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Heit zu Belehrungen dieſer Art bieten da3 Schuls=
leben wie der Unterricht in Fülle. Auf der Unter-
ſtufe knüpft man an den Anſchauung3unterricht
an, auf der Mittel» u. Oberſtufe der Volksſchule
u, auf den höhern Schulen an den Leſeunterricht.
Geeignete Stücke, wie „Der Spaßenmichel" von
Enölin, „Die Kornähren" u. „Der Widerhall“
von Chr. v. Schmid, „Hänschen, tu dein Käppchen
ab!“ von Hebel, findet man in allen Leſebüchern.
Beſonderes Gewicht iſt auf das Grüßen zu
legen. Der Gruß ſoll erſolgen durch deutliches,
aber beſcheidenes Ausſprechen des betreſſenden
elliptiſchen Saßes u, de3 Namens od. Titels des
Gegrüßten. Die Knaben nehmen gleichzeitig
ihre Kopfbede>ung ab; ob die Mäd verneigen od. einen Knix machen, das hängt von
der herrſchenden Sitte ab. Der Erſahrung ge-
mäß ſcheint die Mahnung nicht überflüſſig zu ſein,
daß der Gegrüßte unter allen Umſtänden den
Gruß deutlich erwidere, wenn auch nur durd
freundliches Zunicken. Jn kleinen Ortſchaften
grüßen die Kinder in der Negel alle Leute, auch
die Fremden. Das macht einen guten Eindruck u.
läßt einen günſtigen Schluß auf die erziehliche
Tätigkeit der Schule zu. In größern u. verkehr3=
reichen Orten iſt dies natürlich nicht durchführbar.
-- Vgl. auch die Art. Gefälligkeit, Zeben3art.
Literatur. B. Overberg, Von d. Shulzucht
(n. A. 1893); A. v. Knigge, Umgang mit Menſchen
(Reclam) ; Ch. H. Zeller, Lehren d. Erfahrung
(*1883); 8. Kellner, Loſe Blätter (?1911); S.
Smiles, Der Charakter (dtſch 1895); B,. Krier,
Die H. (81904); A. Matthias, Wie erziehen wir
unſern Sohn Benjamin? (81911) ; K. Hilty, Brieſe
(16, Tauf. 1912). [H. Brück.]
Hofmeiſter. H. od. Hoſmagiſter iſt der
Titel eine3 Manne3, der am Hofe eine3 Fürſten
od. vornehmen Herrn den Kindern, namentlich
den Knaben, den Unterricht erteilte ſowie auch
ihre Erziehung leitete. Als eine Art H. kann
man ſchon die (meiſt unſreien) Leute anſehen, die
bei den Batriziern im alten Nömerreiche die
Söhne des Hauſes unterrichteten u. überwachten.
In der Negel aber verſteht man unter H. jene
Männer, die ſeit dem Ende de3 16. Jahrh. in
den fürſtlichen u. adligen Familien als Lehrer u.
Erzieher walteten. Von Fürſtenhöſen u. adligen
Häuſern ging dieſe Einrichtung allmählich in
Familien von nichtadliger Herkunit über, wobei
aber der Begriff de8 H. ſic mehr u. mehr ver-
flüchtigte u. durd) den des Hauslehrers (ſ. d.) ab=
gelöſt wurde, Der H. erſchien als unentbehrlich
dort, wo e3 an Schulen fehlte, od. wo man ſeiner
ſozialen Stellung wegen es nicht für angemeſſen
hielt, die Kinder in die Schulen des Volke3 zu
ſchien. Denn dem Vater, der durch ſeinen Bex
ruſ, inöbeſondere durch Staatsgeſchäſte in An=
ſpruch genommen war, fehlte e8 an der Zeit u.
in der Negel aud) an der Neigung od. an den
nötigen Kenntniſſen, ſeine Söhne ſelbſt zu unter-
richten. Nicht ſelten hat man die Erziehung u.
Lexikon der Pädagogik. 11,
Hofmeiſter -- Hohenzollern.

