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deten 11. die Kreiſe de8 mittlern Bürgerſtandes,
wandten. Die Zahl dieſer Einrichtungen iſt dann
ſpäter immer mehr gewachſen (in Berlin 3. B. durch
die Freie Hochſchule, die Leſſing-Hochſchule, in
Frantſurt a, M. durc) die Akademie für Sozial=
u. Handel3wiſſenſchaſten). An Organiſationen,
die jic) ſchon vorher in den Dienſt der Volksbil»
dung ſtellten , ſind beſonders zu erwähnen die
„Comeniu8-Geſellſchaſt für Volkserziehung" mit
ihrem Organ : „Monatzhefte der C.“, u. die 1871
in Berlin begründete „Geſellſchaft für Verbrei-
tung von Volksbildung“ mit ihrem Organ: „Die
Volksbildung“, die außer durch Begründung von
Volksbibliotheken u. durch Einzelvorträge neuer-
ding8 auch dur die Abhaltung von Vortrag8-
zyklen jenem Zwee dient (vgl. L. Keller, Die
Comeniu3-Geſellſch. [1902]; Volks8bildungsarciv,
hr3g. v. Nob. v. Erdberg, 1 93--108 349--369,
u. die Feſtſchr. d. Geſ. f. Verbreit. v. Volksbild. :
„Deutſche Volk3bildungs8arbeit“, Berlin 1911).
Am nächſten der Form u, den Zwecken der U.U.,
bevor die deutſchen Hochſchulen ſich der Sache an-
nahmen, kamen die vom Ausſchuſſe für Volk3vor-
lejungen 1890 in Frankfurt a. M. ins Leben
gerufenen Vorträge, denen ſich ſpäter Vortrag3-
zyklen, Kurſe, Muſeumsführungen, Volksvorſtel-
lungen, die Begründung eine3 Volks8 anſchloſſen. Die vortrefflich organiſierte u. von
der Stadt Frankfurt dur<4 namhaſte Zuſchüſſe
unterſtüßte Einrichtung wuch8 ſich dann allmäh-
lich zum Nhein-Main=-Verband aus, der ein eignes
Wandertheater einrichtete, eine alle paar Jahre an
verſchiedenen Orten (biöher in Rüſſel8heim, Hep-
penheim u. Weßlar) tagende Volksakademie zum
Austauſche der Meinungen u. zur Gewinnung
neuer Mitarbeiter ſowie in der von G. Volk hr8ög.
„Volksfultur“ ein Organ ſchuf zur Veröſſentlichung
von Abhandlungen, welche die Volk8bildungsfrage
betreffen. Alle dieſe Organiſationen haben die völ-
lige politiſche u. religiöſe Neutralität al8 Grundſaß
proklamiert, der im allgemeinen auch innegehalten
wird. Von den Univerſitäten trat 1896 zuerſt
Jena, wo die ſozialen Schöpfungen von Prof.
Abbe dem Gedanken ſördernd entgegenkamen, u.
bald dana) München u. Leipzig in die Bewegung
ein; 1898 folgte Berlin. Im Gegenſaße zu Öſter-
reich ſind die v. H. an den deutſchen Univerſitäten
nicht eigentlich Sache der Univerſität, ſondern
der einzelnen Univerſitätslehrer , die aus ihren
Neihen einen Ausſchuß bilden. Prüfungen u.
Zeugniſſe fallen daher bei den deutſchen H.n fort,
ebenſo ſind auswärtige Kurſe bei den größern
Univerſitäten nicht üblich. Um den Ausbau u. die
Auzbreitung der v. H. hat ſich neueſtens8 beſon=
der3 Prof. P. Natorp in Marburg bemüht. Am
21. Apri! 1900 haben ſich die an den v. H.n be=
teiligten Hochſchullehrer zu einem Verbande zu=
ſammengeſchloſſen, der mit dem Ausſchuſſe für
v. H. an der Wiener Univerſität ſeit 1904 alle
2 Jahre zu einem Volks8ho<ſ zuſammentritt (der 1. in Wien, der leßte 5.
Ho
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[1912] in Frankfurt a. M.). Alle 2 Jahre findet
auch ein Internationaler Volks8bildungskongreß
ſtatt (zuerſt 1906 in Mailand, 1908 in Paris).
