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11. Auſgabeny, wiſſenſchaftliche Betätigung.
Außer den gewöhnlichen 3 Mönchsgelübden (Ge-
Yorjam, Armut, Keuſchheit) verlangt die Regel : Le»
ven nach dem heiligen Evangelium, gänzliche Ar-
mut u. Beſihloſigkeit des einzelnen ſowohl wie der
Ordensgeſamiheit, Handarbeiten od. andre Ar-
beiten (nac Maßgabe der Fähigkeiten u, des
Standes: Laienbrüder od. Kleriker), Bettel (im
Notfalle), ſirenge38 Geldverbot uſw. Die F. ſind
ein „tätiger“ Orden, während die ältern Mönch3-
orden „beſchauliche“ waren. Franziskus, der ſelbſt
einer der erſten italieniſchen Dichter („„Sonnen»-
gejang") iſt, war der Wiſſenſchaſt an ſich nicht feind
1. beſtellte ſelbſt 1223 den hl. Antonin3 v. Padua
um erſten Lektor (Bezeichnung der Profeſ-
fore n u. Lehrer in Kloſterſchulen) der Theologie.
Die außerordentliche Ausbreitung de8 Ordens
(1219 nach Frankreich, Baris ; 1221 nach Deutſch»
land u. Ungarn) ſowie deſſen verſchiedenſte Ver-
wandlungen ſeitens der päpſtlichen Kurie weiteten
ſeine Aufgaben. Franz" 2, Nachfolger, Frater
(ältere Bezeichnung aller Minderbrüder ; ſeit 14.
Jahrh. Pater als Titel ſür Prieſter) Elias v. Cor-
tona (F 1253) , beförderte vor allem die Studien
u. die äußern Miſſionen, wa3 auch der hl. Bona-
ventura (1221/74), der ſjelber Profeſſor an der
Univerſität zu Paris war, eiſrig tat. Durch Ein-
tritt (1231) de3 öfjentlichen Proſeſſor3 Alexander
v. Hale3 (+ 1245) in den Orden bekam dieſer
zu Paris einen öſſentlichen Lehrſtuhl, zu dem 1238
durch die Promotion des Fr. Johannes v. Ru-
pella (La Nochelle) (f 1245) noch (nac damaligem
Nechte) ein zweiter lam, auf den jedoch die F. 1252
in heftigem Streite der weltlichen (Kleriker)
Pariſer Univerſität3proſeſſoren gegen die 2 „ſtu-
dierenden Orden“, d. h. Dominikaner u. F.,
verzichteten, Paris blieb im ganzen Mittelalter der
Mittelpunkt der ſich ſtet3 mehr entwickelnden
Ordensſtudien, Jede Ordensprovinz konnte min-
deſten3 2 Studenten dorthin ſenden od. auch an
andre „Generalſtudien“, die mit einer Uni-
verſität verbunden waren (z. B. Oxford, Cams»
bridge, Tonlouſe). E3 gab auch alsbald Gene-
ralſtudien ohne dieſe Angliederung an Univerſi-
täten, z. B. zu Bologna, Magdeburg, Erfurt,
Köln, Straßburg, Wien, Prag ujw. Dieſe waren
zur weitern Ausbildung der Leetores (Profeſ-
ſoren) beſtimmt; nebſtdem beſtanden in allen
Klöſtern ſog. Partikularſtudien od. Hausſtudien
zur Ausbildung der im praktiſchen Leben zu ver-
wendenden Patres. Auch die meiſten dieſer Par-
tikularſtudien hatten kanoniſch anerkanntes OÖſſent-
lihkeitöre Orden, ſtellenweiſe bi3 Ende des 18. Jahrh, Die
Generalſtudien (ohne Angliederung an Univerſitä»
ten) wurden im 17. Jahrh., zumal in Italien, zu
viel vermehrt. Jede Provinz beſaß u. beſitzt ver-
ſchiedene Studienklöſter, an welche die verſchiedenen
Fächer u. Diſziplinen verteilt ſind. Die Obſer-
vanten verſchmähten anfänglich die akademiſchen
Titel. Dieſe konnten, zumal ſeit dem 14. Jahrh.,
Franzi3kaner,

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fraſt päpſtlicher Erlaubnis nach beſtandenen
Examina von Lardinälen, den Ordens8generalen
Y. q. m. vergeben werden, Sixius V., ſelbſt
Konventunal, gründete dieſen 15687 eine Art Or-
densuniverſität im Kolleg St Bonaventura zu
Rom, Eine ſolche richteten ſich 1890 die F. ſelber
ein im Kolleg de3 hl, Antonius in Nom (zugleich
Sith des Ordensgenerals). Die dort beſlandenen
Lektoren heißen Loctoros genorales, die andern
Loctores provinciales,
II1. Reformbeſtrebungen, Die allgemeine
Entwidlung de8 Orden8 kam den ſog. „Spiri-
tualen“ bald zu weltſörmig vor. Sie wollten
mehr Strenge u. Frömmigkeit als Studium, u.
