1023 Johanne3 Chryſoſtomus --- Jüdiſches Schul» u, Erziehungsweſen,
genuggelan werden; aber was der göttlichen Ge-
rechtigkeit genügt hätte, das genügte nicht der gött-
lichen Liebe u, Erziehungswei8heit, welche die
höchſten Opfer bringen wollten, um uns mit ſtar-
ken Banden von der Sünde weg u. in dankbarer
Gegenliebe an ſich zu ziehen. Auch von der Er-
ziehung gilt das Wort des Völkerapoſtel3 : „Einen
andern Grund kann niemand legen, als den, der
gelegt iſt, welcher iſt C. I.“ (1 Kor 3, 11), Und
ein wahrer Erzieher kann nur der ſein, der ſich
in der Schule dieſe3 höchſten Meiſters der Lehr»
u. Erziehungslkunſt gebildet hat u. fortbildet.
Literatur. S. Naue 0. 1. M. C. als Lehrex
uy. Erzieher (21902; populär); J. H. Schi>ledanz,
Kurze Darſtell. d. Lehr- u. Erzieh.-Meth, Jeſu
(1865) ; M. Meſchlex 8. 3., Lehr» u. Redeweisheit
des Heilandes (Stimmen aus Maria-Laach XXXV1
[1889] 172/191); der]., Geſ. kl. Schr. 1: Zum Cha-
raklerbild Jeſu (*1909); Mehler, Lehrweiſe Chriſti
(Jahrb. d. Ver. |. S. 66/110 u. 4. Jahrg., S. 11/62).
I. Knecht.|
[F.
Johannes Shryfofte nd
|. Chry-
ſoſtomus.
Joſephus v. Hohenzollexnyn |. Hohen-
zollern, Joſeph Wilh. Friedr. v.
Jouvance), Joſeph, j. Jeſuiten, Abſchn. 11.
JÜüDiſches Schul: u. Erziehuyngs-
weſen. 1. Von ſeinen Anſängen bis zum
Zahre 70 1. Chr. Wie das geſamte Volksleben
hatte auch die Erziehung der Juden von Anfang
an eine religiöje Grundlage ; der Glaube an den
einen Gott, den Schöpfer u. Regierer der Welt,
den Begründer des Geſetzes, den König de3 Gotte8»
ſtaates, beherrſchte alles Denken u. Handeln, be»
einſlußte auch die Erziehung in ſegensreicher Weiſe.
Er gab ihr als Ziel die Gerechtigkeit, als Mittel
die getreue Erfüllung aller Gebote u. Sahungen
de3 Herrn, als Vorbild die Vollkommenheit
Gotte3, als Lohn das Wohlgeſallen u. die Ber»
heißungen Jahves. Dieſer Glaube heiligte das
Familienleben : die Che beruht auf göttlicher Ju»
ſtitution, die Monogamie gilt als die Regel, der
Vater als Stellvertreter Gottes iſt Haupt, Lehrer
u. Prieſter ſeiner Familie, die Mutter, wenn auch
dem Manne nicht völlig ebenbürtig, do< in viel
geachteterer 1. ehrenvollerer Stellung als bei den
heidniſchen Kulturvölkern (Spr 31, 10), die Kin-
der ſind ein Geſchenk des Himmel3, da3 Unter-
pfand der ſortdauernd ſich erfüllenden Bundes3»-
verheißungen. Ihre Erziehung zu treuen Dienern
Jahves war hauptſächlich Pflicht de3 Vater3, Er
übte die Erziehung durch Belehrung (Dt 6,
720; 11,19; Spr 6, 20--23; Dn 13, 3), G e-
wöhnung (Spr 22, 1) u. Zucht (Spr 13, 24;
23, 13; 29, 15 17 ; Sir 30, 1---13). Die Be-
lehrung umfaßte die Erzählung der großen Taten
Gottes in der Vorzeit, die Einprägung ſeiner
Gebote, die Erklärung der Bedeutung der Opfer
u. Zeremonien. An die Erfüllung der geſehlichen
Vorſchriften wurden die Kinder von Jugend auf
gewöhnt durch das Beiſpiel der Eltern u. die ſo

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ſeh wie möglich beginnende eigne Teilnahme an
ieſen, Die Zucht war ernſt u, ſtreng, es galt
„den Naden des Sohnes zu beugen, ſolang er
noc jung iſt“.
