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gegenüber Unmündigen u. Wehrloſen ; ſie unter=
gräbt Geſundheit u. Jugendluſt de8 Kindes u.
wird zum Verbrechen an der Zukunſt de8 Vater
landes, das ganze Männer braucht. Mit Recht
verabſcheut e8 Cilhard Lubinu8, Ruten u. Stod,
jene ſklaviſchen Werkzeuge, die für Freie ſo wenig
paſſen auch in den Schulen anzuwenden, viel-
mehr ſeien ſie durchaus von dort zu entfernen u.
nur anwendbar für Knechte u. Menſchen mit ſkla-
viſchem Sinne, Ähnlich äußert ſich Bacon v. Ve-
rulam; Locke aber erklärt (Gedanken üb. Erz.
Kap. 48), große Strenge im Strafen richte wenig
Gutes, ja ſogar großen Schaden in der Erziehung
an; auch lehre die Erfahrung, daß unter ſonſt
gleichen Verhältniſſen diejenigen Kinder, die am
meiſten gezüchtigt worden ſind, ſelten die beſten
Männer werden. . . . Schlagen u. alle andern
Arten ſklaviſcher u. körperlicher Strafen ſeien keine
zwedmäßigen Zuchtmittel, wenn man weiſe,
guten. edle Männer erziehen wolle ; ſie dürſten
de8halb ſehr ſparſam, nur bei bedeutenden Ver-
anlaſſungen u. ungewöhnlichen Fällen angewandt
werden,
IV. Schlußgedanke. Erſt die Philanthropen
u. nach ihnen Beſtalozzi, ſo heißt e8 faſt allgemein,
hätten Art u. Maß der Strafen durd) die Eigen=
art der Hinder bedingt, die Zucht der Familie wie
der Schule vom herkömmlichen Barbari8mus be-
freit (Philanthropine), Männer, die ſelbſt die H.
d. E. an ſich erfahren (Luther, Comenius, Baje-
dow, Herder), hätten ſtatt liebloſer H. der Lehrer
ſreudige Begeiſterung der Erzieher herauſgeführt;
ein Nouſſeau „habe die ewigen Nechte des Kinde3
auf Jugendluſt u. Jugendfreiheit gleichſam erſt
entde>t" (Dieſterweg) u. den Erziehern da8 Ver-
ſtändni3 natürlicher Strafen, entſprechend dem
Weſen der Kindesſeele, erſchloſſen, was die Philan-
thropen des 18, Jahrh. zum Heile der Jugend
weitergeübt haben. --- Wer aber die Geſchichte der
hriſtlichen Erziehungswiſſenſchaft kennt, weiß,
daß längſt vor den genannten „Menſchenfreunden“,
zu denen auch ein Aug. Herm. France zu zählen
iſt, wahrhaſt Beauvais, Viktorin v. Feltre, Johanne8 Gerſon,
Jakob Wimpfeling u. Ludwig Vives, die Jeſuiten,
Piariſten u. Schulbrüder, ein hl. Karl Borro-
mäus wie ein Fänelon (vgl. dieſe 10 Art.) jede H.
d. €. verabſcheuten, aber im Hinblikk auf Chriſtus,
da3 unerreichte Vorbild aller Lehrer u. Erzieher,
im Geiſte zu tüchtigen Mitgliedern der Kirche u. de3 Staate3,
zu gediegenen Geiſte8männern u. ſittlich-religiöſen
Charakteren erzogen haben.
Literatur. Vgl. außer den im Texte gen.
Werken: O. Willmann, Didaktik (*1909) ; Schorn»
Neinecte- Plath-Werder»-Ewerding, Geſch. d. Pädag.
(281912); K. Schmidt, Geſch. d. Pädag. (4 Bde,
1878/95) ; dazu die Werke von Comenius, Lode,
Bacon 1. a. [A. Wagner.]
Hartherzigkeit, 1. Weſen u. Arten. H.
bezeichnet die Unempfänglichkeit de8 Herzens für
Hartherzigkeit.

