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lanv 12) verdanken ihr Entſtehen dem Fräulein
Jda v. Korhſleiſch auſ Neifenſtein bei Birkungen
(Prov. Sachſen) u. dem von ihr 1895 gegrün»
deten Vereine für Wirtſchaſtliche Frauenſchulen.
Die erſte 1897 zu Niederofleiden im Großher-
zogtum Heſſen errichtete Frauenſchule de8 Ver-
eins wurde 1900 nac Neiſfenſtein verlegt. Seit-
dem ſind weitere Schulen errichtet worden in
Obernkirchen (Bez. Kaſſel), Maidburg-Mrotſchen
(Poſen), Scerpingen (Weſtpreußen), Metgethen
(Oſtpreußen), Bad Weilbach (Bez. Wie8baden)
u. in Mallinärodt3hof auf Haus Borchen bei
Paderborn. Die Anſtalten in Obernkirchen, Maid-
burg u, Mallinkrodt8hof dienen zugleich der Au8=
bildung von Lehrerinnen der Hauswirtſchaft8-
kunde mit beſonderer Berückſichtigung der länd
lichen Haushaltungen u. der Lehrerinnen der
landwirtſchaſtlichen Haushaltungs8kunde. Au in
Süddeutſchland ſind durch Zweigvereine ſolche
Schulen entſtanden, ſo in Mie8bach (Oberbayern),
Geiſelgaſteig bei München u. in Großſachſenheim
(Württemberg).
Hauptſächlich für die breite Maſſe der länd=
lichen Bevölkerung ſind von beſonderer Bedeutung
geworden die Landwirtſchaftlichen Wan-
derhau3shaltungs8ſc Badiſche Frauenverein wieder bahnbrechend
vorangegangen; er veranſtaltete Wanderhaus-
haltungskurje zuerſt 1885. In Bayern wurde
feit 1910 das ganze Gebiet der Wanderbelehrung
durd einen Miniſterialerlaß auf einen breitern
Boden geſtellt. In Preußen, wo man die gün-
ſtigen Erfahrungen Baden8 vor Augen hatte,
ſanden dieſe Schuleinrichtungen hauptſächlich in
ven weſtlichen Provinzen Eingang. 1910 gab es
hier 90 ſolcher Schulen, davon 33 in der NRhein=
provinz; ſie werden ſaſt ausſchließlich von Kreis=
fommunalverbänden unterhalten. Wegen ihrer
großen wirtſchaftlichen u. ſozialen Bedeutung er=
freuen ſich dieſe Schulen ſeit 1911 der beſondern
Unterſtüßung des Landwirtſchaftsminiſter8. =- In
der Schweiz begann der Landwirtſchaſtliche
Verein de3 Kantons Luzern ſhon 1888 Wander=-
kurſe einzurichten, die jeht infolge der Bemühungen
des Schweizer Gemeinnüßigen Frauenvereins u.
mit ſtaatlicher Unterſtüßung in vielen Kantonen
durchgeführt ſind. Auch in Öſterreic werden
ſeit einigen Jahren auf Veranlaſſung der Land=
wirtſchaft8geſellſ Selbſt Schweden hat ſeit 1901 unter außer=
gewöhnlich ſchwierigen Verhältniſſen Verſuche mit
wandernden Schulküchen gemacht unter beſonderer
Förderung durch Mäßigkeit8geſellſ Zu den kürzern Kurſen gehören auch die H a u 3-
wirtſ in denen ſchulentlaſſene Mädchen auf dem Lande,
Töchter kleiner Landwirte, Gewerbetreibender u.
auch von Arbeitern während einiger Wintermonate
in etwa 4 bi3 höchſtens 6 Wochenſtunden Gelegen=
heit erhalten, ſich billig u. bequem Kenntniſſe auf
hauswirtſchaftlichen, hygieniſchen u. verwandten

Hauswirtſchaftlicher Unterricht.

