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Erzieher iſt das höchſte J. „der im Fleiſch er-
ſchienene" Gottmenſch Chriſtus (1 Jo 4, 2), der
als „zweiter Adam“ od. al8 J.menſd das Ziel alles
menſchlichen Streben3 ſein muß, „zu dem wir in
allen Stücken heranwachſen ſollen“ (Eph 4, 15),
der lebendige Ausgang8= u. Zielpunkt des Ringens
der Seele nach Gott. In dem Grade, al8 der
Menſc< dem J. Chriſtus ſich nähert u. ſo Gott-
ähnlichkeit erlangt, wird die göttliche Cbenbildlich-
keit, die er in ſich trägt, aus8gewirkt. In Chriſtus
ward die Idee der Menſchheit wiederhergeſtellt,
darum wird er der „Erſigeborne unter vielen
Brüdern“ genannt (Nöm 8, 29) u. iſt das gött=
liche J.bild von der größten anziehenden, leben-
gebenden u. lebenwirkenden Kraft, Die Höhe des
gottmenſchlichen Vorbildes darf unsnichtängſtigen,
denn da3 Nachbild, lehrt der hl. Thomas, braucht
nicht in allen Stücken dem Vorbilde gleich zu
ſein ; es genügt, daß dieſes ſeinem Vorbilde einiger-
maßen nahekomme (8. theo]. 3, q. 24, a. 3 ad3).
Die Heiligen der katholiſchen Kirche haben Chriſti
Geiſt in ſich auſgenommen u. ſich ſo dem J. ver=
ähnlicht, Sie ſind darum wohl gegen den Gott-
menſchen Nachbilder, für jede3 Tugendſtreben hin-
gegen Vorbilder,
IV. Das J. u. die Kindesſeele. Unſre Zeit
mit ihrem Überwiegen der wirtſchaftlich-techniſchen
Kulturſphäre, mit ihrer Abkehr von der Übernatur
u. ihrer Blindheit gegenüber den Zdeen bedarf
de3 Hinweiſes auf lebenweckende u. lebenſpendende
3. gar ſehr. Die unverdorbene Kindesſeele ideali-
ſiert in edler Vertrauenösſeligkeit, von einer leb-
haften Phantaſie unterſtüßt, gern ſeine Umgebung.
Eltern, Seelſorger, Lehrer, ja die erwachſenen
Menſchen überhaupt erſcheinen dem Kinde leicht
als vollkommen, Daher die Pflicht für alle am
Erziehungswerke Beteiligten, jolc nicht grob zu täuſchen u. einen vorbildlichen Leben8=
wandel zu führen.
Auch die Dichtung bietet der Jugend mancher=
lei J.e. Das ungezügelte Freiheitsſtreben u. die
revolutionäre Grundſtimmung unſrer Zeit erklären
fich zum guten Teile aus den falſchen J.en, die
der Jugend in unſrer ſchönen Literatur vorgeführt
werden u. zu deren Kult ſie oſt planmäßig an=
geleitet wird. Gegenüber den wortreichen Helden
der Auflehnung u. der Negation treten die Ver-
treter der ſchlichten Pflichterfüllung u. des wort=
lojen Opfers meiſt ſtark in den Hintergrund, u. doch
muß die Jugend im eignen wie im fremden Leben
weit mehr mit dieſen rechnen als mit jenen. Wo ſie
heute aber ihre J.e ſucht, darüber gibt die Kinder-
forſchung beredten u. nicht immer erfreulichen Auf-
jehluß. Übrigens bewegt ſich bei dieſer Frage nach
der Vernunft u. deren Betätigung beim Kinde die
experimentelle Forſchungs8weiſe bereit38 hart an der
Grenze des ihr zugänglichen Gebietes, da ſie mit
allen ſtatiſtiſchen Erhebungen u. Zuſammenſtel-
lungen endlic) nur Zuſtände regiſtrieren, aber auf
dem Gebiete der Erziehungsziele u. =J.e nicht mit=
beſtimmend ſein kann.
Ideale der Kinder.

