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achtung. Der Widerwille gegen Fehler, die uns
läjtig od. vielleicht ſchädlich werden können, werde
nicht durch bloße8 „Hinunterſchlucken“ beſeitigt,
ſondern durch kluge Lenkung des von ſelbſt ſich
regenden aktiven Widerſtandes in die richtige
Bahn zu den Vor|ühen ; Z<) will das „Böſe durch
da38 Gute überwinden" (Röm 12, 21); ich will
durch liebevolles Ertragen ven Nächſten von ſeinen
haſſenswerten Cigenſchaſten erlöſen.
Man ſtelle dann vor den Kindern das Niedrige
11. Verderbliche de3 H. der Schönheit u. dem Segen
der aufrichtigen Nächſtenliebe gegenüber. Die ECr=-
barmmug Gottes über unſre Fehler, die Liebe
Jeſu zu ſeinen Feinden, die zahlreichen Vorbilder
aus der Geſchichte der Heiligen müſſen in mög
lichſt anſchaulicher Weiſe al3 Beiſpiele zur Löſung
der Konflikte, die im Leben der Kinder vorkommen,
angewandt werden. Als Übung zur Überwindung
von Widerwillen u. Abneigung dienen Gebete für
alle, die uns weh getan, beſonder3 die ernſte Er=
wägung der 5. Vaterunſerbitte; man empfehle
ruhiges, gelaſſenes Benehmen u, rate al3 das
edelſte Mittel, auch im Feinde H. u. Abneigung
zu überwinden, an, durch Wohltaten „glühende
Kohlen auf ſein Haupt zu ſammeln“ (Röm 12, 20),
Die Schwierigkeit der Überwindung erhöht die
Schönheit des Sieges.
Literatur. F. W. Foerſter, Jugendlehre
(60. Tauſ. 1912); M. Sceler, Zur Phänomenol.
u. Theorie der Sympathiegeſühle u. von Liebe u. H.
(1913). | [I. Schumacher.]
Hätſcheln ſ. Verhätſcheln.
Hauptfächer, Nebenfächer ſ. Organiſation
de3 Bildungsinhalts8.
Hauptſrage |. Frage u. Antwort,
Hauptlehrer. 1. Begriff. Mit dem Worte
H. verbindet jich nicht überall derſelbe Begriff.
In einzelnen Staaten haben die ſonſt Rektoren
genannten Lehrperſonen die Bezeichnung H. Zn
Preußen iſt der H. das unterſte Glied in der
Sculauſſicht. Die Berechtigung u. die Zwecks
müßigkeit des H.ſyſtem8 ſind vielſach umſtritten,
wobei die Gegenſäße hervortreten, die den Kampf
um die Scylauſſicht beherrſchen. Wir laſſen ſie
hier unberüdſichtigt, da ſie ausführlich in dem
Art. Schulauſſicht behandelt werden. Den tat-
ſächlichen Verhältniſſen nach iſt in Preußen der
H. Schulleiter an Schulen mit 3 u. mehr Lehr=
perſonen, ſoweit ſie nicht 6ſtufig ſind u. dann
einem Rektor (ſ. d.) unterſtehen. Bei der Ein=
richtung des H.amte3 iſt der Gedanke maßgebend,
daß an mehrklaſſigen Schulen ſowohl in der
äußern Ordnung wie auc in dem innern Betriebe
Zuſammenhang u. einheitliche Ordnung herrſchen
müſſen. Zwar iſt der Ortöſchulinſpektor als erſter
Diſziplinarvorgeſeßter des Lehrers die Perſon, der
man die Auſgabe, jenen Zuſammenhang zwiſchen
den einzelnen Klaſſen zu wahren u. zur Geltung
zu bringen, zuweiſen könnte. Allein er iſt nur
nebenamtlich tätig u. ſteht durchweg nicht in der
innigen Verbindung mit der Schularbeit wie der
Hätſcheln -- Hauptlehrer.