ein Teil der Brüder ließ ſich im kirchenpolitiſchen
Streite zwiſchen Johann XXI, (1816/34) u.
Ludwig 1YV. dem Bayer (1314/47) zur Auf=-
lehnung gegen den Papſt fortreißen. Gegen die
bald manderort3 einreißende Laxheit in der
Kloſterzucht 1. gegen die mit päpſtlichen Dis8pen-
jen erworbenen Nenten u. Beſißungen der „Kon-
ventualen“ entſtand um 1360 zunächſt in Italien
die Bewegung der Obſervanten (von Obſervanz)
zur ſirengen Negelbeobachtung. Dieſe trennte dann
Leo X. 1517 von den Konventualen, 0.M.
Conv, (unten als Co. bezeichnet), die einen eignen
Generalmagiſter, ſeit 1587 Generalminiſter, er»
hielten, al3 ſelbſtändiger Orden. --- 1525 grün»
dete Matthäus v. Baſſi den Orden der Kap uz
ziner (vgl. L. v. Paſtor, Geſch. d. Päpſte 1V,
2, 630 ſſ), die als Eremiten nur in kleinen Klöſtern
leben ſollten. Die älteſten Statuten verboten die
Errichtung von studia litteraria. Die Kapus-
ziner (O0. M. Cap., unten durd) Cp. unterjchieden)
unterſtellten ſich ganz den Konventualen, u. erſt
1619 erhielten ſie einen eignen Ordensgeneral,
IV. Schultatigkeit. Die F. hatten niemal3
eine ſtreng vorgeſchriebene Nichtung („Ordens
ſchule“) in der Philoſophie u. Theologie ; im all-
gemeinen ſolgten einige beſonders dem hl. Bona=
ventura, andre dem Joh. Duns Scotu3 (+ 1308) :
„Scotiſten“. Im 17. u. 18. Jahrh, hatten ſie
vielerort3 Lateinſhulen u. Gymnaſien, z. B. zu
Neerjen, Siegburg (Co.), zu Nheine, Geſeke (vgl.
J. Lappe, Da3 ehemal. Gymn. zu G. [1911]),
Bechta, Wipperfürth, Dorſten, Nietberg, Re=
linghauſen (vgl. A. Groeteken, Da38 ehemal Klo»
ſter u. Gymn. d. F. zu N. [1909]), Warendorf,
Blieskaſtel , Kaiſer3lautern, Ellingen, Limburg
(vgl. I. Metzen, Geſch. d. Gymn, zu L. [1905]),
Attendorn, Hammelburg, Tauberbiſchofsheim
(vgl. M. Bihl [1907]), Miltenberg, Schwarzen
berg, Schillingsfürſt , Moba , Montabaur,
Sinsheim uſw, -- Damals dozierten ſie aud) noch
an verſchiedenen Univerſitäten: Bonn, Pader-
born, Padua uſw. ſowie nach Auſhebung des
Jeſuitenordens (1773) zu Fulda, Heidelberg uſw.
Jetzt gehören den F.n in Tirol noch die öffent»
lichen Gymnaſien zu Bozen u. Hall; die kroa-
tiſchen F. haben ein Gymnaſium in Karlſtadt ;
in Bosnien liegt das Schulweſen zumeiſt in ihren

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