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Gebieten zu erwerben. Solche Kurſe haben in
Preußen bi8her nur in Oſtpreußen eine nennen3=
werte Ausbreitung gefunden. -- Um Hh. U. auch
an ſolchen kleinern od. ländlichen Volkäſchulen zu
ermöglichen, wo die Anſtellung einer vorſchrift8-
mäßig ausgebildeten Hauswirtſchaft8lehrerin in
abſchbarer Zeit nicht in Frage kommen kann, iſt
man in mehrern Negierungs8bezirken Preußen3
ſeit einigen Jahren dazu übergegangen, Kurſe
für Volks8ſ um ſie zur Erteilung dieſes Unterricht3 zu be
fähigen. Daß auch ſchon viele größere Gemeinden
mit einem aus8gebauten Hilfsſchulweſen für die Ein=
richtung de3 h. U. in Hilfs) ſind, iſt ein erfreuliches Zeichen für die Bedeu=-
tung, die man dieſem Unterrichte für da3 ſpätere
Fortkommen der ſchwachbeſähigten Mädden bei=
mißt. Die Angelegenheit wurde zulekzt auf dem
8. Verbandstage der Hilfsſchulen Deutſchlands
in Lübe> 1911 behandelt.
II. Bedeutung u. Aufgabe, Die Forderung
hauswirtſchaftlicher Vorbildung für die Frauen
iſt heute unbeſtritten. Mit dem Aufſchwunge der
Fnduſtrie u. den Fortſchritten der Technik, mit
den Veränderungen in den Wohnungs3= u. Ver=
kehr3verhältniſſen, mit der fabrikmäßigen Her=
ſtellung von Nahrungs8mitteln wurden die Anz
ſprüche an die Frau als Erhalterin u. Verwalterin
des vom Manne erworbenen Gutes immer ge=
ringer; e3 ſchwand die Notwendigkeit, häusliche
Bedarſ3artikel 1, Nahrungsmittel im Hauſe her=
zuſtellen, Vorräte aufzuſpeichern u. zu erhalten.
Dazu kamen Erleichterungen durch die Fortſchritte
in der Heizung u. Beleuchtung. Die Führung
de3 Haushalt3 erſorderte jeßt in mancher Bes
ziehung weniger Zeit, Kraſt u. Kunſt. So bes
gannen hauswirtſchaftliche Fertigkeiten im Werte
zu ſinken. Anderſeits ſtellte die wirtſchaftliche Ent=
wiklung unſrer Zeit die Frauen al38 erwerb3tätige
Mitglieder der bürgerlichen Geſellſchaft in Reih
u. Glied mit dem erwerbenden Manne u. ſchuf
den Stand der Fabrikarbeiterinnen, die in der
Überſchäßung de3 Geldwerte8 den Sinn für Er-
haltung u. Sparſamkeit verloren u. im Elternhauſfe
die Führung de3 Hausweſen3 nicht mehr erlernen
konnten. Dieſe hauswirtſchaſtliche Untüchtigkeit
unzähliger Frauen de3 Arbeiterſtande8 begann
ſich zu einer ernſten Gefahr zu entwickeln, ſo daß
eine Ausbildung der Mädchen aus dem Volke,
beſonders der jugendlichen Arbeiterinnen in In=
duſtriebezirken, für da8 häusliche Leben dringend
geboten erſcheinen mußte. E38 galt jekt die Schäden,
welche die veränderten wirtſchaftlichen u. ſozialen
Verhältniſſe mit ſich gebracht hatten, wieder aus=
zugleichen u. die jungen Arbeiterinnen durch einen
geeigneten h). U. mit den für eine geordnete u.
praktiſche Wirtſhaftsführung erforderlichen Kennt=
niſſen u. Fertigkeiten aus8zurüſten u. in ihnen den
Sinn für häusliche Tugenden zu wecken u. zu
pflegen. Aber auch in den Kreiſen der Landwirte
iſt man in den lehten Jahrzehnten immer mehr

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