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an der Schule ſelbſt arbeitende Lehrer. Des8halb
hat man ihm in der Schulleitung den H. an die
Seite gegeben. Da3 amtliche Verhältnis der Lehr=
perſonen zu den vorgeſeßten Schulbehörden, in8=
beſondere zu dem Ort8= u. dem Kreisſchulinſpektor,
erleidet dur) den H. keine Änderung.
I. Stellung u. Aufgabe des H. erläutern
wir im Anſchluſſe an die in der Hauptſache über-
einſtimmenden Dienſtanweiſungen, welche die ein=
zelnen Regierungen für die H. erlaſſen haben.
Demnad iſt der H. nicht Vorgeſeßter der Lehrer,
ſondern er hat ſein Verhältnis zu ihnen als das
eines leitenden Kollegen aufzufaſſen. Seinen An=
ordnungen haben die Lehrer u. Lehrerinnen (Klaſ=
ſenlehrer u. =lehrerinnen) Folge zu leiſten; bei
Meinungsverſchiedenheiten iſt die Entſcheidung
zunächſt des Ort8ſchulinſpektor8 einzuholen. Dieſer
u. der Kreisſchulinſpektor machen ihre Mitteilungen
an die Lehrer u. Lehrerinnen durch den H. Auch
bedienen ſie ſich ſeiner al8 Organ für die Ermitt=
lungen über die Angelegenheiten der Schule. Die
Aufgabe de3 H. iſt die Überwachung der innern
u. der äußern Schulordnung. In erſterer Hin=
ſicht hat er darauf zu ſehen, daß der unentbehr=
liche Zuſammenhang u. Stufengang des Unter-
richt38 der mehrklaſſigen Schule gewahrt bleibt.
Deshalb überwacht er die Innehaltung des Lehr=
planes, der Stoſſverteilung8= u. Stundenpläne,
die Führung der Unterricht3betriebsbücher u. Liſten.
Die Lehrſtoffverteilung u. die Stundenpläne wer=
den von der Konferenz der Lehrer u. Lehrerinnen
unter ſeiner Leitung aufgeſtellt. Die Verſeßung
der Schüler in die höhern Klaſſen nimmt er, wenn
der Ortsſchulinſpektor da8 nicht ſelbſt beſorgt,
unter Zuziehung der Lehrer vor, ebenſo die Zus
weiſung neu eintretender Kinder in die entſpre-
Unterrichte der übrigen Lehrer u. Lehrerinnen bei=
zuwohnen, die ſchriftlichen Arbeiten der Kinder,
die Hefte, Zeichnungen u. Unterricht8betriebs8=
bücher einzuſehen. Er darf aber nicht in den Unter-
richt eingreifen ; dagegen kann er dem Lehrer ſeine
Ausſtellungen u. Natſchläge hinterher mitteilen,
auch, wenn es notwendig erſcheint, den Vorgeſekten
ſchriftlichen Bericht erſtatten. =- Ein Diſziplinar=
recht, inbeſondere das der Überwachung de38 außer=
dienſtlichen Verhalten8 der Lehrer u. der Lehre=
rinnen, hat der H. nicht.
Für die Aufrechterhaltung der äußern Schulord=
nung iſt er in vollem Umfange verantwortlich. Er
ſorgt dafür, daß die Lehrer eine Viertelſtunde vor
Beginn des Unterricht8 inihren Klaſſen ſind, daß der
Unterricht pünktlich begonnen u. geſchloſſen wird,
daß die Pauſen innegehalten 11. die Kinder darin
beauſſichtigt werden, daß beim Nachſißen ſtet3 ein
Lehrer anweſend iſt. Iſt aus irgendeinem Grunde
eine Lehrperſon verhindert, den Dienſt zu verſehen,
ſo iſt dies dem H. unverzüglich anzuzeigen, damit
er die Vertretung regeln u. dem Ortsſchulinſpektor
Mitteilung machen kann. Der H. führt das Gez
ſamtſchülerverzeichnis u. das Inventar, er übt die

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