1129
braucht, die dem unterrichte dienten. Jm Titel führten ihn zuerſt
der evangeliſche K. von A. Althammer (1528)
u. der katholiſche von Wicelius (1533). In-
folge der großen Verbreitung der Katechismen
Luthers (ſeit 1529) erhielt er die faſt ausſchließ-
liche Bedeutung de8 Unterricht3buches, das einen
kurzen Zubegriff der (gemäß Vorſchriſt der kirchlichen Behörde) als
Leitſaden dem religiöſen Jugend= u, Volksunter-
richt zugrunde gelegt wird. In ihm erſcheint der
Lehrſtoff dur handelt (manche kurzgefaßte Handbücher weltlicher
Wiſſenſchaften, die den Stoff ebenſo behandeln,
legen fich auch den Namen K. bei, z. B. K. der
Baukunſt u. a.); die von Felbiger u. Galura
verſuchten Abweichungen, den Stoff in zuſammen=
hängendem Vortrage bzw. in Lehrſäßen darzu=-
bieten, haben keinen Anklang gefunden. --- Über
die unterrichtliche Behandlung de3 K, |, den Art,
Katecheſe. Der vorliegende Art. gibt nur die Ge=
ſchichte des K.
1. Die Katechiömen des Mittelalter8, Vor»
läufer des jeßigen K. waren die Schriſten der
Vorzeit, welche die ſog. katechetiſchen Lehrſtücke
(Glaubens8bekenntni8, Gebote, Sakramente, Vater-
unſer) od. Erklärungen zu dieſen (z. B. von Ter-
tullian, Nuſinus, Auguſtinus u. a.) enthielten,
Als älteſte Weistümer des Mittelalters ſind zu
nennen die ſog. Katechiömen des Abtes K er o von
St Gallen (um 750), des Alkuin (+7 804), der
ſeiner Disputatio puerorum im Anhang eine Er=
klärung des Symbolums u. des Vaterunſer8 bei=
fügte (von ihm erhielt ſie ſein Schüler Biſchof
Arno v. Salzburg, von da nahm Biſchof Bruno
T 1045] fie nac) Würzburg mit u, ſcheint ſie
ſeinen Prieſtern zum Gebrauche vorgeſchrieben zu
haben ; ſie dürſte die Norm für die Katecheſe vom
9. bi8 13. Jahrh. geweſen ſein), des Weißenburger
Mönches Otfried (843/870), der die Erklärung
Keros vermehrte, de3 Biſchofs Theodulf v. Orleans
(+ 821), des Notker (+ 1022), de3 Edmund v.
Canterbury (+ 1242) Speculum ecclegiae, der
alle katechetiſchen Hauptſtü>e erklärte u. ver=
langte, daß ſie in jedem Vierteljahre den Kindern
u. dem Volke vorgelegt u. darum ſchriſtlich in
einem Büchlein zuſammengeſtellt werden ſollten,
des hl. Thomas v. Aquin (+ 1274) Schriſten für
den Volksunterricht : von den Artikeln des Glau-
bens u. den Sakramenten der Kirche, Erklärung
des Symbolums, des Vaterunſers u. de8 Engliſchen
Gruße3, des Hauptgebotes u, der 10 Gebote, Er
begründete auch die Neihenfolge der Hauptſtücke,
fügte den einzelnen Abſchnitten eine Nußanwen-
dung bei 1. bereitete ſo die ſpätere Einrichtung
des K. vor. Der aus den vorgenannten Einzel=
traktaten beſtehende K. des hl. Thomas wurde der
Leitfaden für die Katecheſe vom 13, bis 16. Jahrh. ;
1451 ſchrieb das Mainzer Provinzialkonzil ihn
als offizielles Lehrbuch vor. Viele Didzeſan-
ſynoden des 13. u. 14. Jahrh. (z. B. zu Trier

