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Jugendlichen nicht verzichten zu wollen. Demnach
exiſtieren wenigſtens für die Jugendlichen über
18 Jahre politiſche JZ., die ſich die Schulung de3
Nachwuchſes der betreſſenden politiſchen Partei
nach deren Programm zur Aufgabe gemacht haben,
Die allermeiſten politiſchen Parz;cien de8 Deutſchen
Reiches haben J., die allerding8 bei dem Alter
ihrer Mitglieder mehr als Bildungs» denn als
Erziehungsövereine in Betracht kommen. Wirhaben
e3 hier ausſchließlich mit den J.n zu tun, die als
eine Form der Jugendpflege (ſ. d.) erſcheinen.
Nach den dort entwickelten Geſichtöpunkten haben
die J. die beiden Gruppen der Jugendlichen teils
in einem Vereine, teil3 in 2 Abteilungen des
einen Vereins, teil8 auch wieder in 2 getrennten
Vereinen geſammelt. Beim männlichen Geſchlechte
iſt ältere (über 17) u. jüngere (unter 17 Jahren)
Jugend ſtärker geſchieden als beim weiblichen Ge-
ſchlechte. Schon der Abſchluß der Lehrzeit u. der
eginn des Geſellenalter3 macht einen tiefen, in
der Pädagogik kaum zu übergehenden Unterſchied
zwiſchen J.n der Lehrlinge (ſ. Lehrlingsvereine) u.
Geſellen» od. Gehifenvereinen, Bei den Töchtern
de3 Hauſe3 tritt mit dem 17. Jahre keine ſolch
merkliche Änderung in der Pſychologie ein, die
anch eine Änderung der pädagogiſchen Leitung
notwendig machte. Dieſe erhält ihr Gepräge nicht
bloß durc die Verſchiedenheit de3 Alter3, ſondern
durch die de3 Ortes (Stadt od. Dorf); lehtere
iſt jedoch bei der großen Ab» u. Zuwanderung
weniger materiell als vielmehr nur formell zu be»
rücdjichtigen. Am meiſten unterſcheiden ſich die J.
nach den Zwecken, denen ſie dienen. Als gemein»
ſjame3 Merkmal aller J. läßt ſich nur die Samme-
lung der Jugendlichen „zwiſchen Schulbank v.
Kaſerne, da u. dort bis zur Verheiratung“ er-
kennen. Meiſt treffen ſich die Mitglieder an einem
beſtimmten Orte, bezahlen Beiträge, erhalten eine
Vereinszeitſchriſt, haben ihre eigne Vorſtandſchaft
u. verſolgen gemeinſam wie im einzelnen die prak»
tiſche Durchführung des von ihnen aufgeſtellten
Vereinözweckes. Oſt haben die I. außerordent=-
liche Mitglieder, ältere Herren u. Damen, die den
I.n nur ihr Wohlwollen durch finanzielle od.
durch mittätige Beihilſe ſchenken. Ordentliche Mit-
glieder ſind faſt durchweg die Jugendlichen, die
dann auh ihre eigne Vorſtandſchaft mit gewiſſen
beſchränkten Rechten beſihen. (E3 hat gerade für
die Jugendlichen in vielen Alter einen großen
Reiz, einen eignen Verein zu beſißen u. wenigſtens
in dieſem kleinen Kreiſe eine Rolle zu ſpielen,
u. der Pädagog kann Große3 wirken, wenn er
dieſem Verlangen der Jugendlichen durc) die rich»
tige Leitung auf ein gutes Ziel entgegenkommt.
Wo die Jugendlichen nur in Jugendabteilungen
der Bereine Erwachſener geſammelt ſind, ſcheidet
dieſes wirkungsvolle Moment der Selbſtbetätigung
au3 der pädagogiſchen Führung aus.
11. Zwexk u. Organiſation. Nach ihren haupt-
ſächlichſten Zwecken hat man die Z. zu ſcheiden in
ſolche, welche die Körperpflege, den Beruf,
Zugendvereine.