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Bildung durch die Schule als für adlige Kinder
geradezu verderblich betrachtet u. demgemäß die
H.erziehung überſchäßt, wie uns das genug in Locke3 „Gedanken über Erziehung" ent-
gegentritt, der an der gemeinſamen Schulerziehung
nur die Schattenſeiten u. an der privaten H.er=
ziehng nur die Lichtſeiten ſicht. Für die Über=
ſehäßung der Einzelerziehung u. darum auch des
H. iſt auch Nouſſeau8 „Emil“ von Bedeutung
geweſen, wenngleich Rouſſeau ſelbſt in dieſem
Werke die Erziehung durch den H. nur als vor-
läufig betrachtet u. damit die Erziehung durd
den Vater keine3weg3 erſeßt wiſſen will. Sinken
mußte die Bedeutung des H. naturgemäß mit der
Zunahme de3 Berechtigung3weſen3 der Schulen
u. der fortſchreitenden Abnahme der Adel3privi=
legien. Sogar an Fürſtenhöfen ſind die Auf=
gaben des H. weſentlich eingeſchränkt, ſeitdem ſelbſt
Fürſtenſöhne (Kaiſer Wilhelm I]. !) nicht ſelten
für ihre weitere Bildung öffentliche höhere Schulen
beſuchen. Da hat denn der H., wa3 den Unter-=
richt anbetrifft, hauptſächlich die Auſgabe, die
HausSarbeiten zu überwachen u. die ſonſtigen Be-
ziehungen zur Scule zu regeln. -- Al3 weibliche3
Gegenſtück zum H. wäre die Hofmeiſterin u. die
Gouvernante (ſ. Erzieherin) zu betrachten.
Literatur. Einzelne gelegentliche Anwei-
ſungen für das Amt des H. finden ſich in den
Scriſten über Adel8- u. Fürſtenerziehung (ſ. d.).
Geſonderte Darſtellungen ſind ſelten. Wir nennen:
Graf Franz Joſeph Kinsky, Über die H. Ein Nach»
trag zu den Erinnerungen von einem Böhmen
(Prag 1776 ; in ſeinen pädag. Shr., hr8g. von W.
Eymer [1892]) ; W. Harniſc<, Leben des 50jähr.
Hauslehrers Felix Kaskorbi (1817); A. H. Nie-
meyer , Grundſäße der Erzieh, u. des Unterr.
(71819; im 3. Tl eine „ſpezielle Darſtellumig der
Verhältniſſe u. Pflichten der Hauslehrer u. Exr-
ziehungsgehilſen"). -- Um ſo zahlreicher ſind die
Notizen über H.erziehung in Biographien u. ſon=
ſtigen Mitteilungen, ſei es daß Denker u. Dichter
erzählen von ihren H.n (wie 3. B,. Grillparzer, der
„einen der wunderlichſten aller Menſchen" zum H.
hatte, u. Rochow, der vom 4. bis 13. Jahre 11 H.
hatte), ſei e8 daß Pädagogen berichten über Er-
fahrungen, die ſie ſelbſt al8 H. machten, wie z. B.
Hamann in Livland u. Herbart in der Schweiz (ſ.
ſeine Berichte an Herrn v. Steiger). Vgl. auh den
Art. H. in K. A. Schmids Enzyklop. d. geſ. Erz.- u.
Unterricht3weſ. III (?1880). [G. Grunwald.]
NE ſ. Mittelalterliches Bildung3=
weſen.
Hohenzollern , Joſeph Wilhelm
Friedrich, Reich3graf v. 1, Lebensölauf.
J. v. H. wurde am 20. März 1776 zu Troppau in
Öſterreichiſch-Schleſien al3 Sohn de3 Neich8grafen
Joſeph v. H.-Hechingen geboren. Zum Heere3-
dienſt beſtimmt, kam er auf die Militärſchule nach
Stuttgart. Nachdem er ſich aber für den geiſtlichen
Stand feſt entſchieden hatte, ging er zu ſeinem
Oheim Kärl v. H. (1785/95 Biſchof v. Kulm,
dann bi3 1803 Biſchof v. Ermland). Dieſer re-
ſidierte al3 Kommendatar-Abt in der Ziſterzienſer-
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