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währten ſie eine Vorbereitung für den Eintritt in
die Techniſchen Hochſchulen u. in 3 Jahreskurſen
eine abſchließende Fachbildung für den unmittel-
baren Eintritt in die Praxi3. Die 4 bayriſchen
J.n waren reine Staatsanſtalten u. unterſtanden
dem Miniſterium des Jynern für Kirchen- u.
Schulangelegenheiten. Die nicht dur< Sculgeld
gede>ten Auſwendungen wurden etwa zu */,, vom
Staate getragen. Durch kgl. Verordnung v.
14. Juni 1907 ſind die J.n am 1. Sept. 1907
auſgehoben worden. Dafür wurden 9Mlaſſige Ober-
realſchulen als allgemeinbildende Unterricht8an-
ſtalten mit dem Ziele der Vorbereitung zum Hoh-
ſchulunterricht in der Weiſe errichtet, daß beſtehende
Realſchulen ohne Änderung ihres rechtlichen Cha=
rafter38 erweitert wurden.
Sachſen beſißt eine kgl. J. in Plauen i. V.;
ſie iſt 1890 aus der 1877 errichteten „Kunſtge»
werblichen Fachzeichenſchule“ hervorgegangen.
Seit 1903 heißt ſie „Kgl. Kunſtſchule ſür Textil-
induſtrie“ u. enthält 4 Abteilungen mit vollem
Tagesunterricht : 1. für Muſterzeichner mit einer
Web= u. Maſchinenſti>kabteilung (4/5 Jahre),
2. für Fabrikanten (1--2 Jahre), 3. für Zeichner-
lehrlinge (3 Jahre), 4. für Frauen u. Mädchen
zur Ausbildung in der Weißwarenkonfektion. Mit
der Anſtalt verbunden iſt ein Muſeum für Texztil-
induſtrie, eine Bibliothek mit Vorbilderſammlung,
eine Modell= u. eine Naturalienſammlung.
Die IJ. in Sonneberg in Sahſen=-Mei-
ningen (1883) iſt eine ſtädtiſche Anſtalt mit
ſtaatlicher Unterſtüßung. Sie will die heimiſche
Spielwaren-, Porzellan= u. Tonwareninduſtrie
fünſtleriſc) beeinfluſjen, Zeichner u, Modelleure
heranbilden u, angehenden Fabrikanten u. Haus-
induſtriellen Gelegenheit zur Schulung des Ges
ſhmad3 geben. Die Ansbildung dauert durc-
I richt. =- In Sachſen-Koburg-Gotha beſteht
eine JI. in Neuſtadt für die Spielwareninduſtrie.
Der Name J. wird auch vereinzelt gebraucht
für niedere techniſche Fac ſchulen, z. B. J. für Spielwarenarbeiter zu Ol-
bernhau i. S. (1885), Weißwaren=-J. in Auer-
bach i. V. (1902), Städtiſche JInduſtrie- u.
Gewerbeſchule Baußen (1898), Frauen=-Induſtrie-
u. Fortbildungs8ſ Auch die früher in Öſterrei auf Veranlaſſung
Kindermann38 den Volksöſchulen (Prag 1782)
angegliederten Arbeitsklaſſen wurden J.n genannt.
Sie waren ihrer Beſtimmung nad) teils Spinn=
jIchulen, teils Stri= u. Nähſhulen. 1787 beſtan=
den in Böhmen über 100 ſolcher J.n, 1797 be-
reit3 232 ; ſie ſind die Vorläuſer der öſterreichiſchen
allgemeinen Handwerkerſhulen (ſ. Gewerbliches
Unterrichtsweſen). [K. Uhrmann.]
Inſantilismus ſ. Idiotie, Abſchn. IV u.
Pubertätskrankheiten, Abſchn. 11, 1.
Infertionskrankheiten 1. Anſte>kende
Krantheiten.

Infantili8mus -- Influenza.

