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8monatigen Winterkurs zu je 30--33 Wochen-
ſtunden.
- 3n Deutſchland beſteht zurzeit, wenn man
von einzelnen kleinern, rein privaten Unternehmun-
gen abſieht, noh keine höhere Hotelfachſchule. Auf
Grund längerer Vorarbeiten der verſchiedenen
Hotelgewerbe-Organiſationen (beſonders des In-
ternationalen Hotelbeſikervereins) wurde März
1913 die Errichtung einer höhern Hotelfachſchule
zu Düſſeldorf beſchloſſen ; die Stadt hat bei Ge-
währung von jährlichen Zuſchüſſen ſeitens des
Staates u. de3 Internationalen Hotelbeſiherver-
eins Einrichtung u. Betrieb übernommen. Die
neue Schule ſoll international ſein. Die Eröff»
nung iſt für Herbſt 1914 vorgeſehen.
111. Homſhulbildung erſtrebende Angehörige
des Hotelgewerbes ſind vor allem auf die Han»
delöhochſhulen angewieſen ; die hier gehaltenen
beſondern hotelwirtſchaftlichen Vorleſungen ſind
jedoch auch ſür Nichtfachleute beſtimmt.
[H. Sacher.]
Hrabanus Mauxuys, 1. Lebensgang.
Vi geboren 776 zu Mainz als Sohn angeſchener
ltern, wurde frühzeitig dem Benediktinerkloſter
zu Fulda als puer oblatus (gottgeweihter Knabe)
anvertraut. Al3 einen der fähigſten Zöglinge der
Kloſterſchule ſandte ihn Abt Ratgar nach Tours,
um ſeine Studien unter Alkuin (ſ. d.) abzu-
ſchließen, deſſen dauernde Zuneigung er ſich (als
deſſen „Mauru3“) gewann. Nach jährigem Auſ-
enthalte im Martinskloſter zu Tours kehrie H.
nach Fulda zurück, Hier war er anfänglich neben
Salomon, der gleich ihm ein Schüler Alkuin3
war, Leiter der Kloſterſchule. Cine verheerende
Seuche gefährdete jedoch den Fortbeſtand der
Kloſterſchule, u. die koſtſpielige Bauluſt de8 Abte3
Ratgar ſchränkte die wiſſjenſchaſtlichen Studien der
Mönche ein. H.' Bemühungen, die Kloſterſchule
zu heben u. den wiſſenſchaftlichen Ciſer der Mönche
zu ſördern, hatten jahrelang wenig Erſolg. Unter
Eigil, dem Nachfolger Ratgar8, wurde Fulda
wiederum eine Pflegſtätte der Wiſſenſchaft, u. H.'
Ruf zog von allen Seiten Shüler herbei, Neben
der „innern“ Schule wurde 817 eine „äußere“
Schule eingerichtet, Au3 H.? Schule gingen
zahlreiche Würdenträger der Kirche, Gönner u.
Pfleger der Wiſſenſchaft u. der Kunſt hervor.
Auch durch ſeine Schriſten wirkte er auf die Ge-
ſtaltung der Erziehung u. de3 Unterrichts ſelbſt
über die Grenzen de3 Reiches hinaus ein. Die
Kloſterbücherei bereicherte er mit Werken licher u. heidniſcher Schriftſteller ; namentlich an
römiſchen Dichtern u. Geſchichtſchreibern war ſie
reich. Als H. nach Eigils Tode zum Abte ge»
wählt wurde, überließ er die Leitung der Schule
dem Mönche Candidu3 u. unterrichtete nur noch
die Kleriker. Aber die Verwaltung des weitver»
zweigten Kloſterb«ſihe3, die Teilnahme an Syn»
oden 11. Neichötagen, wo ſein Rat begehrt wurde,
entzog iln oft längere Zeit der Lehrtätigkeit. In
den innern Wirren de3 Reiche3 zur Zeit Ludwig3
Hrabanu38 Maurus3.

