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Stumplſheit u. Mundſaulheit bekämpft, Rochow
ja in dem Katechiſieren das Hauptmittel der Bil-
ung; er ſelbſt übte ſich mit ſeinem Lehrer Bruns
oft Ftundenlang darin. Aber über das Abſragen
y, Zergliedern kam er nicht hinaus, von entwiekeln-
dem Verfahren iſt in den von ihm erhaltenen Kate»
Fortſchritt, indem er da3 Crklären u. Erläutern,
da3 Zerlegen u. Beweiſen ſowie die Anregung des
Willens durch die k. L. erreichen will. Sailer hält
ebenfalls große Stücke auf die k. L, : „Der beſte
Lehrer darf nur Hebammendienſte tun bei der Ge-
burt heller Kenntniſſe.“ Der Lehrer ſoll die Wahr»
heiten dem Schüler nichtſagen, ſondern ihnanleiten,
ſie aus ſich heraus finden zu lernen. Auch Overberg
war Anhänger u. Meiſter des Katechiſierens, In
ſeiner „Anweiſung zum zwe>mäßigen Schulunter-
richt“ (1793) ſpricht er in no< heute beachtens»
werter Weiſe über die Behandlung von Fragen u.
Antworten u. ſicht da3 Katechiſieren darin, daß
die Kinder durch Fragen zum Nachdenken gereizt
u. im Nachdenlen jo geleitet werden, daß ſie ſelbſt
finden, was man ſie lehren will, Dinter ſah in»
folge ſeiner einſeitigen Betonung der Verſtandes»
bildung in der k. L. da3 unterrichtliche Allheil-
mittel, Er hat eine große Zahl von Katecheſen
geſchafjen nach der Schablone : Einleitung, Über-
ang zum Thema, Dispoſition, Nußanwendung.
In ſeiner Schriſt „Die vorzüglichſten Regeln der
Katechetik“ (1802) gibt er ſchäßbaren Auſſchluß
über die Frage. Eine wahre Flut katechetiſcher
Literatur entſtand jetzt, u. in den Lehrerſeminaren
erſchöpfte ſich vielſac in der Anleitung zum Katechiſieren. Ein ent=-
ſchiedener Gegner der k. L. iſt Peſtalozzi ; er nennt
ſie eine Aſterkunſt, L. Kellner hält die k. L. für
eeignet, „den Geiſt zur Selbſtändigkeit, Streb»
famfeit, zur Hlarheit im Denken zu führen“, aber
er fordert für die Anwendung Einſchränkung auf
die paſſenden Stoffe.
11. Praktiſche Handhabung. Die !. L. iſt
"eſonder3 für jüngere Schüler ein ausgezeichnetes
Mittel, Denken u. Willen anzuregen u. die Auf»
merkſamkeit dauernd wach zu erhalten, Sie bedient
ſich der Frage (f. d.). Hier haben wir es mit dieſer
nur inſoweit zu tun, als ſie eben Mittel der k. L.
iſt. Die Frage enthält ein unvollſtändiges Urteil
mit der Auſſorderung an den Schüler, e3 durch
die Antwort zu ergänzen. Das kann dieſer nur,
wenn er den fehlenden Beſtandteil in ſeinem gei»
ſtigen Beſihe hat. Aber er muß, um die Antwort
zu finden, Denken u. Willen in Bewegung ſehen,
Dabei leiſtet er ſelbſtändige geiſtige Arbeit, er
macht praktiſchen Gebrauch von dem, was er er»
fahren u. gelernt hat. Darin beruht die Bedeu»
tung des geiſtigen Wechſelverkehr3, wie er durch
die Frage zwiſchen Lehrer u. Schüler entfacht wird,
Ze mehr die Frage den Schüler zur Auſmerkjams«
keit, zum Denken, zum freien Mittun drängt, um
ſo beſſer iſt ſie. Fragen, welche die Antwort ſchon in
ſich enthalten, ſind Zeitverſchwendung, Für die An-
Latechismus,

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wendung der k. L. muß die Negel gelten: Alles,
was der Schüler ſelbſtändig leiſten kann, darf
nicht erfragt werden (vgl, Erotematiſche Lehrform).