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Jufluenza, 1. Zhre Verbreitung, Die
J. od. Grippe iſt eine anſte>ende Krankheit, die
in den frühern Jahrhunderten dann u. wann in
aus8gedehnteſter Verbreitung im Umfange wahrer
Pandemien ſich zeigte, ſeit 1889 aber bi8 heute
beinahe jedes Jahr in größern od. kleinern Epi-
demien auftritt. Sie hat ſtet8 viele Nachkrank-
heiten ſchwerer Art zur Folge, ſo daß der Schnitter
Tod durc ſie oft eine reichliche u. frühzeitige Ernte
bekommt. Der Krantkheitöerreger iſt von Pfeiſ-
fer u. Canon als ein äußerſt kleines Stäbchen mit
abgerundeten Enden gefunden worden; auch hat
man die Erfahrung gemacht, daß die jonnen=
ärmſten Sommer immer große Epidemien im
Gefolge hatten, u. daß der Weg der J. meiſt von
Oſten nach Weſten ging, z. B. von Rußland nach
Deutſchland u. von da nach Frankreich. Auf den
Scneefeldern der Alpen ſollen ihre Erreger in
Maſſe geſunden worden ſein ; der Schnee zieht alſo
nicht nur gröblihen Schmuß u. Staub an ſich, wie
jede ſcheuernde Hausfrau weiß, ſondern auch die
kleinſten Lebeweſen, die Bakterien. Merkwürdiger=
weiſe tritt ſie auch auf dem Meere auf Schiffen
auf, die mit keinem Hafen in Berührung kamen.
Der Krankheitserreger muß ſehr flüchtiger Art
ſein, ſonſt könnte man die leichte Übertragbarkeit
der I. nicht erklären. Kein Leben3alter, mit Aus-=
nahme vielleicht de8 erſten Leben8jahre3, wird von
ihr verſchont.
1. Ihr Kranfheits8bild iſt folgendes: Die J.
pflegt plößlich meiſt mit ſtarken Kopf=, Glieder-
u. Kreuzſchmerzen zu beginnen, wobei das Gefühl
allgemeiner Schwäche u. Mattigkeit vorherrſchend
iſt. Dieſer Zuſtand kann 2--5 Tage währen.
E3 beſteht meiſt hohes Fieber, das ſich oft in
Schüttelfröſten ausdrü>t. Meiſt ſchließen ſich Er-
krankungen der Atmung3organe an, die mit der
Lungenentzündung, beſonder3 bei alten Leuten,
oft recht gefährlich werden. Der gewöhnlich gleich=
zeitige Lungenkatarrh wird ſehr quälend durch
Huſten, beſonder3 des Nac zäh u. glaſig. Gar nicht ſelten ſind Erkrankungen
der Ohren, in denen es zu Mittelohrkatarrhen u.
zu Eiterungen kommt ; auch die Augen entzünden
ſich häufig bei J. Die Hirnhaut- u. Herzentzün=
dung, auch Nierenleiden, ja ſogar Geiſtesſtörung
ſicht man in der Gefolgſchaft ſchwerer J. ſich ein=
ſtellen. In andern Fällen verläuft die Krankheit
in der Geſtalt von fieberhaſtem Magendarm=-
katarrh, ſo daß da38 Krankheitsbild dem des Ty-
phus ſehr ähnlich iſt, in andern ſtellt ſich auch ein
Hautausſhlag ein, ſo daß man an Maſern,
Scarlad) u. ä. denkt.
JI. Vorbeugung u. Behandlung. Wird
au der eigentliche J.anfall glü>lich überſtanden,
ſo vermindert er do kraft. Öſtere Anfälle können gewöhnlich die früher
frank geweſenen Organe zur gänzlichen Zerſtörung
bringen. Lange bleibt nach IJ. ein Shwächegefühl
zurük. Schwer, ja unmöglich dürfte e3 ſein, ſich
vor dieſer Krankheit zu ſhüßen. Da ihre Erreger

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