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die Religion als Hauptpunkt in ihrem Pro-
gramme haben. Zu der erſten Art der J. zählen
alle Turn-, Sport-, Spiel» u. Wandervereine.
Die deutſche Turnerſchaft zählt unter den 946 115
Mitgliedern 161 097 Mitglieder bis zu 18 Jah-
ren, außerdem 79 222 Kinder u. ſchäßungsweiſe
180000 von 18--21 Jahren. Die Jugend-
lichen bis zum 18. Lebensjahre ſind in den ſog.
Zöglingsabteilungen zuſammengefaßt, ohne zur
Teilnahme an der Verein8verwaltung berechtigt
zu ſein; ſtrenggenommen ſind ſie alſo keine Mit-
glieder. Die Jugendabteilungen de8 Arbeiter-
turnerbundes zählen 30 000 Jugendliche , dazu
7000 Mädchen, die mit der freien Jugendorgani-
ſation in enger Fühlung ſtehen. Unter den zahl»
loſen Sportvereinen iſt nennenswert : der Deutſche
Schwimmerbund mit 5900 jugendlichen Mit-
gliedern, der Deutſche Fußballbund, der 1910 in
1058 Vereinen 82 326 Mitglieder zählte. Von
Bedeutung ſind noc< die Wandervereine (vgl.
Wandervogel) für die Jugendlichen, ebenſo die
Wehrkraftvereine (ſ. Jugendwehren), Jungdeutſch»
landbund (ſ. d.), Pfadſindervereine (ſ. d.), auch
der gut organiſierte „Verein für Jugendſport in
Feld u. Wald“. Außer dieſen J.n vegetieren ſür
Körperpflege in vielen Städten u. Dörfern noch
Radſahrer-, Schühen-, Boxer-, Kricket», Ho>ey-,
Lawn»Tenni8-, Deutſchball=J., die oft weniger
der Jugendpflege als der Bereinömeierei dienen.
Meiſt haben ſie ſich den Namen Klub gewählt u.
dienen eher dem Gegenteil einer geſunden Jugend=
erziehung. Die Mitglieder bleiben unter ſich u.
ziehen nicht ſelten auch gleichaltrige Mädchen in
dieſe J. hinein.
Als zweite Gruppe der I. figurieren die B es
ruf8organiſationen, die, abgeſehen von den
ſozialiſtiſchen J.n, nur in den kaufmänniſchen Be-
ruſen rein durchgeführt ſind. Der „Deutſchnatio-
nale Handlungögehilfenverband“ u. der „Verein
ſür Handlungskommis von 1858“ haben ſehr ſtarke
Lehrlingsvereine (ſ. d.). Aud die katholiſchen kauſ-
männiſchen JZ. (Eſſena, d. Ruhr, Nüttenſcheider Platz
10) zählen 5000 Jugendliche u, ſind in rüſtigem
Vormarſche begriſſen. Die ſozialiſtiſchenJ.,
welche die „proletariſche Jugend“ ſammeln, habenin
ihren Zielen einige Wandlung durchgemacht. Die
erſten wurden 1903 in Offenbach u. 1904 in Mann-
heim mit ausgeſprochen ſozialiſtiſchem u. anti-
militariſtiſchem Zwecke gegründet. Am 11. Febr.
1911 erjolgte die Gründung des Verbandes junger
Arbeiter in Deutſchland. Seit 1904 aber exiſtierte
in Berlin bereits ein „Verein der Lehrlinge u.
jugendlicher Arbeiter“ mit eigner Vereinszeit-
Ichriſt. Das Neichsvereinsgeſeß 1908 (ſ. o.) ver-
urſachte die Auſlöſung beider Vereine. Im gleichen
Jahre verurteilte der 6. ſozialiſtiſche Gewerk-
ſchaſtökongreß zu Hamburg nach heſtiger Dis-
(Auſſion die ſelbſtändigen J. u. ſtellte e3 al8 Auſ-
gabe den Gewerkſchaſten (d. i. den ſozialiſtiſchen
Beruſ8organiſationen der Arbeiter) anheim, dure)
Vorträge, Darbietung von Unterhaltung u. Ge-

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