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nare „zu Berge“ ſtehen zu laſſen. Im Krampſzu»
ande tritt dieſer Muskel 2:3 ſog. Gänſe-H. zutage.
In den Schweißdrüſen erhält der Menſch einen
Scußz gegen die Hike, in dem Unterhautfettgewebe
einen ſolchen gegen die Kälte, Jene werden durch
eine unrationelle Kleidung u. durch eine falſche
Pſlege ihrer Schußwehr häufig beraubt.
Die Schweißdrüſen liegen auf der Grenze
zwiſchen Leder» u. Fettſchicht al8 durcheinander-
gewundene Schläuche, deren Wände mit Zellen
beſeht ſind, die den Schweiß au3laſſen, Korkzieher-
artig winden ſich die Endkanäle dieſer Schläuche
langſam an die H.oberfläche, wohl in der Ab-
ſicht, die Abſonderung des Schweißes zu verlang-
ſamen. Der Schweiß ſelbſt dient verſchiedenen
Zwecken. Er erzeugt durch Verdunſtung Kälte u.
erhält die H. kühl; er führt aber auch Säuren,
Baſen, brenzliche Stoſſe, auch Harnſtoff mit ſich.
E3 werden alſo durch ihn Endprodukte der Ei-
weißverdanung, die dem Körper ſchädlich ſind,
ausgeſchieden. Die Schweißdrüſen treten auch
hiljreich ein, wenn andre ähnlich gebaute Drüſen
verſagen, z, B. die Nieren, wes8halb die Heilkunde
bei Nierenkrankheit die H. durch heiße Bäder an-
regt, um dadurch die Nieren zu entlaſten. Wird
die Schweißabſonderung einmal jäh unterbrochen,
jo ſind hohe3 Fieber u. oft ſc eine unausbleibliche Folge. Wenn man den Zu»
ſammenhang von Urjache u. Folge auch nicht ganz
genau erklären kann, die Tatſache der plöhlichen
Unterdrückung de3 Schweiße3 (z. B. de3 Fuß»
ſchweißes) als Gejundheitäſchädiger ſteht feſt. Ver-
hindert man die gaſige u. die ſc derung der H. durch Überfirniſſen gänzlich, ſo geht
da3 betreſſende Tier inſolge Selbſivergiſtung zu-
grunde. Der Schweiß iſt endlich ein guter War-
ner für jene, welche die H. lange Zeit nicht gehörig
gepflegt haben, denn in einem ſolchen Falle pflegt
Dame us gehen u. an dieſen ziehen, um ſo die
j
er ſchließlich übel zu riechen. Am menſchlichen |
Körper beſinden ſich durchſchnittlich 21/, Millionen
Schweißdrüſen ; au3 dieſer ungehenern Zahl kann
manihre Wichtigkeit erkennen. Sieſindnicht überall
gleich zahlreich in die H. eingebettet ; die meiſten
ſind an den Fußſohlen u. in der Achſelhöhle.
Die Talgdrüſen ſondern ein Fett ab, das
die Haare u. die H. geſchmeidig macht u, dieſe vor
dem Verderben durch große Kälteeinflüſſe ſchüßt.
E3 jind Bläschen mit Zellenbeſaß mit H.talg
angefüllt, deren Ausführungsgänge kürzer ſind
al3 die der Schweißdrüſen; ſie münden ſrei
an der H.oberſläche od, ſie ſenken ſich in einen
Haarbalg ein. Wenn die Talgausführungsgänge
ganz verſchloſſen werden, ſammelt ſich der H.-
talg übermäßig an, die Wandung der Drüſe
buchtet ſich aus u. tritt als ſog. Miteſſer in die
Erſcheinung.
Die unterſte Schichi der H., die Fettſchicht, be-
ſteht ans Fettgeweben u. gibt der Körper-H. Form
u. Elaſtizität, auch trägt ſie zum Zuſammenhalten
der Kerperwärme bei.
