627 Haus y,
Auſſicht über das Schulgebäude, den Schulhof,
Schulgarten, Turnplaz; ſorgt für Ordnungu, Rein-
Hhfeit (auch der Bedürfnisanſtalten), für Heizung,
Lüſtung uſw. ; er hat die Lehr- u, die Lernmittel,
die Bücherei für die Lehrer u. die Schüler zu über»
wachen, Von den Mängeln, die nicht alsbald ab»
geſteſlt werden können, hat er Anzeige zu erſtatten,
ebenſo muß er die Ergänzung u. Neubeſchafſung
von Lehr» u, Lernmitteln veranlaſſen, = Außer-
halb der Unterricht8zeit hält er mit den Lehrern
u, Lehrerinnen, regelmäßig Konſerenzen ab, in
denen alle Angelegenheiten der Schule beſprochen
werden, --- Für die ihm entſtehende Mehrarbeit
iſt ex um eine Anzahl von Schulſtunden entlaſtet;
ſeſte Grundſäße ſür deren Zahl beſtehen nicht.
Außerdem erhält er eine Amts8zulage (ſ. Beſol»
dung der Volksſchullehrer u, der Semtarlchrer).
[I. I. Wolſſ.]
Haus 11. Schule, 1. Die Auſgaben beidex
Bildungsmüthte, Das H. iſt die Heimatſtätte
jugendlicher Erziehung, die S. die wichtigſte Stätte
jugendlicher Bildung ; dort werden die Anfänge
unſer3 Charakter3, hier die Grundlagen unſers
Waſjens ausgebildet ; jene3 iſt daher die unerſch»
liche Hüterin menſchlicher Geſittung, dieſe die un»
entbehrliche Vermittlerin menſchlicher Kultur von
Geſchlech; zu Geſchlecht, Wenn ſich beide Bil»
dung3mächte ansſchließlich mit derjenigen Auſgabe
zu beſaſſen hätten, die jeder von ihnen in exſter
Linie zukommt, dann brauchten ſie ſich gar nicht
umeinander zu beklümmern. Aber dieſe Scheidung
iſt in der Wirklichkeit keine ſo reinliche wie in
der Theorie. Da3 Kind beſucht die S. in der
Regel erſt vom 6. od. 7. Jahre ab, u. wenn es
dieje zum erſtenmal betritt, dann iſt e8 auch hin»
ſichtlich ſeine8 Wiſſen3 längſt kein unbeſchriebenes
Blatt mehr, u. ſein außerhalb der S. gewonnener
Vorſtellungskreis wird weiterhin in H. u. Leben
täglich vermehrt, ſolang da3 Kind die S. beſucht.
Die Lehrer haben allen Grand, ſic über dieſe
Tatſache zu ſreuen, denn dieſe zuſällige Bereiche»
rung des kindlichen Wiſſens erleichtert ihnen ihre
Arbeit in der S. Je weniger geiſtige Anregung
u. Beleh-ung dagegen ein Kind im Eltern-H. be»
kommt, um ſo mehr Mühe macht es in der Negel
ſeinen Lehrern.
Auſj der andern Seite kann die S. wieder ohne
ein beſtimmtes Maß von erzieheriſc nicht ausfommen. Schon da3 Zuſammenſein vieler
zwingt ſie, ihre Zöglinge an Pünktlichkeit, Ord»
nung, Reinlichkeit, Gehorſam u. gutes Betragen
zu gewöhnen ; der Unterricht ſelbſt aber verlangt,
wenn er erfolgreich ſein ſoll, Erziehung zu Fleiß
u. Auſmerkjamkeit. Dieſe Tätigkeit der S. ſördert
naturgemäg die Erziehungsarbeit des H., u. ihre
Unterſtüßung wird auch von verſtändigen Eltern
dantbar anerkannt.
