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Literatur, E. Ackermann, Die hänsl. Erzieh.
(21895); Aly, S. u. HS. (1882); W. Armſtroff,
S. 13. H. (*1899) ; H. Eſc H. Herold, Die häusl. Erzieh. (1889) ; A. Mat»
thias, Wie erziehen wir unſern Sohn Benjamin?
(81911); N. Schwarz, Eltern-H., u. S. (1889);
H. Weimer, Der Weg zum Herzen des Schülers
(21908); derſ., H. u. Leben als Erziehung8mächte
(1941). [H. Weimer.]
Hausandacht ſ. Andacht.
Hauvsarbeiten, 1. Weſen u. Stellung
der Auſgabe im Unterrichte. DieH. fallen unter
den Begriſf der Auſgabe im weitern Sinne ; de8=
halb u. weil von dem Stichworte „Auſgaben“
auf H. verwieſen iſt, iſt zunächſt ein Bli> auf die
Aufgabe an ſich notwendig. Das Weſen des
Unterricht3 beſteht darin, daß der Lehrer den
Schüler anregt u. nötigt, tätig zu ſein, zu denken
u. vernünſtig anzuwenden, was Erfahrung, Um-
gang u. Unterricht ihm dargeboten haben. Dadurch
wächſt jeine geiſtige Kraft u. erweitert ſich ſein Blik
feld. Was der Schüler nichthandhaben u. anwenden
kann, nüßt ihm nicht8, belaſtet ihn u. ſtumpft ihn
ab. Daher iſt der Unterricht eine ununterbrochene
Einwirkung auf den Schüler, wahrzunehmen, klare
u. richtige Vorſtellungen zu bilden, zu vergleichen,
zu Urteilen, zu ſchließen, das Neue mit dem Alten
zu verſchmelzen. Jede Auſſorderung, in dieſem
Sinne eiwas zu tun, iſt eine Auſgabe, Am häu-
ſigſten wird hierbei die Frage (ſ. d.) angewandt.
Je mehr ſich dieſe ſeiner Kraſt anpaßt u. ſeine
Selbſttätigkeit wachruft, um ſo ſörderſamer iſt ſie
u. umgekehrt. Auch die Form der ſreien Unter=
haltung, die Ziller beſonder8 für die analytiſche
Bearbeitung des Gedankenmaterials de3 Schülers
fordert, ſtellt fortwährend Auſgaben, Wahrneh-
mungen, Urteile u, Schlüſſe auszuſprechen,
Die didaktiſche Aufgabe im eigentlichen Sinne
verlangt größere zuſammenhängende Leiſtungen
von dem Schüler u. weiſt nach der Schwierigkeit
eine weitgehende gradweiſe Abſtufung auf. In
der einfachſten u. leichteſten Geſtalt ſind Inhalt
u. Form gegeben, verlangt wird bloß die ſichere
Aneignung u. Einprägung. Man denke nur an
das Auswendiglernen von Katechismusfragen, von
bibliſchen Abſchnitten, von Gedichten, von Sprach»
u. Rechenregeln uſw. Die geiſtige Verarbeitung
muß ſolchen Aufgaben vorausgegangen ſein.
Schwieriger wird die Auſgabe, wenn bei gege=
benem Inhalte der Schüler die ſprachliche Faſſung
finden muß. Da iſt der Fall bei allen münd-=
lichen od. ſchriftlichen Nacherzählungen, Inhalts-
wiedergaben von Geleſenem oder Gehörtem, bei
der Zuſammenſaſſung größerer Stücke in ge-
drängter Darſtellung. Inſofern hierbei Neben-
ſächliches ausgeſchieden , zeitliche od. urſächliche
Gedankenſolgen ſelbſtändig wiedererzeugt werden
müſſen, wird nicht bloß die Sprackraft des Schü-
ler3 in Anſpruch genommen, ſondern aud) die ſach-
liche Mit- u. Selbſttätigkeit erfordert, EZ iſt wich-
tig, ſtet8 im Auge zu behalten, daß Inhalt u. ſprach-

Hausandaht -- Hausarbeiten,.

