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Anſtalten einzurichten für fremde Eltern, die ihr
mit Vertrauen ihre Kinder übergeben. Die Zahl
dieſer Anſtalten iſt in der neueſten Zeit geringer
geworden, weil die Anforderungen des Staates an
die Lehrkräſte deren Beſchaffung erſchweren. Ge»
genwärtig beſtehen in Deutſchland u, der Schweiz
18 Anſtalten mit Internaten, 7 für Knaben, 11
für Mädchen, die am 1. März 1913 ingeſamt
von 901 Knaben u. 1634 Mädchen beſucht wur=
den; 83 Lehrer u. 169 Lehrerinnen erteilen den
Unterricht. Für Knaben: das Pädagogium in
Niesky, das Befähigung3zeugniſſe für das Ein-
jährige ausſtellt; da8 Nealprogymnaſium in Gna-
denfrei mit derſelben Berechtigung ; die höhere
Knabenſchule in Neuwied für Ausländer mit
Alumnat für die ſtädtiſchen Anſtalten ; die Real-
ſchule in Königsfeld (Baden) ; die Mittelſchule in
Kleinwelka (Sachſen); da38 Inſtitut in Schloß
Prangins (Genf); das Lehrerſeminar in Niesky
mit Berechtigung für Preußen. -- Die Anſtalten
für Mädc eingerichtet. In Preußen befinden ſich ſolche in
Gnadau, verbunden mit einem höhern Lehrerinnen=
ſeminare, in Gnadenberg, Niesky , Gnadenfrei
(Schleſien) u. in Neuwied. In allen dieſen An-
ſtalten ſind die neuen preußiſchen Lehrpläne von
1908 eingeführt. Jm Königreich Sachſen befinden
fich Mädchenſchulen in Hermhut u. Kleinwelka, in
Koburg-Gotha in Neudietendorf, in Baden in
Königsfeld, in der Schweiz in Montmirail bei
Neuenburg.
Literatur. Nieger, Die alte u. neue böhm.
Brüderkirhe (3 Bde, Züllihau 1734/40); D.
Cranz, Alte u. neue Brüderhiſtorie (Barby 1772);
L. Schaaf, Die evang. Brüdergem. (1825); E. W.
Cröger, Geſch. der erneuerten Brüderkirc 1852/54) ; der]., Geſch. d. alt. Brüderkir 1865/66) ; I. W. Verbeek, Kurzgef. Geſch. der alten
u. neuen Brüderunität (1857) ; J. F. Schröder, Der
Graf Zinzendorf u. Herrnhut (?1863); G. Burk-
hardt, Zinzendorf u. die Brüdergem. (1866) ; derſ.,
Die Brüdergem. (1 *1905; 11 1897); O. Steined>e,
Die Diaſpora der Brüdergem, in Deutſchland
(1905) ; O. Uttendörfer, Das Erziehungsweſ. Zins» | d
zendorſs 1. d. Brüdergem. i. ſ. Anfängen (M. CG, P.
LI [1913)). Endlid ſind zu beachten die jährl. er-
ſchein. Proſpekte d. Shulabt, d. Direktion d. deutſch.
Brüderunität in Berthelsdorf. [I. Ernſt.]
Herzensbildung, 1. Begriff. In der
Sprache der Dichter u. de3 Volkes gilt da3 Herz
al8 der Siß der Gefühle u. Gemütsregungen.
Herz u. Gemüt ſtehen als gleichbedeutende Bes
griſſe neben= u. füreinander. Daher fallen auch,
im allgemeinſten Sinne genommen, H. u. Gemüts»
bildung zuſammen; was im Art. Gemüt, beſon=
der3 im Abſchn. 111, über „Gemützbildung“ geſagt
iſt, ſindet auch für die H. volle Anwendung. Dieſe
Bedeutung des Ausdruck3 H. erſchöpft aber den
ganzen Inhalt des Begriffes nicht ; wir ermitteln
deſſen Beſonderheiten am beſten durch einen Blick
auf ſeine wichtigſten Gegenjäße. Betrachten wir
etwa einen Menſchen, deſſen äußere3 Auftreten
Herzensbildung.