11, Das Verhältnis beider Bildungsmächte
zueinander. Solches Jneinandergreiſen der Bil-
dung3arbeit von 9. u. S. erfordert naturgemäß
auch gegenſeitige Hilfsbereitſchaft. Wo dieſe vor-

Schule, 628
handen iſt, wird da3 planmäßige Zuſammenwirken
eider gewiß gute Früchte zeitigen. Leider jedoch
iſt dieſes harmoniſche Verhältnis ſeltener, al8 man
wünſchen möchte, In recht vielen Fällen kümmern
< beide Teile ſo gut wienicht umeinander; häufig
ogar iſt ſtatt wechſelſeitiger Unterſtüßungsbereit=
anderwirken zu finden, Schuld daran iſt in erſter
Linie die große Verſchiedenheit im Weſen beider
Bildungsmächte. Die S. als Einrichtung des
Staates verlangt eine einheitliche Organiſation,
beſtimmte, für die Anſtalten derſelben Art maßs-
ebende Lehrpläne u. gleiche Zucht u. Ordnung
für alle, Troß der Verſchiedenheit der einzelnen
Schulgattungen haſtet dieſen doch eine gewiſſe Uni-
See an. Und die Menſchen, die in ihnen zu
ammenkommen, tun e8 nicht freiwillig, werden
vielmehr dur< äußere Abſichten u. Zwede od.
durch den Zwang de3 Geſehes zuſammengeführt.
Sie ſind ſich von vornherein u. bleiben ſich viel-
Jac) auch auf die Dauer einander ſremd. Jm H.
agegen entjaltet ſich eine ganz anders geartete
Welt. Die Begründer der Familie haben ſich ſrei-
willig zuſammengeſunden, das Band der Liebe
verknüpft ſie miteinander u. mit ihren Kindern.
Die Familien unterſcheiden ſich au) von der S.
durch die Vielgeſtaltigkeit der darin vertretenen
Anſchauungen, durd< die Buntheit ihrer Erzie-
hung8sprinzipien, Cinige Beiſpiele mögen das klar-
machen. Unſre S.n ſind bewähren dieſen Charakter nicht nur dur< den
lich ſeſtgelegte3 Dogma vorgetragen wird, ſondern
auch durch den Geiſt, der die übrigen Lehrfächer
durchweht, Materialiſtiſche u. atheiſtiſche Welt-
anſchanung darf kein Lehrer in der S. oſſen zur
Schau tragen, geſchweige denn lehren. Im H.
dagegen kann der Vater ſeine Kinder über Gott
u. Welt, über Geiſt u. Materie, über Glauben
u. Wiſſen belehren, wie er will; u. viele Eltern
halten ihre Anſichten darüber gewiß nicht immer
im Einklange mit denen der S. Die lehtere al3
ſtaatliche Einrichtung hat ferner die Verpflichtung,
die Kinder zur Vaterlandsliebe, zum Gehorſam
gegen die Obrigkeit, zur Achtung vor Geſeß u.
Recht zu erziehen. Wenn aber Vater 31. Mutter
über die Obrigkeit, über die herrſchende Staats8-
u. Wirtſchaftsform anders denken als die Lehrer
der S., wer kann ſie hindern, ihren Kindern den
Geiſt des Haſſe38 gegen die beſtehende Ordnung
einzuimpfen ? Solcher Gegenſäße ſind noh manche
möglich, wenn ſie auch nicht immer von der gleichen
Schärfe ſind. --- Und wie oſt klaſſen nun gar die
Erziehungsgrundſäße in S. u, H. auseinander!
Ja, wie häufig ſondert ſich da wieder Familie von
Familie 1 Während da3 eine Elternpaar den Weg
der Strenge geht, ſchlägt das zweite den der Milde
ein; ein drittes kann ſich im Erziehen nicht genug-
tun, ein viertes läßt gleichgültig alles gehen, wie
es geht ; ein ſünſtes handelt nach Launen u. Stim=
mungen, beim ſechſten will der Vater ſo u. die

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