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des Lehrers, gegenüber. Erkennt dieſer, daß er
einen ZJ. gelehrt hat, jo muß er ihn rüdhalilo8
u. rühig e npeiepen; n Verheimlichen, Entſchul»
digen, Vertujchen verrät Unwahrhaſtigkeit des
Charakters 1, ſchädigt den Lehrer in den Augen
ſeiner Schſiler, nicht aber das männliche Cin-
geſtändni8 des IJ. Kommt ein ſolcher dem Unter»
ri Wahrheit des Unterrichts. Bei wiederho1 ein»
tretendem IJ. iſt dem Lehrer der Vorwurf nach»
läſſiger Vorbereitung, mangelnder Einſicht in das
betreffende Wiſſen8gebiet, wenig geſchulter Urteils»
kraft, der Unauſmertſamkeit beim Unterrichten nicht
zu erſparen. Gewiſſenskonſlikte entſtehen, wenn
der Lehrer das, was er für J. hält, dem Lehr-
plane gemäß lehren ſoll ; gewiſſenlos handelt er,
wenn er ſich gleichgültig gegenüber dem mora»
liſchen, religidien u. ſozialen IJ. in der Geſchichte
vy. in unſrer Zeit verhält, Der moraliſche Z.
manches hervorragenden Menſchen darf nicht ver»
ſchwiegen, doch auch nicht zu rücſicht8lo8 bekrittelt
werden, Den religiöſen J. ſollen die Kinder exr-
tragen lernen, doch gegen ihn gerüſtet ſein. Den
großen ſozialen J. unſrer Tage, die ſozialiſtiſchen
U. fommuniſtiſchen Ideen, bekämpſt die Schule,
indem ſie „durch Pflege der Gottesfurcht u, der
Liebe zum Vaterlande die Grundlage für eine ge-
ſunde Auſſaſſung der ſtaatlichen u. geſellſchaft»
lichen Verhältniſſe legt... u. zur Förderung der
Erlenntais deſſen, wa8 wahr, was wirklich u. was
in der Welt möglich iſt, erhöhte Anſtrengungen
macht" (Kaiſerl. Kabinetts8order v. 1. Mai 1889),
2. 3. u. Schüler. Verſprechen, Verleſen, Ver-
ſchreiben ſind SIE) pſyc nungen, die inſolge Überreizung, Zerſtreutheit,
Mangel an häuslichem Fleiße eintreten u. darin
beſtehen, daß der Schüler entweder einzelne Buch»
ſtaben od. Laute ausläßt, neue einſchiebt od. die
vorhandenen würſelt (Buder ſtatt Bruder, Fiſch-
ler ſtatt Fiſcher, Krapfen ſtatt Karpfen). Solch
ein ſehlerhaftes Leſen , Sprechen od. Schreiben
tritt ein, wenn für beſtimmte Laute aus der Mund»
art zu erklärende ſalſche eingeſeßt werden (Jans
ſtatt Gans, Miße ſtatt Mühe, heite ſtatt heute,
Remer ſtatt Nömer uſw.), wenn unrein u. nach»
läſſig au3geſprochen (Bealina ſtatt Berliner), falſch
betont wird (in der Proſa betont das Kind gern
da3 lebte Wort, in Gedichten da3 Neimwort),
wenn Leſen u. Sprechen gegen die Negeln der
Stiliſtik u, Grammatik, Schreiben gegen dieſe
u. die der Drthographie u. Interpunktion ver-
ſtoßen. Dieſen vielgeſtaltig auftretenden ZJ. zu
bekämpfen, erfordert lehrmethodiſches Geſchi u.
didaktiſche Konſequenz,
Dem jittlichen J. ſeiner Schüler kann der Lehrer
zunächſt mit Nachſicht begegnen, da dem Kinde die
Trennung von Trug 11, Wirklichkeit bei den dem
Bewußtjein ſich auſdrängenden Vorſtellungen u.
die den Bewußtſeinsinhalt beherrſchenden Gefühle
u. Strebungen ſchwerſällt. Doch ſorge er mit
allem Ernſte dafür, daß dieſer J. ſich nicht ſeſt-
Iſelin,

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jeht u. Ichließlich al8 Verlrrung das Fühlen u.
