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I. A. G. Hoffmann, J.8 Univerſalunterxr. Nach
deſſen Schr. u. na (1835) ; E. Lewis, Darſtell. d. J.ſchen Meth. u. d.
Neſultate ihrer Einſühr. i. d. Niederlanden, Frank=
reich, Öſterreich (1848); H. Göring, 3.8 Meth. d.
Univerjalunterr. (1883), Vgl, auch die Lit, unter
dem Art. Hamilton, [A. Wihrler.]
Jäger, O3kar. I. Leben u. Schriften.
3. Wurde am 26. Okt. 1830 in Stuttgart
geboren ; ſein Vater war der Obermedizinalrat
Georg Friedr. J., ſeine Mutter eine Schweſter
de3 Dichter8 Guſtav Schwab. Nad) Abſolvierung
des Gymnaſiums ſeiner Vaterſtadt u. des prote-
ſtantiſch-theologiſchen Seminar38 in Schöntal ſtu-
dierte er in Tübingen Theologie u. Philologie u.
war 1853/55 Lehrer an einer Privatſchule in
Freyimſelde bei Halle a. S., wo er 1854 die
Schrift „John Wycliſſe u. ſeine Bedeutung für
die Neformation" verfaßte. Nachdem er fodann
eine Studienreiſe dur< Norddeutſchland, England
u. Frankreich gemacht hatte, war er Hilfslehrer
am Gymnaſium in Stuttgart u. in Ulm. 1859
trat er in den preußiſchen Staatsdienſt als Gym-
naſiallchrer in Weßlar ein, wo er ſein erſtes
größeres Werk, die „Geſchichte der Römer“ (1861,
101913), veröſſentlichte. 1862 wurde er Rektor
de3 Progymnaſium8 zu Mör3 u. fand 1865 in
Köln als Direktor des Kgl. Friedrich-Wilhelm-
Gymnaſium3 den Sc jamkeit. Hier entſtanden die meiſten ſeiner Werke :
„Geſchichte der Griechen“ (1866, 81910); „Die
puniſchen Kriege, nah den Quellen erzählt“ (3 Bde,
1870); die Neubearbeitung (mit Theod. Creize-
nach) von „Sc die 3 lehten Bde als „Geſchichte der neueſten Zeit
vom Wiener Kongreſſe bi8 zur Gegenwart“ (1874,
261901, 4 Bde) eine Originalarbeit J.8 bilden;
„Aus der Praxis. Cin pädagogiſches Teſtament“
(2 Tle, 1883, 21885/97); „Weltgeſchichte“
(4 Bde, 1887/89, 81903); „Auswahl wichtiger
Aktenſtücke zur Geſchichte de3 19. Jahrh." (1893;
mit Moldenhauer) ; Pro domo (1894; Reden u.
Aufſäße) ; „Didaktik u. Methodik des Geſchi unterricht3“" (1895, 21905); „Lehrlunſt u. Lehr=
handwerk“ (1897). Dazu gab er nach W. Herbſts
Tode deſſen weitverbreitete Hilſ8bücher für den
Geſchichtäunterricht in neuen Auflagen heraus. --
Die pädagogiſche Bedeutung J.8 wurde anerkannt
dur) ſeine Beruſung in die Schulkonſerenzen v.
1873, 1890 u. 1900 u. durc) den Titel eines
Geheimen Regierungsrats3. 1901 ſiedelte er als
o. Honorarprofeſſor der Pädagogik an die Uni=
verſität Bonn über. Hier entſtanden ſeine leßten
Werke: „Geſchichte des 19. Jahrh.“ (1904);
„Homer u. Horaz im Gymnaſialunterrichte"“
(1905); „Erlebtes u. Erſtrebtes“ (1907; Neden
un. Anſſäße); „Deutſche Geſchichte“ (2 Bde,
1909 f). J. ſtarb am 2. März 1910 in Bonn.
I. Charafteriſtifk. J. war als Pädagog
Vertreter einer ſirenghumaniſtiſchen Nichtung u.
machte dieſe ſowohl al3 Mitarbeiter u. Mitredak=

Jüger.