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de8 Frommen ſtand H. auf ſeiten de8 Kaiſer8 u.
hielt nach deſſen Tode zu Lothar. Wie die Kirche
im Frankenreiche überhaupt, ſo war auch er ein
Verteidiger der Reichseinheit. Er hielt e8 aber
mit dem geiſtlichen Stande nicht für vereinbar,
an dem Kampfe der Meinungen u. der Waſſen
ſelbſt tätigen Anteil zu nehmen. Schenkungen, die
Ludwig der Deutſche dem Kloſter Fulda zuwenden
wollte, um ſich H.' Unterſtühung zu ſichern, wies
dieſer daher zurü>, 842 legte H. die Würde als
Abt nieder, vielleicht weil die Mönche zu Fulda
ſeine politiſche Haltung nicht billigten. Sein
Nachfolger Hatto nahm nämlich mit Entſchieden-
heit Partei für Ludwig den Deutſchen, H. lebte
ſeitdem in einem von ſeinem Freunde Daimo,
Biſchof v. Halberſtadt, gegründeten Kloſter im
Bodetale u. ſpäter in der zum Kloſter Fulda ge-
hörigen Zelle auf dem Peteröberg ſeinen Studien.
847 wurde er durch die Wahl der Geiſtlichkeit u.
de3 Volke38 u. durch die Gunſt der Fürſten de3
fränkiſchen Reiche3 zum Erzbiſchofe v. Mainz er-
hoben u. entfaltete, obwohl ungern dieſem Nufe
folgend, als ſolcher eine ungemein ſegenöreiche
Tätigkeit für Stärkung der Nechtgläubigkeit, Er-
haltung der Geiſtlichen, Belehrung de3 Volkes durch Pre-
digien in der Mutterſprache, Schuß de3 kir Beſiße8 u. de3 Eigentums der kleinen Leute. Un-
ruhen, die in Mainz von Geiſtlichen u. Laien,
gegen deren lokere3 Leben H. einſchritt, hervor»
gerufen worden, verleideten ihm den Aufenthalt
daſelbſt. Mit Vorliebe hielt er ſich ſeitdem in
ſeiner villa (Biſchoſ3hof) zu Winkel im Nheingau
auf. Hier ſtarb er am 4. Febr. 856 u. wurde in
der Kirche de5 hl. Alban zu Mainz beigeſeßt.
11. Schriften u. Bedeutung, Unter H.
zahlreichen u. vielbewunderten Werken nehmen
an Zahl die theologiſchen Schriften die erſte
Stelle ein, unter dieſen ſeine Erklärung3ſchriſten
zur Bibel, Auch al3 Dichter wurde er zu ſeiner
Zeit u, in der Folge geſchäßt. Hymnen, Cpi-
gramme, lehrhafte Dichtungen theologiſchen In-
halte3 ſind auf un3 gekommen. Al3 ſeine be-
deutendſte Dichtung galt „Das Lob de3 Hl. Kreu-
ze3". H. pädagogiſ 819 vollendete Schriſt Do institutions cleri-
cvrum („Von der Unterweiſung der Geiſtlichen“,
3 Bücher). Sie ſtellt ſeine Lehranweiſungen zuſam-
men u. läßt Lehrinhalt u. Lehrgang für die wiſſen-
ſchaftliche u. praktiſche Shulung der Geiſtlichen
damaliger Zeit erkennen. Die erſten 2 Bücher
machen den Kleriker vertraut mit allem, was für
ihn zum Verſtändniſſe ſeiner Standespflichten u.
zur Betätigung im kirchlichen Dienſteunerläßlichiſt.
Das 8. Buch verbreitet ſich, weit über den Rah-
men der theologiſchen Fachbildung hinausgehend,
über die Pflege der weltlichen Wiſſenſchaſten, ſo-
weit dieſe der Ausbildung der Geiſtlichen dienen
ſollen. Für Inhalt u. Begründung ſeiner Lehr-
meinungen iſt H. von ſeinen Gewähr3männern,
namentlich von Quintilian u. Auguſtinu3, ab»

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