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ganz Deutſchland vereinigt, in dem nicht die Ver»
eine, ſondern nur deren geiſtliche Leiter zuſammen»
geſchloſſen ſind (Zentrale : Düſſeldorf, Stiſt8plaß
10 3). Als Untergruppen figurieren der oſtdeutſche,
mitteldentiche, weſtdeutſche u. ſüddeutſche Verband
mit eignen Organen, oſt auch mit eignen Sekre-
tariaten , ſo leßterer mit dem JZugendſekretariat
München 28 als Hauptſtelle des ſüddeutſchen Ver-
bandes, Dieſer ſelbſt zählt 357 Vereine mit
17625 Mitgliedern, der weſtdeutſche Verband
1060 Vereine mit 142 489 Mitgliedern, der oſt-
deutſche 213 Vereine mit 13613 Mitgliedern,
der mitteldeutſc 17 281 Mitgliedern ; die Geſamtzahl beziſſert ſich
demnach auf 1891 Vereine u. 191 008 Mitglie»
der, denen allerdings no< Meh; u. Straßburg
mit 123 Vereinen u. 7926 Mitgliedern zuzu»
zählen wären, wobei auch die obengenannten Kon»
gregation3- 11. die über 17 Jahre alten Mitglieder
dazu gerechnet ſind. =-- Die katholiſchen wei b»-
lichen J. entwiceln ſich konform den männlichen
erjt in jüngſter Zeit. Süddeutſchland iſt hier
bahnbrechend vorangegangen, indem e3 die von
Frankreich über Wien in München 1892 erſtmals
eingeführten Batronagen in ſelbſtändige J. um-
gewandelt hat. Sie zählen heute 103 Vereine mit
5758 Mitgliedern. Dieſe Form der J. macht die
Mithilfe von Jugendſreunden bzw. Jugend»
freundinnen als Erzieher u. Auſſicht3perjonen in
den Bereinsöverjammlungen unbedingt notwendig.
De3halb beſteht in Süddeutſchland der Verband
eigentlich nicht aus den minderjährigen Mitglie-
dern, ſondern die Bewegung liegt in den Händen
der Jugendſreunde bzw. Jugendſreundinnen, die
in einer pädagogiſchen Monatſchrift „Jugend
pflege“ (Jugendjelretariat, München 28) über ihre
Auſgaben wie über die geſamte Jugendverein3»
arbeit in Deutſchland orientiert werden.
Die evangeliſchen J. teilt ein Kenner in
folgende Hauptgruppen: die ſtrengreligiö3 ge»
richteten Vereine des Bunde3 vom entſchiedenen
Chriſtentum, die kirchlichen Jünglings8vereine, die
Vereine, die Geſellenvereine, die Sonntagöheime
u. Lehrlingösfeierabende (wegen der beiden leßtern
ſ. Jugendheime). Ohne die erſtern mit ihren 8454
tätigen, ſreundjchaſtlichen u. Ehrenmitgliedern zu
unterſchäßen, bilden die vereine (jüngere u. ältere Gruppe zuſammen)
bei 1994 Vereinen u. 119009 Mitgliedern doh
die ſtärkſte evangeliſche Jugendorganiſation ; aber
e3 ſind dabei nur 52 500 unter u. 66 500 über
17 Jahre alt. Sie haben den Zweek, „Jünglinge
miteinander zu verbinden, die Jejum Chriſtum nach
der Hl. Schrift als ihren Gott u. Heiland an-
erkennen, in ihrem Glauben u. Leben ine Jünger
jein u. gemeinſam danach trachten wollen, das
Reich ihres Meiſter3 unter den Jünglingen aus»
zubreiten" (die ſog. Pariſer Baſis). -- Während
hier no< die Jugenderziehung auf religiöſem Bo»
den vorwiegt, ſtellen ſich die Jugendwehren,
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junger Männer immer mehr als Träger umfaſ-
jender Wohlfahrtseinrichtungen dar u. ſind des-
halb ſtrenggenommen nicht den IJ.n zuzuzählen.