Denken des Kindes beherrſcht,
Literatur. M, Jahn, Pſychol. al8 Grund»
wiſſenſch. d. Pädag. (*1904) ; 9. Habrich, Pädag.
Pſychol, III (1918); S, Strümpell u, A. Spißner,
Die pädag. Pathol, (*1910), [W. Gutſchky.)]
Jſelin, Iſaak. 3. wurde am 7, März 1728 in
Bajel geboren, Von einer hervorragenden Mutter
zu einem willenöſtarken, herangebildet u. zu edler Menſchenliebe entflammt,
ſtudierte er 1747 in Göttingen die Nechte u.
empfing dort von Gesner (ſ. d.), dem er perſönlich
nabetrat, bleibende Eindrüde, die ſich nachmals
in ſeiner Begeiſterung für die Neſorm des ſchwei-
eriſchen Schulweſens geltend machten (vgl, u. a.
ſein Schrift „Unvorgreifliche Gedanken über
ie Verbeſſerung der Baſelſchen hohen Schule“
[1757)). An der Gewinnung einer akademiſchen
Lauſbahn zweimal durch das Los, das damals in
Baſel die höhern Stellen vermittelte, gehindert,
erlangie er 1756 auf dem gleichen Wege die
Stellung eines Ratſchreibers, die er bis zu ſeinem
am 20. Juli 1782 erfolgten Tode bekleidete ; auch
war ex ſpäter Mitglied de8 Großen Nates ſeiner
Vaterſtadt. Daneben war er unentwegt wiſſen=
(patti tätig: 1758 ſiudierte er Loke, 1760 als
Mitglied einer Kommiſſion zur Verbeſſerung des
Schulweſen8 Baſedows8 „Praktiſche Philoſophie“,
die Braunſchweig » Lüneburgiſche Schulordnung,
GeBöner3 kleine Schriften u. a. Gleichzeitig ver-
faßte er die Schrift „Über die Gelehrſamkeit“
(1760), in der Ge8ners Geiſt ſich geltend machte,
ebenſo wie in der Abhandlung „Über die Er=
ziehung" (1768). Dagegen zeigt ſich Baſedows8
Einfluß , deſſen „Vorſtellungen an Menſchen-
ſreunde uſw.“ er bei ihrem Erſcheinen (1768) als
„eine der koſtbarſten Urkunden in den Archiven
der Menſchlichkeit" bezeichnet hatte, in dem Nuſ-
ope „Über die Erziehungsanſtalten“. Über ſeine
eiſrigen Bemühungen, Baſedows8 Pädagogik in der
Schweiz zu verbreiten, berichten Kehr3 „Pädagog.
Blätter“ XIV (ſ. u. Lit.). Beſondere Unterſtüßung
ließ er dem Philanthropin in Deſſau zuteil werden,
doh lehnte er eine Berufung dorihin als „Mit=
edukator“ zu Baſedows8 Kummer ab. Der von J.
zur Bekämpfung des einem interkantonalen großen
Erziehungbinſtitute im Wege ſtehenden engen
Sondergeiſtes der Kantone 1761 gegründeten
„Helvetiſchen Geſellſchaft“ gehörte ſeit 1774 aud)
Peſtalozzi an. Was dieſer, wie ſo mancher andre
Auſſirebende, dem Menſchenſreunde J. zu danken
hatte, ſpricht er ſelber in den Worten aus: „In
meiner Tieſe wäre ich erlegen, hätte mich nicht J.
auſgerichtet. J. machte mich fühlen, daß ich do)
etwas getan habe, au< in der Armenanſtalt.“
Wie Peſtalozzi in J.3 „Ephemeriden der Menſc heit od. Bibliothek der Sittenlehre u. der Politik“
(7 Bde, 1776/82) ein Sprachrohr für ſeine Ideen
ſand -- es erſchienen dort 1777 die drei „Brieſe
über die Erziehung der armen Landjugend“, 1780
die „Abendſtunde eines Einſiedler3" ---, ſo ver»

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