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Inſtruktionen. 1. Erklärungu. Geſchitht-
liches, J., neuerding3 Dienſtanweiſungen ge-
nannt, behandeln die Aufgaben, Pflichten u. Nechte
des Lehrerkollegiums, ſowohl ſoweit es in ſeiner
Geſamtheit als geſchloſſene Körperſchaft der Schule
gegenübertritt od. zu gemeinſamer Beratung u.
Entſchließung ſich verſammelt (Schulzucht, Shul-
ſeiern, Zeugniſie, Kouſerenzen uſw.), wie auch hin=
ſichtlich de38 dienſtlichen u. perſönlichen Verhält-
niſje3 der Mitglieder untereinander (Klaſſenlehrer,
Fachlehrer), in8beſondere de8 Verhältniſſe de8
Direktors zu den Lehrern. In leßterer Beziehung
kommt weſentlich in Betracht, ob das bureau-
kratiſche Syſtem, das die Führung der Geſchäfte
faſt ausſchließlich dem Leiter der Anſtalt zuweiſt,
od. das kollegialiſche überwiegt, bei dem die
gemeinſame Beratung de3 ganzen Kollegiums ent=
jheidet. Endlich beſtimmen die J. auch das Ver=
hältni8des Direktor3 zurvorgeſeßten Behörde (Pro-
vinzial-Schulkollegium, Kuratorium, Patronat).
JT. für dieſe Schulkuratorien u. ähnliche Lokalz
behörden ſowie Vokationsurkunden für Direktoren
u. Lehrer vgl. bei Wieſe, Verordnungen u. Geſeße
I 320/342.
I. im jetzigen Sinne finden ſich erſt etwa ſeit
der Mitte de38 19. Jahrh. Beſonders in den zahl=
lofen Lehrerverſammlungen u. Petitionen des
Jahres 1848 wurde eine genauere Feſtſezung der
Stellung u. Beſugniſſe der Direktoren u. Lehrer
verlangt. Voran ging Öſterreich mit ſeinem
Organijationsentwurf von 1849, der im Gegen=
ſaße zu den preußiſchen J. dem einzelnen Ober=
lehrer wie der Lehrerkonferenz gegenüber dem Di
rektor ziemlich weitgehende Rechte einräumt u. an
den ſich ſpäter ergänzend Normalien (Wien 1884
bis 1889) u. J. (ebd. 1884) u. 1896 Weiſungen
für die Führung des Schulamtes anſchloſſen ; troß
ſeine3 Alters iſt dieſer noch jekt in faſt allen Para»
graphen in Kraft. E3 ſolgte Preußen, deſſen
Dienſt-J. für die einzelnen Provinzen auf mini=
ſterielle Anordnung von 1862 vonden verſchiedenen
Provinzial-Sculfollegien in den Jahren 1867
u. 1868 veröffentlicht wurden. Vorangegangen
war nur die Provinz Weſtfalen, die ſchon ſeit
1856 bzw. 1863 J. beſaß. Die ZJ. für Hannover
u. Heſſen-Naſſau erſchienen erſt 1873, für Schle8-
wig-Holſtein 1885 (vgl. A. Matſchoß, Die preuß.
Provinzial-J. [1909]). 1867 erhielt auch Würt-
temberg ſeine „Dienſtvorſchrift für Vorſtände u.
Lehrerkollegien“, wobei zu berückſichtigen iſt, daß
die no 1---6 Klaſſen in den kleinern Städten bi3 1876
dem ſog. Scholarc der Auſſicht der Ort8geiſtlichkeit , unterſtanden,
ſeitdem aber den ſog. Lokal=Schulkommiſſionen
od. Studienkommiſſionen unterſtellt ſind. Die
Dienſt=-J. für Sachſen wurden 1876, die von
Anhalt-Deſſau 1889, die von Bayern 1891 ge-
geben. Die 3 jüngſten J. ſind die von Olden-
burg (1900), Heſſen (1902) u. Baden (1904).
(Über dieſe Dienſt=-J. der einzelnen deutſchen

Znſtruktionen.