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bis in die kleinſten Bewegungen u. gleichgültig
ſten Worte hinein ſorgfältig überlegt iſt; alles an
ihm zielt darauf ab, einen „tadelloſen“ Eindruck
zu machen. Wollten wir unſer Urteil bloß nach
dieſer glänzenden Außenſeite richten, ſo würde es
den Kern der Perſönlichkeit nicht treffen ; denn die
uußere Mache iſt hier eitler Schein u. dient nur
zur Dee für eine widerwärtige Charakterloſigkeit
od. wenigſten3 für eine abſtoßende Hohlheit. In
beiden Fällen ſagen wir, ein ſolcher Menſch iſt
bloß geſchliffen, aber nicht gebildet ; ihm fehlt die
innerliche, tiefe H. Dieſer iſt ein ſolide3 Wiſſen
ebenſo eigentümlich wie ein gefühl8warmes u. ziel=
bewußte3 Wollen ; ihr widerſtrebt die kalte, förm=
liche Höflichkeit (f. d.), ſoſehr ſie auch den ganzen
NReichtumihrer innern Vollkommenheit u. Harmonie
im äußern Gebaren bekunden mag. Ein Menſch von
wahrer H. iſt in ſeinem Benehmen nie roh u. un-
manierlich. Er verleht niemand durch ungeſtümes,
rüſichtäloſes Handeln, ſondern hält ſein ganzes
Wollen in richtiger Selbſtzucht. Seine Perſönlich-
feit hat etwas Abgeklärtes, Lieben8würdiges an
ſich, das andre für feine Tugenden leicht gewinnt.
Dem Pädagogen iſt das Streben nach ſolcher H.
ganz bejonder38 notwendig, weil er beruf8mäßig
ein Muſterbild für ſeine Zöglinge ſein ſoll. Die
heutige Zeit hat die Schäßung der H. vielfach
verloren. Überall, wo man das Wiſſen für das
Mark der Bildung hält, ſeßt man ſich über den
Wert der in Herz u. Gemüt wurzelnden mora=
liſchen Kräſte nachläſſig od. gar verächtlich hin-
weg. Dem Weſen echter Menſchheitsbildung kann
dieſer Intellektualiömus wahrlich nicht gerecht
werden, noch viel weniger dem Jdeal Bildung. Die Shulerziehung muß daher die H.
unbedingt mehe u. ernſtlicher als biöher betreiben ;
ſie ſoll ſich, wie A. Matthias (Wie werden wir
Kinder des Glücks? [281910] 177 f) ausführt,
„bewußt bleiben, daß neben jenen äußern Be=
rechtigungen, die das Wiſſen im Auge haben u.
haben ſollen, reinere Werte ſtehen, die höhere
Berechtigung haben, daß nämlich jede Schule in
em Maße eine Quelle des Glü>3 ſein wird, als
ſie ſich in der ſauren Werktagsarbeit der höchſten
Aufgaben bewußt bleibt, allgemeine Geiſtes8bils
dung 1. nicht nur Berechtigung8= u. Fachbildung
zu vermitteln, allgemeine Geiſte3bildung, die nicht
auf gedächtnismäßiger Annahme u. Verarbeitung
der Kenntniſſe allein beruht od. ihren Nuhm darin
ſucht, recht viel gedächtni8mäßige Bildung einzu-
pauken, ſondern ihre Ehre darin erkennt, auf dieſem
Grunde feſten Wiſſens Klarheit de3 Denken,
geiſtige Selbſttätigkeit u. herzhafte Aneignung u.
Vergeiſtigung der Grundwahrheiten einzupflanzen,
die unſer ſittliche3 Leben u. unſer Glück regieren“.
=- Vgl. auch den Art, Halbbildung.
1. Mittel der H. Soweit die H. in der all-
gemeinen Bedeutung gefaßt wird, ſind die Wege
zu ihr die nämlichen wie die für die Gemüts-
bildung (f. Gemüt) bezeichneten. Zur Erlangung
der H. in dem beſondern, prägnanten Sinne ſind

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