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(81911); 8. Gurlitt, Pflege des Heimatſinnes
(17*1909); N. Felgner, H. als Mittelpunkt d. ge)
Unterr. (1903/08) ; H. Conwenßh, Die H. in der
Schule (21906); H. iner, Die Bedeutung der
Heimat (21910); E. O. Nöhler, Die prakt, Ver»
wert. heimatkundl. Stoſſe (1906); R. Dobeneer,
Über d. pädag. Grundſah: „H. nicht bloß Diſzi-
plin, ſondern Prinzip“ (1907) ; A. Pelz, Geologie
der Heimat (1903) ; K. Brand, Einſühr, i. d. Ber-
ſtändnis der Landkarte durch die Vollsſchule (1910);
N. Flatt, .Der Unterr. im Freien (1908); G.
Schwochow, Heimat un. Schule (1906) ; P. Pohle,
Von der H. zur Erdkunde (1905); J. Walther,
Vorſc H. im Dienſte der Wohlfahrtsarbeit (21909); K.
Nemus, Heimatgeſhhl u. naturgeſchichtl. Unterr.
(1907) ; B. Clemenz, Wandern u. Sthauen in der
Heimat (1910); F. Hilſhmann, Praſt, Anleit, 3.
Anſert. von Plänen, Heimatkarten, Kartenſkizzen,
Profilen ſowie Reliefs unſw. (1912) ; derſ., Die Pra-
xis des neuen Vollöſchulzeichnens (4 Bde, 1912;
behandelt zum erſtenmal das heimatkundl. Zeichnen
auf allen Stufen) ; N. Kretſchmer, Anleit, zum Kar»
tenzeichnen (1911). [B. Clemenz.]
Heimatſchutz. 1. Oeſchichtliche Eniwitk-
lung. Die Bewegung ſür H. iſt erwachſen aus
der Liebe zur Natur, die im germaniſchen Blute
liegt. Siller ſagt über die Art, wie die Natur
in den Dingen empfunden werden kann: „E3 gibt
Augenblicke in unſerm Leben, wo wir der Natur
in Pflanzen, Mineralien, Tieren, Landſchaſten,
ſowie der menſchlichen Natur in Kindern, in den
Sitten des Landvolke3 u. der Urwelt, nicht weil ſie
unſern Sinnen wohltut, auch nicht, weil ſie unſern
Verſtand od. Geſchmac> beſriedigt (von beiden kann
oſt da3 Gegenteil ſtattfinden), ſondern bloß, weil
ſie Natur iſt, eine Art von Liebe u. von rährender
Achtung widmen“ (Über naive u. ſentimentale
Dichtung). Die Wertſchäßung de38 Ererbten u.
Urſprünglichen ſpricht ſic in der Hoc geſchichtlichen Altertümer u. in der Naturverehrung
aus, welche die deutſche Geiſtes- u. Kulturgeſchichte
kennzeichnen. Al8 Vorkämpfer der heutigen H.»
bewegung können Juſtus Möſer3 „Patriotiſche
Phantaſien“ ſowie die Arbeiten der Brüder Grimm
u. W. H. Riehl3 angejehen werden. Noch ehe
eigne Verbände zu H.zwecken begründet wurden,
haben Hansjakob, Schwindrazheim u. Mielke durch
beſondere Schriſten (ſ. u. Lit.) auf die drohenden
Verluſte in Sachen der alten Volkskunſt hinge»
wieſen. Seit den 1890er Jahren ſind dann Sohn-
rey u. Schulße-Naumburg mit den poſitiven Ar-
beiten zur Pflege des Althergebrachten im Gegen-
ſahße zu der immer proßiger auſtretenden Stil» u.
Charakterloſigkeit de3 Modernen in Tracht, Sitte
1. Bauweije Förderer de3 H. geworden. Den ent»
ſcheidenden Schritt haben wir in Ernſt Nudorſſs
Auſſahe „H.“ zu ſehen, der 1897 in den „Grenz»
boten" erſchien u. da3 deutſche Bolk gegen die ſort-
ſchreitende Verödung u. Verſlachung unſers Lebens
aufrief. Auf Grund dieſe3 ſpäter als ſelbſtändige
Schrift erſchienenen Auſſahe3 wurde 1904 der
„Bund H." in? Leben gerufen, deſſen Hauptauf»
Heimaiſchuß.

