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Fortbildungsſchulen für ſchwachbegabte Mädchen
geſtaltet ſich naturgemäß noch einfacher als in
der Normalſchule, Jede Theorie u. alle ſchriſt-
lichen Angarbeitungen ſallen hier ſort. Die Be-
lehrungen nehmen feinen großen Naum ein, die
praktiſche Arbeit bleibt die Hauptſache. =- An den
Wirtijic Preußen nach einem von den beteiligten Miniſiern
genehmiglen Lehrplane unterrichtet, der h. U. u.
ſonſtige fowie landwirlſchaſtliche Fächer vorſieht.
Der Lehrgang iſt Ujährig, an den Schulen, die aud)
Lehrerinnen ausbilden, 1!/.jährig. Aufnahme-
bedingung iſt das NReiſezeugni3 eines Lyzeum8. --
Die von Landwirtſchaſtskammern eingerichteten
Landwirtſhaſtlichen Haus8haltung3-
ſchulen in Preußen unterſcheiden ſich von den
privaten u. klöſterlichen Inſtituten dieſer Art, die
der Ausbildung gefellſchaftlicher Fertigkeiten u.
den Sprachkenntniſſen einen immerhin nicht ge=
ringen Teil ihrer Unterricht3zeit widmen, nament=
lich dadurch, daß ſie das Schwergewicht auf das
praktiſche Können im landwirtſchaſtlichen Haus-=
haltungs8betriebe legen u. die zum Landhaushalte
gehörigen Zweige der Hauswirtſchaft (Geſlügel-
zucht, Schweinehaltung, Garten=, Obſt= u. Ge-
müſebau) in kleinem Maßſtabe ſelbſt betreiben,
damit die Zöglinge auch Kenntniſſe in der Ge-
winnung der zur Führung eines ländlichen Haus=
halts erforderlichen Produkte erlangen. Zur Auf=
nahme genügt bei faſt ſämtlichen Schulen eine
abgeſchloſſene Volk3ſ derhaushaltungsſ zur Ausübung ihrer Tätigkeit von Ort zu Ort
ziehen, um in Lehrgängen von mindeſtens 8wöhiger
Dauer ſchulentlaſſene Mädchen aus kleinbürger=
lichen Verhältniſſen, Töchter kleiner Gewerbe=
treibenden auf dem Lande u. auch Mädchen aus
dem Arbeiterſtande in den wichtigſten hauswirt=
ſchaftlichen Dingen u. Verrichtungen zu unter=-
weiſen. Die wachſende Bedeutung der Wander-
haushaltungsjſ veranlaßt, für ihre Einrichtung u, Unterrichts8-
erteilung eine gewiſſe Einheitlichfeit in den ein=-
zelnen Landesteilen anzuſireben. Die Landwirt-
I demzufolge entſprechende Lehrpläne auſgeſtellt, ---
Die von dem Bayriſchen Bauernvereine eingerich
teten Wanderkoc Wochen zu je 4 Kochtagen 1. 2 Tagen zur Er-
lernung von Hausarbeit, Flicken, Nähen, Wäſche-
behandlung, Geſundheitölehre u. Vuchführung.
Soweit dieſe Kurſe für Fabrikarbeiterinnen durch=
geführt werden, wird das Hauptgewicht auf die
Behandlung der Kochkiſte gelegt wegen der da-
durd) erzielten Arbeit3= u. Heizerſparni8. Seine
Hauptſorgfalt wendet der Bayriſche Bauernverein
den Fliegenden Haus8haltungsſ zu, welche die Vorteile der ſtehenden mit denen
der Wanderkurſe zu vereinigen ſuchen. Die Dauer
der Fliegenden Haushaltungsſchulen iſt ver-
ſchieden, umfaßt aber meiſt ein Winterhalbjahr.

Haut uy. deren Pflege.

