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aufſſicht8beamt. an höh. Schulen (1907); H. Morſch,
Daß höh. Lehramt in Deutſchl, u. Öſterr. (*1910);
(Preuß.) Dienſtanweiſung ſür die Direktoren u.
Lehrer an höh. Lehranſt, für die männl. Jugend
(1910); G. Leuchtenberger, Der Schuldirekt. (1911);
K. Neff, Der Examinator (1912); W. Fries, Die
Vorbildung der Lehrer |. d. Lehramt (1895).
[. Nieſert.]
Hotelfachſchulen. Bei der Stellung des
Hotel8 im heutigen Kulturleben u. bei der rieſjen=
haſten Ausdehnung des modernen Neiſeverkehrs
iſt die Ausbildung des Hotelperſonal3 eine Ange-
legenheit von nicht nur rein fachlicher, ſondern
auch von allgemeiner Bedeutung. Sie hat unter
dem Einfluſſe der Entwicklung zum Großbetriebe
gelitten, in techniſch=wirtſchaftlicher wie in fittlich=
ſozialer Hinſicht, Die Umgeſtaltung der wirt=-
Ichaſtlichen u. ſozialen Verhältniſſe ergibt die Not-
wendigkeit, die praktiſche Lehre durch eine theo=
retiſche Ausbildung u. dur) Beeinfluſſung des
ſittlichen Werdeganges zu ergänzen u. zu vertiefen.
1. Die niedern H. Für den bei weitem größten
Teil de38 hotelgewerblichen Nachwuchſe3 kommt
nur ein mit der praktiſchen Lehre u. Arbeit parallel
laufender, in beſondern Fachklaſſen erteilter
Fortbildungsſ Lehrgegenſtände ſind neben den allgemeinern Fä»
Kontorarbeiten, gewerbliches Rechnen, etwa fol-
gende Spezialfächer : Nahrung3= u. Genußmittel-
funde, Betrieb8lehre, Hoteleinrichtung, Kellerwirt=
ſhaſt, Servierkunde, Reiſe- u. Verkehr83weſen,
Buchführung, Bürgerkunde, Gewerbe= u. Hotel-
recht, fremde Sprachen, Hygiene, Sitten= u. An-
ſtandslehre uſw. Bahnbrechend vorgegangen ſind
das Gremium (Körperſchaft) der Wiener Hote-
lier3 u. die Genoſſenſchaften der Wiener Gaſtwirte
1. Kaſſeeſieder, die auf Anregung von Prof. Heß
1890 die erſten derartigen Fortbildungsſchulen
in3 Leben rieſen. Heute beſtehen unter der Leitung
von Prof. Heß in den verſchiedenſten Bezirken
Wien3 23 von den genannten Korporationen ge-
ſchaffene, ſtaatlich 1. kommunal unterſtüßte Fort»
bildungsſchulen mit getrennten Abteilungen für
Hotel-, Gaſtwirte= u. Kaſſeeſiederlehrlinge ; der
Unterricht wird in 3 Jahresſtuſen (Vorbereitung3-,
1. u. 2. Fahfklaſſe) in je 6 Wochenſtunden erteilt.
Im Suljahre 1912/13 waren in 65 Klaſſen
2598 Schüler, in der Zeit 1890/1912 wurden
etwa 40 000 junge Leute unterrichtet. Seit 1909
haben dieſe Schulen den Charakter von Pflicht-
Ichulen mit Öſfentlichkeit8recht. Die Genoſſenſchaft
der Wiener Gaſtwirte u. Kaſſeeſieder hält auch
nach Bedarf Gewerbeſörderungskurſe für Meiſter
u. Gehilfen ab, u. zwar Kellerwirtſchaſt3=, Küchen=
wirtſchaft8=-, Gewerberecht8=, Buchſührung8=, Ser-
vier» u. Sprachkurſe; ſie unterhält ſerner eine be=
ſondere Kochſchule (1912/18 etwa 300 Schüle-
rinnen) u. eine Bildungs8anſtalt ſür Lehrerinnen
an Koc rinnen), it. ſie veranſtaltet beſondere Servierkurſe

Hotelſac
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für Wirtstöchter u. Kochſchulbeſucherinnen, diäte-
tiſche Kochkurſe uſw. Dem muſtergültigen Wiener
Vorbilde ſind die meiſten größern u. auc kleinere
Orte Öſterreichs gefolgt.