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Literatur. O. Willmann, Didaktik (*1909)
8 38; C. Krieg, Lehrb. der Pädag. (31905) 8 115;
K. Duemer, Die ſittl. J.e der Jugend (1909) ; J.
Gotthardt, Alte u. moderne Bildung3-J.e (2 Bde,
1913). [N. Hornid.]
Jodcale der Kinder. I. Exakte Aufnahmen
über die ZJ. d. K. wurden im leßten Jahr-
zehnt von Friedrich, Stern, Meumann, Goddard,
Lobſien u. a. mehrfach vorgenommen, Wir haben
in der „Arbeit3gemeinſchaft für experimentell-päd=
agogiſche Forſchung der katholiſchen pädagogiſchen
Vereine Münchens“ im Winter 1911/12 ebenfalls
Aufnahmen dieſer Art gemacht u. ſie 1912 durd)
eine Umfrage bei Erwachſenen ergänzt. Das Ma=
terial, das hier verarbeitet iſt, ſeht ſich zuſammen
aus 26 Volksſchulklaſſen (Knaben u. Mädchen),
aus 3 Töchterſchulklaſſen u. 5 Klaſſen einer Semi-
narübung3ſchule mit im ganzen 1441 Kindern.
Da3 Material von 8 Klaſſen mit rund 450 Kin-
dern bleibt ohne Berückſichtigung, weil die Er-
gebniſſe zweiſelhaſter Natur waren. Die Inſtruk-
tion für die Aufnahme war den Klaſſenlehrkräften,
welche die Aufnahme vollzogen, in mündlichen
Ausführungen eingehend klargemacht u. außerdem
ſchriftlich übergeben worden. Sie hatte eigens be=
tont, daß jede Hilfe zu vermeiden wäre, daß kein
Beiſpiel gegeben würde, daß für die Niederſchrift
die Form einer gewöhnlichen Probearbeit gewählt
werde u. de3halb auch im Nahmen des gewöhn=
lichen Unterricht3 zu erfolgen habe. Die Fragen
lauteten : 1. Welcher Perſon, die du kennſt, od.
von der du gehört od. geleſen haſt, möchteſt du
ähnlich ſein? Warum? --- 2, Wa3 für einen
Unterrichtögegenſtand haſt du am liebſten ? War=
um? -- 3. Was für einen Unterricht8gegenſtand
magſt du gar nicht? Warum? -- 4. Wa willſt
du einmal werden, u, warum gerade da8? ---
5. Was für eine bedeutende Tat möchteſt du ein=
mal vollbringen? Warum?
Da53 Ergebni3 hinſichtlich der erſten Frage war,
nach Knaben u. Mädchen geſondert, folgendes:





> Knaben | Mädchen
Ideal in 9/5 in /5
Wale, . - ui m u u 53 2.7
Mittler . uu 0,9 8,9
Brüidlt uus ir - 83,5 0,3
Schweſter. . 6.6 u, 1,8 2,9
Sonſtige Berwandte, Paten , . . . 9,7 9,0
Lehre (WW) eie oe is rs 14,2 5,7
Rate . ee .».»„.»» eer eo. -- 0,7
„Freund(im)“
EE tern) eee 0,9 | 11,9
Sonſtige Bekamte 5 . . . . . . . 15,0 6,6
Umgebung (Summe) 31,3 48,7
Lektiite ii is es 15,0 4,9
Heili . oui iui u 0,9 18,2
Engl ois rs es u u + -- 2,3
Perſonen de38 Alten Teſtaments -- 1,3
Perſonen des Neuen Teſtament8 . . -- 0,7
Gott (Chriſtus), Jeſuskind . = = . 6,2 9,3
Geſchide. . uu ui in + m 13,3 4,4
Künſtler (Dichter). . 1,8 1,7
Erfinder u. Entde>kex . = = 3,5 0,2
Andre Jdäale u u u m 6,2 1,9
Nicht beantwortet. . . . - . ., . 1,8 6,7
Da3 Ergebni3 hinſichtlich der Stellungnahme
zu den Unterrichtsöfächern (Frage 2 u. 3) ſoll im

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