Haut u. deren Pflege,

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II. Pflege der H, Dieſe vielſeitige Ausſtattung
y. Tätigkeit der H. macht deren gute Pflege von
vornherein zu einem ernſten Pflichtgebot. Nur iſt
dabei die goldene Mitte einzuhalten: wa8 auf der
einen Seite mit der H.pflege zuwenig geſchieht,
wird auf der andern zuviel gelan ; in beiden Fäl-
len wird der Körper geſchädigt. Zn dieſer Bezie=
hung kann man von den alten Völkern mancherlei
lernen: dieſe ſalbten ſich nach dem Bade, während
wir un8 ſoriwährend ſeifen u. damit der H. da3
Fett entziehen, In der Tat nimmt die H. geringe
Mengen Ol nach dem Bade dankbar auf. Zſt aber
darum die Seiſe zu entbehren? Gewiß nicht; nur
ſoll ſie rationell angewandt werden. Die Seife
beſreit die Poren der H. von ihrem Shmuße, dod)
geht mit dieſem auch der Talg weg; den zu er-
ſehen, iſt unſre Aufgabe. Von den verſchiedenen
Fettarten, welche die H. nach der Seiſung an=-
genehm berühren, ſei z. B. das Wollſett u. das
Ganöſett genannt. Noch beſſer würde e3 aber ſein,
man wendete Alkoholwaſchungen mit nachfſolgen-
der Fetteinreibung an, die beide in einem Badeöl
vereinigt werden könnten.
Auch als Negulator der Körperwärme
verdient die H. die größte Beachtung. Den Kör=-
per treſſen kalte Luſtſtrömungen, die ihm ſtets
viel, vielleicht zuviel Wärme entziehen. Iſt die H.
durch ſtarke Muskelbewegungen erhißt, dann ver-
urſacht ſolche Zugluſt Katarrh, RNheumatiömus,
Gicht u. Blaſenleiden, C3 muß daher eine Haupt-
auſgabe ſein, die H. gegen dieſe geſährliche Luſt-
einwirkung zu wappnen, damit die genannten übeln
Folgen ausbleiben, Da3 geſchieht dur< die Ab-
härtung (ſ. d.). Wer die H. nicht übt wie alle
andern Organe, wird ihre Tätigkeit beeinträch-
tigen, ſie verzärteln u. der ſchädlichen Stoſſe, die
ſich in ihr anſtauen, nicht mehr Herr werden. Lei-
der beginnt die Sünde gegen die Hygiene der H.
gewöhnlich ſchon im verweichlichenden Trageliſſen.
111. Abarten der H. od. deren Au3wüchſe ſind
Haare, Nägel u. Zähne. Auch deren Hygiene iſt
ſür die Schule nicht belanglos. -- Betrachten wir
zunächſt die Haare. Bekanntlich ſind dort die
Haare am ſpärlichſten, wo ſie einen Dru erfahren,
z. B,. an der Schulter. Wenn man nun auf die
Kopſ=H. ebenſalls einen fortwährenden Druck durc
die Müße, Helm uſw. ausübt, ſo entſteht der Haar-
ausfall. Wird das Haar nicht geſtrählt, ſo ver-
filzt es. Jſt e3 ſpröde, ſo fette man e3 mit etwas
(nicht zu reichlich!) Ol od. Pomade ein, gewöhn-
lich iſt dies aber nicht nötig, da der H.talg ge-
nügend Fett liejert. Das Beſchneiden der Haare
iſt notwendig ſchon wegen der Verweichlichung; die
langen Haare bieten auch mehr Gelegenheit zur
Staubanſammlung, Beſonders iſt jenen Menſchen,
die ſich nach jedem Haarſchneiden erkälten, öſtere
Wiederholung dieſer Prodezur zu empfehlen, da
ſie dadurch abgehärtet werden.
Die Nägel, ſtarke Hornplatten der D- ſind
ein Schuß ſür die Fingerſpißen, in denen der ſeine
Taſtſinn liegt. Sie müſſen fleißig beſchnitten

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