Deshalb ſind Aufforderungen od. ſog. Haupt-
[ragen wichtig, die nicht eine kurze Antwort, ſon-
ern eine größere zuſammenhängende Leiſtung ver-
langen. Das Abfragen von Vorſtellungsreihen
geſchichtlicher Natur, von Erzählungen de8 Leſe=
buches, der Bibel, der Geſchichte, ſtört die An-
eignung mehr, als es ſie fördert. Der Schüler
muß die Erzählung ohne Unterbrechung ſo wieder=
geben, wie er ſie in dem Ablaufe der Vorſtellungen
geiſtig ſchaut. Das zerſtücelnde Fragen zerreißt
immer wieder den natürlichen Fluß der Vorſtel-
lungen. Statt zu ſragen, muß die Auſforderung
lauten : Erzähle, wa8 du geleſen, gehört haſt! Bei
geſchichtlichen Stoſſen iſt de8halb die k. L. nur in
beſchränktem Maße anwendbar. Das eigentliche
Gebiet ihrer Verwendung liegt, wie Schwarz be-
tont, in dem Unterrichte, „wo Begriffe rein aus
der Seele entwiekelt werden, alſo in rein mathe=
matiſchen, logiſchen, grammatiſchen u. mavchen
religidjen u. ſittlichen Lehren“. Hier muß durch
die Frage das Vorſtellen u. Denken gelenkt werden.
Dabei ſpinnt der Lehrer den Faden des Fort-
ſchrittö. Der Schüler gelangt zu einem Ergebnis,
von dem er oft nicht mehr den Weg überblicken
kann, auf dem es erreicht wurde. Dieſer Übelſtand
wird durch die rechte Gliederung beſeitigt, die dem
Schüler zum Verſtändniſſe gebracht werden muß.
Entweder weiſt der Lehrer ſchon vorher kurz auf
die Gedankenfolge hin -- an der Hand von an-
geſchriebenen Stichwörtern --, od. nachſchauend
wird der Weg des Findens überbliät u. gemerkt.
Darauf folgt die zuſammenhängende Wiedergabe
dur< die Schüler, wobei die ſähigern den Vor=
tritt haben, Für die k. L. gilt das aud ſonſt be-
deutungsvolle Wort: Derjenige Lehrer wirkt am
tieſſten, der mit einem Minimum des eignen
Sprechens ein Maximum der Tätigkeit de3 Schü-
ler3 auszulöjen verſteht.
Literatur. B. Overberg, Anweiſung (n. A.
41905; 88 152/161); L. Kellner, Aphorismen
(171907; Nr 35/40); Ch. Schwarz, Lehrb. d. Pädag.
(1805; 88 31/34) ; Peſtalozzi, Wie Gertrud ihre
Kinder lehrt (*1902; 2. Brief) ; die ſchon genannte
Schriſt von Dinter. Vgl. auch den Art. Methode.
[I. J. Wolſfſ.]
Katechismmus (ſeine Geſchichte). I. Name
u. Begriff. Das ſchon von Auguſtinus (Do ſds
et oper. 6. 9) gebrauchte Wort K, (Etymologie
bei atccheſe, fj. d.) bedeutete im tum den Unterricht der Katechumenen, die auf
die Tauſe vorbereitenden Zeremonien u. Übungen,
die Patenſchaft mit ihren Verpflichtungen, ſpeziell
auc die religiöſen Unterweiſungen der Patenkinder,
im Mittelalter den > tauften Kinder. So wird auch heute noch mancher-
ort3 der vom Pfarrgeiſtlichen erteilte religiöſe
Unterricht K. genannt. Gegen Ende de3 Mittel»
alter38 wurde der Name auch von Büchern ge-

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