Mit der religiöſen Belehrung verband ſich leicht
der Unterricht des Geſehes u. der geſchichtlichen
Bücher des Alten Teſtaments ſowie der Pſalmen.
Die Leſekunſt muß im Volke weit verbreitet geweſen
jein, ſonſt hätten die Auſſchriſten an den Tür-
pfoſten, den Gebetsöriemen, der Stirnbinde u. auf
den Gewändern des Hohenprieſter8 keinen Zweck
gehabt. Das Schreiben wird al8 Gegenſtand des
häuslichen Unterricht3 in der Hl. Schrift nicht er-
wähnt, doch dürfte e8 in manchen, namentlich levi=
tiſchen Familien dazu gehört haben. Einzelheiten,
z- B. Kontrakte mit Unterſchrift von Zeugen, Aus-
ſtellung des Scheidebrieſ8 , Erwähnungen von
Schreibwerkzeugen (Taſel, Griſſel, Screibrohr,
Tintenfaß; vgl. JZ[8, 1; Jer 32, 14; 36, 18; Ez9,
2 3 11; Richt 8, 14) werden zum Beweiſe einer
ausgedehnten Schreibſfertigkeit angeführt. An der
religiöſen Unterweiſung nahmen die Mädchen woh!
teil, lejen 1. ſchreiben lernten ſie meiſt nicht, wohl
aber von der Mutter die häuslichen Arbeiten
(Kochen, Baen, Färben, Spinnen, Weben); auch
übten ſie ſich gleich den Knaben im Geſange 1. in
rhythmiſchen Bewegungen, die ſie bei feſtlichen
Aufzügen ausführten. --- Dem Vater ſtand e3 frei,
ſeine Kinder von andern Perſonen unterrichten zu
laſſen. Dazu wählte man beſonders gern Prieſter
u. Leviten, die ja ſelbſt zur Wahrnehmung der
Obliegenheiten ihre8 Amte3 mannigfaltiger Kennt=
niſſe bedurſten. -- Öffentliche Kinderſ es bis in die lehten Zeiten des jüdiſchen Staates
nicht, jo gern auch die Nabbinen deren Urſprung
in die entſernteſte Vergangenheit zurükdatieren u.
ſ dem Lehrhauſe von Sem u. Heber (Gn 11, 11 16)
erwerben laſſen. -- Auch die zur Zeit Samuels
entſtandenen Prophetenſchulen (1 Kg 10ff)
in Gilgal, Bethel u. Jericho waren keine eigent-
lichen Unterricht3- u. noch weniger Ausbildungs-
anſtalten künftiger Propheten, ſondern Pflanz-
ſtätten theokratiſchen Sinne3 u. Geiſtes, in denen
die Jünger durch gelegentliche Unterweiſung aud)
Kenntniſſe u. Fertigkeiten in Muſik, Geſang, Natur-
u. Arzneikunde erlangten, durch deren Verbreitung
unter dem Volke ſie deſſen Bildung ſörderten, ohne
ein Lehramt zu bekleiden, (Vgl. J. H. Kurh, Lehr-
buch der hl. Geſch. [191864] ; A. W. Knobel, Der
Prophetiämus der Hebräer [2 Bde, 1837].) Mit
dem Verſtummen der Prophetie in der nachexili-
ſchen Zeit hörten die Prophetenſchulen ganz auf.
-- Das ſeit dem lehten theokratiſch geſinnten König
Zoſias vernachläſſigte, in der Gefangenſchaft wie-
der auſgenommene Thoraſtudium wurde nach der
Wiederherſtellung des Gejegt3 durch Esdras eiſrig
betrieben. Jn den an allen größern Orten er-
richteten Synagogen ſand an den Sabbaten u.
Feſttagen die Vorleſung u. Erklärung der bibli-
ſchen Perikope ſtatt, die Synagogen waren ſo-

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