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ſchaffte J. dem jüngern Freunde 1781 in Deer
einen Verleger für „Lienhard u. Gertrud" u, hielt
zu Reſtalozzi troß der Verſchiedenheit an Geiſt u.
Begabung auch „in den kritiſchen Tagen, da ſelbſt
deſſen Weibe ſein Tun als Unſinn u. raſende Tor-
heit erſchien“ (Heubaum).
Hinter dieſer ſeiner Tätigkeit al8 Anreger 11.
Förderer in philanthropiniſnſchem u. aufkläreri-
jchem Sinne, die in der von ihm 1777 in Baſel
gegründeten u. dort noh heute beſtehenden „Ges
ſellſchaft des Guten u. Gemeinnüßigen“ ihren
Mittelpunkt ſand, tritt ſeine eigentliche Schrift-
ſtellerei zurück. C3 ſeien außer den bereit8 auf=
gezählten Schriſten noch genannt: ſeine beiden
Hauptwerke, die „Geſchichte der Menſchheit“
(2 Bde, 1764) u. die „Träume eine8 Menſchen-
ſreundes“ (2 Tle, 1776) ſowie die „Sammlung
dem Nußen u. dem Vergnügen der Jugend ge=
heiligt" (1768, 21773), die das erſte weltliche
Leſebuch in deutſcher Sprache darſtellt, u. die
Schriſt „Verſuch eine8 Bürgers über die Ver=
beſſerung der öffentlichen Erziehung in einer repu=
blikaniſchen Handelsſtadt“ (1781), die ganz in
Nouſſeauns Sinne eine Sculreſorm vorſchlägt,
nad) welcher der Schulunterricht erſt im 8, Leben3=
jahre beginnen u. außer der Mutterſprache haupt=
ſächlich Naturkunde, Moral, Neligion u. Geo=
graphie umfaſſen ſoll. -- Seine „Pädagogiſchen
Schriſten nebſt ſeinem pädagogiſchen Brieſwechſel
mit J. C. Lavater u. J. G. Schloſſer“ wurden
hräg. von H. Göring, mit einer Einleitung von
(Edm. Meyer (18832; in der von Fr. Mann hr3g.
Bibliothek der pädag, Klaſſiker).
Literatur. Hirzel, J.8 Denkmal (Zürich
1782); A. v. Miaskowski, J. I. , ein Beitr. 3.
(Seſch. d. volk8wirtſchaft1l., ſoz. u. polit. Beſtreb. d.
Schweiz i. 18. Jahrh. (1875) ; O. Hunziker, Geſch.
d. ſchweiz. Volksſ I.3 Verdienſte um die Verbreit. d. Baſedowſchen
Pädag. 1. d. Schweiz (in Kehr8 Pädag. Blättern
XIV [1885] 201/222 u. 297/314); C. Wieland,
Dem Andenken J.8 zur Feier dex Enthüllung ſeines
Denkmals am 18. Sept. 1891 (1891); P. Zinc,
JI. als Pädag. (1900); A. Heubaum, J. H. Peſtas-
lozzi (1910). [C. M. Roloff.]
Jſokrates, Der berühmte Nedekünſtler u.
Lehrer der Beredſamkeit J. (436--338 v. Chr.)
war ein Schüler der Sophiſten Tiſia8, Gorgias
u. Prodiko3 einerſeit3 u. des Sokrate3 anderſeits,
1. e3 lernte Nedekunſt mit dem ſittlichen Streben, das
ihm Sofrate3 eingepflanzt, zu verbinden wußte,
Er ſteht gegen ſeinen großen Zeitgenoſſen Demo=
ſihene3 an politiſchem Scarſbli> u. logiſcher
Schlagkraſt zurück, aber er war Schöpfer eines
redneriſchen Stil3, der zwiſchen dem hohen Stile
eine3 Perikles u. dem ſtrengſachlichen des Lyſias
die Mitte hält u. ſich dur< Geſchmac> u. Sprach»
reinheit auszeichnet, wodur< er von dem beſten
Einſluſſe auf den Proſaſtil der folgenden Zeit
war, J. zählte ſowohl Dichter, wie Theodekte3s, als
Hiſtoriker, wie Cphoro38 u. Theopompo3, zu ſeinen
Tſokrates.