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Gefühle , namentlich für die ſittlichen u, Mit-
gefühle, aber auch die intellektuellen, wie ja der
Heiland von der H. der Juden redet, die ſeine
Lehre nicht verſtehen wollen (Mt 11, 16--24).
Mit H. iſt Gefühlloſigkeit nahe verwandt; ihr
Unterſchied liegt hier im Mangel jeglichen Gez
fühls, das bei der H. do< noc<, wenn auch ganz
gering, vorhanden zu denken iſt. Hartherzig ſind
Kinder nach ihrer angebornen Gemützart, die ſich
frühzeitig in Zerſtörungsluſt u. Grauſamkeit gegen
empfindende Weſen (Tiere, Menſchen) zeigt. Die
Freude, die manc daß ſie Blumen zertreten, Neſter der Vögel zer=
ſtören, kleine Tiere quälen, andern Schmerz zu=
fügen, ihre Kameraden -- oft die wehrloſeſten --
hart ſchlagen, ja Eltern, Lehrern, Erwachſenen
Verdruß bereiten können, iſt doh nicht lediglich
die Schuld einer verkehrten Erziehung, wenn aud
dieſe in den meiſten Fällen die urſprüngliche
ſ liche au8bilden mag, ſo daß man von einer wirk=
lich anerzogenen H. ſprechen kann. Sicherlich
tragen Eltern u. Lehrer, überhaupt die ganze Um-
welt des Kindes dur da3 Beiſpiel viel dazu bei,
daß Kinder hartherzig werden. Denn was dieſe
ungeſtraſt andre tun jehen, tun ſie ſelbſt.
Dur Herkommen od. Vorurteil zur Gewohn=
heit gewordene H. od. Gefühlloſigkeit mancher
Eltern u. Erzieher gegen ihre Kinder od. Zög=
linge ſchildert niemand überzeugender als Ch, G,.
Salzmann in ſeinem „Krebs8büchlein“. Was aber
für ſeine Zeit mit ihrer un3 heute unverſtändlichen
Empfindſamkeit u. Rührſeligkeit galt, trifft leider
auch für die Gegenwart no zu. Und do for-
dern die ktauſendfachen körperlichen wie ſeeliſchen
Leiden unſrer Mitmenſchen gebieteriſch, daß auch
die jungen Herzen in Familie u. Schule durc
Wort u. Tat Liebe lernen u. Mitleid, Wohl-
wollen, Barmherzigkeit üben, nicht bloß aus wahrer
Gotte8liebe, wie e8 der Katechiamus lehrt, ſon-
dern ſchon um der Menſchen willen u. nach dem
geltenden Naturgeſeße : „Alle3 wa3 ihr wollt, daß
euch die Leute tun, das tuet ihnen auch.“ Denn
darauf beruhen im leßten Grunde unſer irdiſches
Glück u. der Fortbeſtand unſrer ſozialen Einrich-
tungen. Wenn die weltüberwindende Liebe, die
caritas ehristiana, unermeßliche Kulturgüter,
deren wir un3 heute gedankenlo3 erfreuen, ge=
ſchaffen hat, ſo iſt die wölfiſche H. von Tauſenden
unſrer Zeitgenoſſen bei hoh u. niedrig, arm u.
reich ganz dazu angetan, an den tieſſten Wurzeln
unſer3 geiſtig-fittlichen wie ſozialen Zuſammen-
hange3 al3 Kulturgeſchle zu ſtiſten.
11. Bekämpfung. Darum iſt die H. zu be=
kämpfen dur den Einſluß der u. Schule, Die Jugend iſt zur Sorgſamkeit u.
Güte des Herzen3 gegen Pflanze, Tier u. Menſch
anzuleiten ; in den ethiſchen Unterrichtöſächern,
vor allem im Neligion3= u. Geſchicht3unterrichte,
muß der warme, lebendwahre Vortrag des Lehrer3

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