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Staaten vgl. H. Morſch, Da3 höhere Lehramt
[1905] 65--111.) | |
H. Die neue prenßiſche Dienſtanweiſung.
Schon lange hatte es ſich al8 unhaltbar heraus-
geſtellt, daß für die einzelnen preußiſchen Pro
vinzen verſchiedene, zum Teil ſehr abweichende I.
beſlunden, die zudem kaum nod) als zu Recht be-
ſtehend gelten konnten (vgl. A. Mann, Die
Kompetenzen der Lehrerkollegien der höhern Unter-
richtöanſtalten in Preußen [1874]; H. Höfer,
Bemerkungen zu den Dienſtanweiſungen für die
Direktoren, im Korreſpondenzblatt 1909, 260
bi3 262 274f). Seit 1890 hatte aud die preu-
kiſche Delegiertenkonſerenz den Erlaß einer für
alle Provinzen gültigen Dienſtinſtruktion gefor-
dert. Der erſte Entwurf rührt von Geheimrat
Reinhardt, die endgültige Faſſung, in der teil-
weiſe auch die aus Oberlehrerkreiſen u. ſeitens
der Delegiertenkonferenz geäußerten Wünſche be=
rüdſichtigt wurden, von Geheimrat Klatt. Unter
dem 12, Dez. 1910 wurde die neue Dienſt-
anweiſung vom Miniſter genehmigt (veröffentlicht
im Zentralblatt 1910, Dez.=Hft; Separatdru>k
bei Cotta, Berlin 1910; Auszug im Korreſpon=
denzblatt 1910, 661-664).
Nach der neuen Dienſtanweiſung iſt der Di-
rektor primus inter pares, indem er als erſter
Lehrer der Anſtalt ſich an dem Unterrichte betei=
ligt u. vorſihende3 Mitglied de3 Lehrerkollegiums
iſt, zugleich aber nächſter Vorgeſeßter jede3 Lehrer8
der Anſtalt (S, 18). Er hat die Leitung u. die
Verantwortung. Viel getadelt iſt, daß ihm das
Diſziplinarrecht über die Oberlehrer in weniger
ſchweren Fällen zugewieſen iſt (ſ. Direktor). Sehr
ausgedehnt ſind auch die Befugniſſe u. Pflichten
des Klaſſenleiter3 od. Ordinarius (ſ. d.) Die
Auſgaben u. Rechte der einzelnen Konſerenzen
(Geſamt=, Klaſſen=, Fachkonferenz) ſind genau
abgegrenzt (S. 12-14). Der Geſamtkonſerenz
iſt das ihr 1901 genommene Necht der Entſchei-
dung über die Verſezung eines Schülers zurück=
gegeben.
Am 10. März 1912 folgte die Dienſtanwei-
ſung für die höhern Mädchenſchulen (Zentralblatt
1912, 360--382), die nicht weſentlich von der für
die höhern Knabenſchulen abweicht (die Unterſchiede
find zuſammengeſtellt von G. Thiele : Deutſches
Philol.=Bl. 1912, 269-271). Die Hoffnung,
daß die an der lehtern gemadten Ausſtellungen in
ihr geändert werden würden, hat ſich nicht erfüllt.
Das den Oberlehrern eingeräumte Recht, ſelbſt die
Abhaltung einer Konferenz beantragen zu können,
iſt vielmehr in ihr faſt hinfällig geworden. Ob
die andern deutſchen Staaten wie bei der Gleich»
ſtellung der 3 höhern Schulgattungen, der Neu=
ordnung der Reifeprüfungen uſw. nad) dem Bei=
ſpiele von Oldenburg (unter dem 81. Aug. 1912)
aus dem Erlaſſe der neuen preußiſchen Dienſt=
anweiſung Anlaß nehmen werden, ihre J. ent=
ſprechend zu ändern, bleibt abzuwarten. Für
Bayern hält Direktor Dr Schöner (Bl. für da3

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