauptſtation ſür
Erdbebenforſchung, Elektriſches Prüfamt, Mine-
ralogiſch-Geologiſche8 Inſtitut, Naturhiſtoriſches
Muſeum, Botaniſche Staatsinſtitute. Die Direks=
toren dieſer Anſtalten halten Vorleſungen, außer-
dem ihre Aſſiſtenten u. Hilfsarbeiter, Profeſſoren

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