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In Sachſen ſind die ſeit 1901 eingerichteten
(7wöhigen) Wanderko nehmen des Landesvereins für Innere Miſſion.
-- Vgl. auch den Art. Haushaliungskunde.
Literatur. F. Kalle u. O. Kamp, Die haus-
wirtſch. Unterweiſ. armer Mädchen in Deutſchland
u. im Auslande (2 Bde, 1889 u. 1891) ; W. Zer»
ſtatt u. O. Kamp, Die hauswirtſch. Unterweiſ. der
Landmädcen u. -ſrauen in Deutſ lande (2 Bde, 1894 u. 1896) ; F. Blumberger, Ein»
führ. i. d. Haushaltungskunde (1903); W. Springer,
Der Haushaltungsunterr. (21905) ; Die Förderung
un. Ausgeſtalt. d. hauswirtſc<. Unterweiſ. Schrift.
d. Zentralſtelle f. Volk8wohlf., 2. Hſt (1908);
Congres internat. de V'enzgeign. menager (Frei=
burg i. Schw. 1908); W. Lieſe, Das hauswirtſch.
Bildung8weſ. in Deutſ burg, Hauswirtſchaftslehre (21911); Zentralbl. d.
Verbandes f. hauswirtſc<. Frauenbildung (Mo
natſchrift, Berlin, ſeit 1903) ; Frauenwirtſchaft
(Monatſchrift, M.-Gladbac, ſeit 1910).
[F. Körnig.]
Haut u. deren Pflege. 1l. Bau u. Tätig-
keit der H. Die H., welche die Aufgabe hat, den
Körper vor Verdunſtung u. allzu großer Abkühlung
zu ſchüßen, den Schweiß abzuſondern u. mit dieſem
verſchiedene Ausſcheidung8produkte abzugeben, ſo=
wie den Geſühlönerpenenden al3 Unterkunfſtſtelle
zu dienen, hat einen ſehr komplizierten u. finn=
reichen Bau. Wenn wir die H. mit unbewaſſne=
ten Augen anſehen, ſo entde>en wir ein merfwür=
dige3 Netz von ſtrichförmigen Furchen, die ſich
durchkreuzen, u. von unzähligen Pünktchen, die
mit trichterſörmigen Einſenkungen verſehen ſind,
da3 ſind die Poren. Wir bemerken aber aud kleine
Hügel, die aus der H. hervorragen. Benußen wir
ein Vergrößerung3glas, ſo ſchen wir als oberſte
Schicht der H. die Ober-H. (Epidermi8) u. an
diejer die Hornſchicht, die leicht abgelöſt werden
kann u. weder mit Nerven nod) mit Blutgefäßen
beſeßt iſt, Dieſe oberſte Schicht wird ſtet8 lang=
ſam abgeſchilfert, wogegen dann von unten Zellen=
ſchichten nachrücken, die ſrüher den lebenden Ge=
weben zugehörten u. der Empfindung de3 Lebens
nicht entbehrten, die ſie erſt in der Hornſchicht ver=
lieren. In dieſer, an deren Zellen die Wäſche des
Menſchen überreich iſt, wird auch ein Farbſtoff
abgelagert, der dem Menſc eigentümlichfeit wie die ihm eigne Farbe gibt.
Dieſe Hornſchicht wächſt dort am meiſten, wo ſie
dem ſtärkſten Drucke ujw. ausgeſeßt wird (zZ. B. bei
engem Schuhwerke), ſo daß ſchließlich an folchen
Stellen ſtarke Verdickungen entſtehen, die man an
den Füßen bekanntlich Hühneraugen nennt. Dieſe
Oberhaut iſt ein Ihlechter Wärmeleiter u. verhütet
die Verdunſtung der unter ihr liegenden Organe.
Die nächſte Schicht bildet die Lederhaut, die aus
wellenartig angelegten Bindegeweb38zügen u. ela=
ſtiſ gelagert ſind. Dort endigen Nerven u. Blutgefäße
ſowie Drüſen verſchiedener Art. Auch Mugkel=
bündel ſind in ihr untergebracht, die zu den

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