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feur der 1890 gegründeten Zeitſchriſt „Das hu=-
maniſtiſc auch al3 Mitglied der erwähnten 3 Schulkon-
ferenzen nachdrüclichſt geltend. Dod) war er durch=
aus kein „Stok>philolog“, ſondern voll Verſtänd-
ni8 für die Forderungen der Realſchule. Unter
ſeiner Führung wurde der freie Wettbewerb der
3 Vollanſtalten die Loſung des Gymnaſialvereins
(P. Cauer). Als Politiker wurde er zu den an=
geſehenſten Führern der nationalliberalen Partei
der Rheinprovinz gezählt. Theoretiſch verurteilte
er für den Geſchichtsunterricht „jede Art von PBo-
lemik gegen die mittelalterlichen Vorſtellungen, die
bekanntlich nod) ſehr lebendig ſind“, aber haupt-
ſächlich nur de8halb, weil „ſie der richtigen Er-
kenntnis eher den Weg verſperren würde“ (Did.
u. Meth. d. Geſch. 78), den er durc ſeinen Unter-
richt zu „eröffnen“ glaubte. Tatſächlich hinderte
ihn fein einſeitig fonſeſſioneller u. politiſcher
Standpunkt an vorurteil8loſer Auffaſſung u. Dar-
ſtellung des ſeinen Anſchauungen Fremden u. Ent=
gegengeſeßten. „Wer J. kennt“ , ſo urteilt ſein
Freund G. Uhlig (Das humaniſt. Gymn. 1910,
58) über ihn a!38 Geſchichtſchreiber, „wird nicht er=
warten, daß ſein politiſcher Standpunkt in ſeinem
lezten Geſchicht8werke [d. i. „Deutſche Geſchichte]
nicht zum Ausdrucke kommt.“ Leider beſaß IJ. in
ſeiner Geſchichtſchreibung auch nicht die unerläß=
liche religiöſe Unbeſangenheit u. hielt ſich, obwohl
im Verkehre ſo takivoll, fein u. wohlwollend, nicht
frei von ſcharfen Ausfällen gegen die katholiſche
Kir ſchriebenen Geſchichts8werfe, die in nationaler Hin-
ſicht größern Segen ſftiſten könnten, wenn nicht
dieſer verleßende Ton aus ihnen klänge. Deutſch-
land iſt ihm „der proteſtantiſche Staat“, dem mit
der Annahme der NReſormation „der Trieb des
Fortſchritt3 unzerſtörbar eingepflanzt“ iſt; ſeine
beſondere Auſgabe iſt die Verkörperung de3 libe=
ralen Gedanken3 als eine38 das Leben der Völker
dur glaubt er an eine weltgeſ mung, die dem deutſchen Volke von der Vorſehung
vorbehalten ſei. Vorbedingung dazu ſcheint ihm
zu ſein, Deutſchland „die einheitliche ſtaatliche
Form u. Faſſung“ zu verſchaffen. --- Al8 be=
geiſterter u. begeiſternder Lehrer, dem der Verkehr
mit ſtrebſamer Jugend den Schuldienſt zum glück-
lichſten aller Berufe machte, dachie er bei allen
ſeinen Büchern in erſter Linie an Jünglinge, be:
ſonder3 an ſeine Schüler, denen er die von der
großen Hiſtorikern gegebenen Anregungen frucht:
bar machen wollte ; erſt in zweiter Linie ſollte
ſeine Werke auch Volksbücer fein.
Wie er ſeine Hörer dur< ſeine Perſönlichkei
u. dur ſeine alle3 Phraſenhafte vermeidende
überzeugende, humorvolle Nedeweiſe hinreiße
konnte, ſo ſicherte er ſich aud durch die reifen Go
ben ſeiner pädagogijhen Erfahrung u. durch d'
ehrliche Ausſprache alle3 deſſen, wa3 ihm a'
Schulmann auf dem Herzen lag, die Dankbarke

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