In Deutſchland wird in einer Neihe von
Städten, ſo in Berlin, München, Köln, Düſſel-
dorf, Stuttgart, Dre8den, Braunſchweig, Mühl-
hauſen i. Th. uſw., hotelwirtſchaſtlicher Unterricht
in beſondern Fachklaſſen der gewerblichen, ſeltener
der kauſmänniſchen Fortbildungsſchulen od. in Jn=
nungsöſchulen erteilt. Im Dez. 1912 hat der „Aus=
ſchuß für das Bildungs3weſen des Hotel= u. Gaſt=
wirtegewerbes“ (Vorſikender : Otto Hoyer, Köln)
eine beſondere Kommiſſion mit der Ausarbeitung
eines Normallehrplans für die gaſtwirtſchaſtlichen
Fachklaſſen der Fortbildungsſchulen beauftragt.
Eine beachtenöwerte Einrichtung beſißt jeit 1912
Baden-Baden in ſeiner der Gewerbe= u. Handel3=
ſchule angegliederten „Fachſchule für Kellner u.
Köche“ ; der Unterricht wird nur im Winterhalb=
jahre in 3jährigem Turnus (Sprachunterricht na-
türlichin Sonderklaſſen) erteilt (1912: 20 Schüler).
1. 3n den höhern (mittlern) H. ſollen die
mittlern u. die zur Leitung berufenen Beamten,
die Abteilung3vorſteher , Oberkellner, Geſchäfts-
leiter, Hotelſefretäre , Hoteldirektoren ſowie die
ſelbſtändigen Gewerbetreibenden die erforderliche
gewerbliche , fachliche u. kauſmänniſche Ausbil=
dung, theoretiſch u. praktiſch, erhalten. Dieſe
Schulen ſollen jungen Leuten im reifern Alter
(etwa 17-18 Jahre), die mit höherer als mit
der einfachen Volksſchulbildung in den Beruf
kommen u. meiſt nur eine kürzere praktiſche Lehr=
zeit dur u. Weiterbildung gewährleiſten. Dod ermöglichen
dieſe Schulen auch auſſtrebenden Elementen der
untern Kreiſe der Angeſtellten den ſozialen Auf=
ſtieg. Die Lehrgegenſtände ſind, natürlich mit
weſentlicher Vertiefung des Unterricht3, die gleichen
wie in den niedern Schulen. Aud hier iſt eine
vorbildliche Einrichtung die Wiener „göhere
Fachſchule für das Gaſtwirte=, Hotel= u. Kaſſee-
ſiedergewerbe“. Dieſe mit einem Internat ver=
bundene Schule wurde 1904 als Fachſchule für
Wirt8= u. Hoteliersſöhne gegründet, ſeit 1909 iſt
ſie auch Nichtwirt8ſöhnen zugänglich gemacht. Die
Anſtalt umfaßt 2 Jahrgänge zu je 8 Schul-
monaten u, 30 Pflichtſtunden die Woche (aus=
ſchließlich der Wahlfächer Küchenwirtſchaſt, Tur=
nen, Tanzen, Muſik); ſie zählt 21 Lehrkräfte
(Direktor : Prof. Heß) u. 1912/13: 102 Schüler.
Innäbruc beſißt eine „Gaſthof= u. Gaſthaus-
ſchule“ mit Imonatigem Kurſus u. 35 Wochen=
ſtunden ; eine beſondere weibliche Abteilung be=
zwedt die fachliche Aus8bildung von Mädchen,
ein Winterkur3s die fachliche Auäbildung von
Knaben, Jünglingen u. Männern für das Gaſt=
wirt8gewerbe auf dem Lande. -- Die 1893 ge=
gründete „Fachliche Fortbildungöſchule des Schwei-
zer Hoteliervereins“ in Cour-Lauſanne (Jnuter=
nat 1912/13: 48 Schüler) unterrichtet in einem

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