Der Deutſche Jugendbund hat ſich von den ge
nannten religiös gerichteten J.n lo8gemacht u. ge»
währt ſeinen Mitgliedern „religiöſe Schonzeit“ ;
ihre Zahl iſt auf 4200 geſtiegen. Die evangeli-
ſchen Geſellenvereine umfaſſen etwa 20 Vereine
mit 2500 Mitgliedern, ſind demnach von geringer
Bedeutung. Der Vollſtändigkeit wegen ſeien noch
genannt die 427 Zugendlogen des Guttempler-
ordens mit 16195 Mitgliedern (10--14jährige)
un. 101 Wehrlogen mit 2405 14---18jährigen
Mitgliedern ; Hauptzwee>k iſt Enthaltung von Als
fohol ; Organ iſt „Jung»Siegfried“, Die IJ. des
Volfsheims in Hamburg ſammeln Knaben, Mäd-
gruppen, bieten ihnen Unterhaltung8-, Spiel» u.
Unterrichtöräume u. wirken nach dem Muſter der
Toynbee Hall in London an der ſozialen He-
bung des Volkes überhaupt u. im allgemeinen.
Kleinere Gruppen umfaſſen die jüdiſchen I. (50
Vereine mit 4500 Mitgliedern), J. im Anſchluſſe
an die Fortbildungsſchule (ſ. d.), der Verband
nationaler Jugendbunde im Herzogtum Braun=
ſchweig u. verj einzelner Zweeke u. dem Triebe der Jugendlichen
nach Liebhaberbeſchäftigung gerecht zu werden,
ſind in allen J.n Sektionen für beſtimmte Zwecke
gegründet, die oft eigne Beiträge u. Statuten
beſißen.
Literatur. A. Pieper, Jugendfürſorge u. I.
(21910) ; Fürſorge ſür die ſc gend (3. Hft der Schr. d. Zentralſtelle f. Volks»
wohlſahrt; Berlin 1909, C. Heymann); H. Weicker,
Der Jugendverein (*1911); B. Jauch, Das gewerbl.
Lehrling8weſen in Deutſchland (1911) ; Handb. f.
Ingendpflege, hr8g. v. d. Deutſch. Zentrale f. Ju-
gendfürjorge (1912 ff); Der Kampf der Parteien um
die Jugend, hr8g. v. d. Deutſch. Zentrale f. Jugend»
ſürſorge (1912) ; Fürſorge für die ſchulentlaſſ. weibl.
Jugend. Bericht der Verhandl. der Zentralſtelle f.
Volkswohlfahrt in Danzig (Berlin 1913, C. Hey:
mann). [L. Schiela.]
Iugendwehren,. 1. Aufgabe, Wert,
Audsbreitung im Auslande. Die Z., auch
Wehrkrafſtvereinegenannt, ſind Vereine, die
eine anmäßige körperliche Ausbildung der ſchul-
entlaſſenen Jugend im Sinne der Jungdeutſch-
landbeſtrebungen bezweden (vgl, Jungdeutſchland-
bund). In einzelnen Städten haben jüngere
Oſfiziere mit anerkennenswerter u, in Schulkreijen
zu ernſter Nachahmung zu empfehlender Selbſt-
loſigkeit ſich der Fortbildungsſchüler wie auch der
Gymnaſiaſten uſw. angenommen, um ſie „ohnealle
politiſche Tendenzen u. unter Verzicht auf mili-
täriſche Äußerlichkeiten durc) Wanderungen, Tur=
nen, Spiele, Schwimmen u. Zielgewehrſchießen
in ihrer körperlichen Entwicklung zu ſördern, ihr
Auge zu ſchärfen u. ſie an Abhärtung u. Selbſt-
| zucht zu gewöhnen“ (Erlaß de3 bayriſchen Kriegs-
; Miniſterium38), Andre Länder beſihen Organi-

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