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liche Form durch= u, miteinander erfaßt u. wirkſam
werden müſſen (ſ. den Art. Denken u. Sprechen).
Bei Aufgaben dieſer Art iſt eine gradweiſe Steige=
rung der Schwierigkeit möglich u. am Plaße, In
einer gut geführten Klaſſe wird bei dieſen Übungen
ſchon die individuelle Eigenart der Kinder deutlich
zum Borſchein kommen; je mehr das der Fall iſt,
um ſo tiefer hat der Unterricht gewirkt. Noch
ſchwieriger wird die Auſgabe, wenn der Schüler
aus ſeinem Gedankenkreiſe, wie er durch Erfah
rung, Umgang u. Unterricht gebildet iſt, den ein-
ſchlägigen Stoff unter einem beſtimmten Geſicht8-
punkte geſtalten, ordnen u. verwerten, ſachlich u.
ſprachlich alſo eigne Arbeit leiſten muß. Nur
Stoſſe, die in den geiſtigen Beſitz eingetreten u.
lebendig geworden ſind, ſtehen für ſol zur Verfügung. Je älter u. ſelbſtändiger der
Schüler wird, um ſo mehr müſſen derartige Auſ=
gaben vorherrſchen. Bei Wiederholungen werden
ſie angewandt, indem man einen Geſichtspunkt
angibt, nachdem Ähnliches u. Verwandte38 zu=-
ſammengeſtellt, verglichen u. gegeneinander ab-
gewogen wird. Zu dieſen Aufgaben gehört auch
der Aufſaß (ſ. d.).
Da3 wichtigſte Erfordernis für jede Aufgabe
iſt die genaue Anpaſſung an den Gedankenkreis
u. die Leiſtungsfähigkeit des Shüler8. Zu leicht
iſt die Aufgabe, wenn ſie zu wenig ſelbſtän=
dige Arbeit, zu wenig Anſtrengung erfordert, zu
ſchwer, wenn die nötigen Apperzeptionshilfen dem
Schüler für die Löſung fehlen. Steht ſie im
rechten Verhältniſſe zur geiſtigen Kraſt des Schü-
ler3, jo muß er ſich anſtrengen, aber er hat auch
das formale Luſtgefühl des Erfolges. Die Auf=
gabe muß ſo beſtimmt geſtellt ſein, daß der
Schüler genau weiß, wa3 gefordert wirv. Nach
dem Standpunkte der Klaſſe entſcheidet der Lehrer,
ob die Angabe de3 Ziele38 genügt od. ob eine
Vorbeſprechung notwendig iſt. Die gelöſte Auſ=
gabe muß verbeſſert u. beurteilt werden; beſſer keine
Aufgabe als eine ſole, deren Löſung nicht über=
wacht wird. --- Die Beachtung der angegebenen
Geſichtspunkte iſt für jede Aufgabe notwendig,
für die mündliche wie für die ſchriftliche, für die
Aufgabe, die in der Schule gelöſt wird, wie für
die Hausaufgabe. Ein Unterſchied im Weſen bes
ſteht nicht. Nur müſſen bei den H. die beſondern
Umſtände, unter denen die Anfertigung geſchieht,
berückſichtigt werden.
1. Wider u. für die H. E38 hat nicht an
Stimmen gefehlt, welche die H. gänzlich ver=
werſen. Man ſagt, ſie raubten den Schülern die
für die Crholung notwendige freie Zeit u. ſchä-
digten die Schularbeit, weil ſie die Friſche u. Auf-
gelegtheit vermindern. Der Schüler müſſe in der
ſchulfreien Zeit ſich nicht bloß erholen, ſondern auch
Beobachtungen ſammeln u. Freude an der Natur
empfinden lernen. E3 ſei ſ der Leiſtungsfähigkeit des einzelnen entſprächen.
Bei Aufgaben, die für den Durchſchnitt berechnet
ſeien, wären ſie für die Begabten zu leicht u.

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