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gabe nach 8 1 der Saßungen iſt: „die deutſche
Heimat in ihrer natürlichen u. geſchichtlich gewor»
t | denen Eigenart " ſchüßen“, Rudorſf zitiert in
ſeiner Werbeſchriſt aus einem ſächſiſchen Aufruſe
zum Schuße der Denkmäler folgende ſtiſche Stelle: „Mehr als je ſind die Denkmäler
der Vergangenheit uner deutſchen Volkes in der
alle8 umgeſtaltenden Gegenwart de3 Schußes be-
dürftig. Das geſteigerte Erwerb3» u. Verkehrs-
leben unſrer Tage bedroht die Schöpfungen der
Vorzeit wie nie zuvor u. vermindert ihren Beſtand
in weit höherm Maße, als e8 vordem Brände,
Kriege od. rohe Zerſtörung8vut getan haben.
Unſre Städte, unſre Dörſer verwandeln faſt vor
unſern Augen ihr Ausſehen ; die alten Bauern
häuſer in ihrer ſcharf ausgeprägten Eigenart, die
alten Häuſer der Städte mit ihren ſinnvollen In=
ſchriſten, dazu Tore u. Türme u, mit ihnen die
alten maleriſchen Straßenbilder ſchwinden mehr
u. mehr ; u. mit den Häuſern zugleich ſchwinden die
alten Kunſtwerke, die ſie ſ alte, edle Hansrat, der ſie füllte.“ Der Bund H.
richtet ſein Augenmerk auf Denkmalpflege, hei=
miſche Vanweiſe, Landſchaſtſchuß, Naturdenkmal-
pflege, Schuß der Volkskunſt u. Schuß der Sitten
u. Gebräuche. Seine Wirkſamkeit iſt eine ganz
erſtannliche geworden, dank der Mitarbeit der ſtaat=
lichen Behörden u. zahlloſer verwandter Vereine,
Eine eigne Zeitſchriſt „H.“ ſagt in Wort u. Bild,
was zu tun u. zu laſſen iſt. Für die Naturdenk=
malpflege gibt deren ſtaatlicher Leiter eine beſon=
dere Zeitſchrift „Beiträge zur Naturdenkmalpflege“
heraus, Die Hauptſache, der Schuß des Alten u.
die Erneuerung des heimiſchen Weſen3, iſt aber
nur möglich dur< tätige Mitwirkung de3 Volkes
ſelbſt, wobei die Mitarbeit der Schule eine große
Nolle ſpielt. Ähnliche Tendenzen wie der deutſche
Y-bund (1912: 15 Landesvereine) verſolgen die
6).vereine Öſterreich3, ſerner der Dürerbund, der
Verein für ländliche Wohlſahripflege, der Deutſche
Denkmaltag, der Bund für Vogelſchuß, die Ver-
einigung für H. in der Schweiz u. die Societe
our In Protection des Paygages do France
ſr Frankreich.
11. Heutiger Stand, Die erſte geſetzliche Wahr-
nehmung der H.intereſſen in Deutſchland verfolgte
das „Heſſiſche Denkmalſchuhgeſeß" von 1899. In
Preußen ging man zunächſt mit polizeilichen Maß-
nahmen zum Schuße der Naturdenkmäler vor, er-
ließ aber unterm 135. Juli 1907 das Geſeß gegen
die Verunſtaltung von Ortſchaften u. landſchaſt=
lich hervorragenden Gegenden. Man kann ſchon
heute von einer Wendung der Dinge zum Beſſern
ſprechen. E53 bereitet ſich eine Erneuerung zum
echten deutſchen Geſchmace vor, ſowohl in der
Bauweiſe wie in der Wertſchäßung des geiſtigen
Erbgute3. Nicht zum wenigſten merlt man den
Fortſchritt an den neuzeitlichen Shulhausbauten
(vgl. den Art. Schulhaus, Bau u. Einrichtung).
111, 9. 1. Schule, Die Frage, wie die Lehrer
die Intereſſen des H. ſördern können, iſt bereits

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