Katechismus,

1130
1277, Köln 1281, Lüttich 1287, Würzburg 1298,
Toledo 1323) veröffentlichten für ihre Sprengel
Synodalkatechismen, unter denen der von Toledo
durc Südfrankreich, 1368) durc< Vollſtändigkeit ſich
au3zeichnete.
Die biöher genannten Schriften dienten den
Geiſtlichen als Hilfsbücher beim Unterrichte.
Den Gedanken, den Kindern u. dem Volke
eine Summa der driſtlichen Heilslchre in die
Hand zu geben, ſehte die Synode von Tortoſa (in
Spanien, 1429) zuerſt ins Werk; ſie befahl den
Prälaten, „durc< gelehrte u. fromme Männer ein
kurzes Kompendium ſchreiben zu laſſen, das alles,
wa3 da3 Volk zu wiſſen nötig hat, kurz u. klar in
ſich faßt. C53 ſoll ſo zwe>mäßig in Abſchnitte ab=
geteilt jein, daß es im Laufe eine Jahres mehr=
mals von den Seelſorgern dem Volke an den
Sonntagen erklärt werden kann“. Dieſe3 Kom-
pendium, von dem leider kein Exemplar mehr
nachwei8bar iſt, wäre alſo der erſte K. für den
Jugend= 1. Volk3unterricht. Ihm folgten im 15.
Jahrh. nod) mehrere Katechi8men, von denen aber
nur wenige ihrem Titel u. Inhalte nach bekannt
ſind. Als älteſter gedruckter deutſcher K. wird
vielfach der „Chriſtenſpiegel“ de8 Dederich Coelde
(1493/97 Guardian de38 Franziskanerkloſter3 in
Brühl u. Domprediger in Köln), 1470 in
Brabant, 1480 in Köln gedruckt u. dann oft auf=
gelegt, in Belgien, Holland, Weſtfalen u. der
Rheinprovinz viel gebraucht ; das Bud iſt kein
eigentlicher K., ſondern ein Lehr=-, Erbanungs3- u.
Gebetbuch. Die literariſchen Schäße, die Akten
der Synoden u. die Veſtimmungen der Diözeſan=
ſtatuten dieſe3 Jahrh. beweiſen, daß die katholiſche
Kirche ihrer damals ſo ſchweren Pflicht der reli=
giöſen Belehrung wohl eingedenk war, u. daß der
ihr oſt gemachte Vorwurf, ſie habe die Jugend in
kraſſer Unwiſſenheit aufwachſen laſſen, durchaus
unberechtigt iſt (vgl. Brü, Der relig. Unterr. in
Deutſchland in der 2, Hälſte de3 15. Jahrh.
[1876] 40). Geredt urteilende proteſtantiſche
Forſcher, z. B. v. Zezſc umwunden eingeſtanden (vgl. Weßer u. Weltes
Kirchenlexikon VII [21891] 294).
01. Jm Neformationszeitalter, Ähnliche
Lehrbücher wie der „Chriſtenſpiegel“ erſchienen im
16. Jahrh. in raſcher Folge. Kurz erwähnt ſeien
die „Grundlage der ewigen Seligkeit“ (1509), der
Augsburger K. (1530), der K. de3 Era3mus3 v.
Rotterdam (1533), Joh. Dietenberger (1534),
Georg Wicelius (1535), Joh. Gropper (1547),
Peter de Soto (1549) u. mehrere andre, deutſche
u. lateiniſche od. in beiden Sprachen von Biſchöfen,
Univerſität3proſeſſoren, Ordensleuten, Stiſt3= u.
Pfarrgeiſtlichen verfaßte. Sie alle wollten dem
Vordringen der Katechiömen Luthers (1529) u.
Calvins (1534) entgegenwirken ; aber ſie waren
für den Volks8gebrauch zu umfangreich od. zu ſehr
einem Erbatung8= od. einem gelehrten Lehrbuche
ähnlich. Darum faßte König Ferdinand I. den

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.