IV. Volköhoc<ſchulen. „Volk8ho zuweilen, wie 3. B. in den romaniſchen Ländern,
nur ein andrer Name für v. H., in den meiſten
Füllen aber eine wenn aud) ähnliche Ziele ver-
folgende, ſo doch ſelbſtändige, weder mit Hoh»
ſchulen in Verbindung ſiehende noch von Hoch-
jhullehrern geleitete Volks8bildung8organiſation.
Es gehören hierher die von George3 Deherme be=
gründeten franzöſiſchen Univergites populaires
wgl. Kl. Kloepper, Franzöſ. Neallexikon I11
[1900/02] 688-689, u. Lampa I 56--61 74
bis 81) ſowie ein Teil der italieniſchen u. ſpani-
ſchen Universitä popolares (vgl. Archiv f. d.
Volksbildungsweſ. aller Kulturvölker, hr83g. von
EC. Schulte u. G. Hamdorff, 1 [1907] 132--146,
u. Lampa VIII 1238-125). Die intereſſanteſte
Erſcheinung dieſer Art ſind aber die durchaus
eigenartigen, von dem großen däniſchen Patrioten
u. Dichter Grundtvig (vgl. Madſen, Grundtvig
u. die dän. Volk8hoc u. auf dem Prinzipe des Zuſammenleben3 ein=-
gerichteten nordiſchen Volks8hochſchulen , die dem
agrariſchen Charakter dieſer Länder entſprechend
die Weiterbildung der ländlichen Bevölkerung er=
ſtreben u. ungeahnte Erfolge erzielt haben (vgl.
die Schilderung vom Leben in einer ſolchen Volk8-
hochſchule in dem Buche von A, H. Hollmann: Die
dän. Volksho<ſchule [1909] 75--81, u. den treff-
lien Auſſaß von H. Pudor bei Lampa I 94---97
105-116 mit reicher weiterer Lit.).
Literatur. Vgl. außer den im Texte erwähn=
ten Werken u. Zeitſchr. : P, Bergemann, Volksbil-
dung (Hillger8' Jüluſtr. Volksbücher 111 [1904]) ;
G. Friß, Das moderne Volksbildungsweſ. (1909);
K. Röſener, Im Kampfe um die Volköſeele (1907);
Mannheimer, Die Bildungsfrage als ſoz. Pro-
blem (1901); I. Bamberger, Die ſozialpädag.
Strömungen der Gegenw. (1905); IJ. Ruſſell, Die
Volkshoc Reyer, Handb. d. Volksbildungsweſ. (1896); E.
Schulte, Volkshoc Bewegung (1897); M. N. Zepler, Volksho<ſc (1905); F. W. Foerſter, Chriſtent. u. Klaſſenkampf
(10. Tauſ. 1909) 55 ff ; H. Albrecht, Die Populari=-
ſierung des Hochſ bungen (Deutſche Nundſchau Bd 98, S. 232/256);
A. Sandhagen, Ideen engl. Volk8erziehung (1911);
F. Paulſen, Geſ. pädag. Abhandl., hr8g. von E.
Spranger (1912, 628/641 : „Die ländl. Volköho ſchule u. ihre Bedeutung“). Neiche Lit. üb. d. engl.
VU. LE. bei H. Spies, Das moderne Engl. (1911)
108/112. [W. Grote.]
HohſHulſtudium der Volköſchullehrer
j. Fortbildung der Volksſchullehrer.
Höflichkeit, 1. Begriff u. Wert der H.
Höflich bezeichnet urſprünglich das, wa8 der an
den Höſen herrſchenden Sitte entſpricht. Heute
nennt man eine Perſon höſlich, wenn ſie die unter
den gebildeten Leuten geltenden ſeinen Umgangs-
formen beobachtet. Dieſe haben an ſich keinen

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