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Schülern. In ſeiner Auffaſſung de8 Bildungs8-
wertes der Nede bleibt er zwar hinter Platon, der
ſie al8 eine Seelenleitung (Lvyaywyla) faßte,
u. hinter Ariſtotele3, dem die Rhetorik als eine
auf da3 öffentliche Leben angewandte Dialektik
galt, weit zurück, aber gerade da3 beſcheidenere
Zicl müchte das Studium der Rhetorik zugäng
licher, u. I. hat einen Anteil an ihrer Geſtaltung
zu einem allgemeinen, enzykliſchen Bildungsmittel,
wozu ſie in der alexandriniſchen u. römiſchen Zeit
wurde, welchen Nang ſie im Syſtem der 7 ſreien
Künſte bewahrte,
Seine Stellung zu andern Auffaſſungen der
Redekunſt markiert er in der Abhandlung „Gegen
die Sophiſten“, von der aber nur der Anfang er=
halten iſt (13, S. 291---295, Steph.). Er wendet
ſich gegen die Eriſtiker (von 2pis = Streitz vgl. Eris-
apfel), welche die Jünglinge in Streitreden üben,
aber deren Geſinnung verderben ; jedoch ſpricht er
auc gegen Lehrer der politiſchen Beredſamkeit,
welche dieſe wie die Grammatik tradieren wollen ;
in dieſer liegt alle3 feſt, u. wir vervollkommnen
uns in ihr durch Übung; bei der Redekunſt kommt
es aber auf vielfältige Erfahrung u. auf da3 Urteil
über da8 Angemeſſene u. Würdige an. Hier iſt
die re Übung auszubilden, der Unterricht (nals8evas) hat
das Technij hat mit den Arten der Nede bekannt zu machen,
Vorbilder aufzuſtellen u. die Anwendung auf das
Beſondere zu leiten, wobei Belehrung bei Sach»
kundigen zu holen iſt. Man wird durc dieſe
Weijung an die Ariſtoteliſche Tria3: Natur, Übung,
Lehre, erinnert (f. Ariſtoteles).
Auf Sachkenntnis dringt J. wiederholt, u.
man kann einen Erfolg von ihm in dieſer Rich=
tung darin ſehen, daß er auch zum Geſchicht=
ſtudium angeregt hat. Ephoros, der langſam faßte,
mußte den Kur3 bei J. zweimal dur bei dieſer e3 nicht an Mühe fehlen ließ ; der Jüng=
ling nahm aber dafür die Anregung zu ſeinem
Geſchichtöwerke, worin er die pragmatiſche Hiſtorie
(fortgebildet durc< Polybio38) begründete, aus der
Anſtalt mit (Leben der 10 Redner 4: Plut., Mor.
S. 8323). Gerühmt wird 3." Geſchi> im Jndivi=
dualiſieren de3 Unterrichts (Quintilian 2, 8, 11).
Abgeneigt war er der Anwendung der Redez
kunſt zu geſelligen Zweeken. In der Rede „Vom
Tauſche“ (Do permutations) entwickelt J. ſeine
Auſſaſſung von der Bildung (88 180---269):
dem Leibe ſoll die Körperpflege, von der die
Gymnaſtik ein Teil iſt, dienen, der Seele die
Philoſophie. Dieſe foll kundig machen, den Geiſt
ſchärfen, an Arbeit gewöhnen, das Gelernte zur
Einheit zufammenführen, ſo daß e8 um fo feſter
behalten u. angewandt werden könne. Auch hier
wird da3 Zuſammenwirken von Anlage, Lehre u.
Übung betont (8 187). Für Lehrer u. Schüler
ſoll die Anſtalt „die Ningſchule der Erfahrung“
jein. Aber die reiſſte Frucht de3 Lernen3 u. Fin=
den8, de3 Behalten8 u, Arbeiten3 iſt die Kunſt,
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