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vom 7. Schuljahre an unverbindlich eine zweite
fremde Sprache zu treiben. Für die Wahl ſind
je beſondern Verhältniſſe u. die Bedürfniſſe der
Schüler ausſchlaggebend. Weil Deutſchland zu
den Völkern engliſcher Zunge erheblich ſtärkere
Beziehungen in Handel, Verkehr u. Induſtrie hat
als zu Frankreich, wird im allgemeinen dem Eng»
liſchen, beſonders in Knabenſchnlen, der Vorzug
zu geben ſein. Vie Ziele des f. U. u. die Zahl
der Wochenſtunden in der au8gebauten 6klaſſigen
preußiſchen Mittelſchule ſind je nach dem Zwee
verſchieden, ob ſie für ein Gymnaſium vorbereitet
od. der allgemeinen Weiterbildung dient (für Be-
ruf in Handel u. Verkehr, für ein Gewerbe uſw.).
Ähnlich iſt die Reghmg in den Bundesſtaaten.
ce) Lehrerſeminare. Nach den Plänen v.
1. Juli 1901 wird in den preußiſchen Präparan-
denanſtalten u. in den Seminaren in den je 3jäh-
rigen Kurſen wöchentlich 3 bzw. 2 Stunden |. U. er-
teilt (meiſt Franzöſiſch). Die bayriſchen Lehrerbil»
dungsanſtalten erhalten vom 1. Okt. 1912 ab je 8
auſſteigende Klaſſen ſtatt der biöherigen 2 mit je 2
Wochenſtunden Franzöſiſch im Seminar. In den
öſterreichiſchen Lehrerbildungsanſtalten (4 Jahr-
gänge) gelten die lebenden fremden Sprachen als
nicht obligater Lehrgegenſtand. E3 kann Fran-
zöſiſch od. ſtatt deſſen Italieniſch od. Engliſch mit
höchſten8 4 Wochenſtunden gelehrt werden. In den
öſtuſigen luxemburgiſchen Seminaren ſind dem
Franzöſiſchen wie dem Deutſchen je 6 Wochen»
ſtunden zugeteilt.
11. Methodik. a) Phonetik. Zur Erzielung
u. Sicherung einer idiomatiſchen Ausſprache
nimmt der Unterricht ſeinen Aus8gang von der
nicht wiſſenſchaftlich betriebenen Phonetik; theo-
retiſche Belehrungen ſollen zu praktiſchen Zwecken
gegeben werden. Jnsbeſondere iſt zu achten auf
oſſene u. geſchloſſene Vokale, auf den Unterſchied
zwiſchen ſtimmloſen u. ſtimmhaſten Konſonanten,
auf den Wortton, Saßton, Bindung der Konſo-
nanten u. Vokale. Da3 Verfahren iſt zunächſt
ein mündliches, Dem Schüler werden --- nach
einem kurzen Lautierkurſus --- die Laute, Wörter
u. Säßemuſtergültig vorgeſprochen, nachgeſprochen,
wa3 nur bei der Verwertung der Lautphyſiologie
möglich iſt. Die Übung der Laute wird geſichert
durch die Lautſchrift, die beim Wegfalle der Fehler
in der Ausſprache nach u. nach zurüctritt. Wäh-
rend ſie nur Mittel zum Zwecke iſt, bleibt die An-
leitung zur Nechtſchreibung ſelbſtändiges Ziel de3
Unterricht3. Daran ſchließt ſich dann das Leſen
(nach Sprechtakten).
b) Sprechübungen. Entſprechend dem
„Zwede ſollen die Sprechübungen --- außer der lo-
giſchen Schulung die praktiſche Erlernung --- da3
Sprechenkönnen anbahnen. Die Übungen zerfallen
in freie u, gebundene ; jene werden in Wortſchaß u.
Formgebung im Unterrichte erarbeitet, dieſe ſind an
die Lektüre gebunden,
ce) Wortſhat. Das Auſgeben zu erlernen=
Der Wörter u. deren Abhören darf nie die Ein=
Lexikon dex Bädagogit. IL
Fremdſpra
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leitung zur Durchnahme, ſondern höchſtens eine
Sc Hauptſache iſt Anönußung der Lektüre. Anzueig-
nen find 1. früher dageweſene, aber noch auffriſch-
bare Wörter; 2. Wörter, die. ſie) zu bekannten
Wörtern in Beziehung ſehen laſſen ; 3. Wörter,
die mit Apperzeptionöſtüßen zu verſehen u. neu
auſzunehmen ſind. Der immanenten Wiederho=
lung dient das Summationöverfahren : Wo ha=
ben wir da3 Wort ſchon gehabt ? Wichtig ſind die
Wörter, die in den ſremden Sprachen in gleicher
od. ähnlicher Form vorhanden ſind ; Ableitungen :
pomme, pommier ; suecre, sucrer ; gugar, to
Sugar ; white, to whiten ; black, to blacken ;
die Bedeutung der Vor= u. Nachſilben, Wort=
familien, ſynonyme, homonyme Ausdrücke.
d) Die Lektüre nimmt ihren Au8gang von
dem Elementarbuch, dem dann da38 Leſebuch,
hierauf die Originalſchriſtſteller folgen. Am bes
kannteſten ſind die Elementar= u. Leſebücher von
Kühn, Bierbaum, Ricken, Breymann=Mooeller,
Ohlert, Roßmann-Sc van Moll. Für die Schriftſtellerlektüre iſt ein
Kanon auſgeſtellt. Die Au8wahl wird zunächſt
dur da3 erziehliche Moment beſtimmt ; weiterhin
ſollen ſich die gewählten Schriftſteller mit einer
wichtigen Seite de3 fremden Volk3tum8 beſchäf-
tigen. Auch Gedichte ſind in den Leſeſtunden
heranzuziehen. (Sammelwerke ſ. bei H. Wolff-
garten u, P. Zirfa3, Methodik d,. Unterr. i, Franz.
für Mittelſchulen [1911] 182 ff; J. Keuter, An-
leit. z. Stud. der engl. Sprache u. der Methodik
des Unterr. in dieſer Spr. [1909] 23.)
Die ſtrengen Reformer verlangten anfangs voll»
ſtändige Ausſchaltung der deutſchen Sprache bei
der Lektüre, auch Ausſchaltung des Her-Über=-
ſehens. Münd) vermittelte eine Einigung der
gegenüberſtehenden Anſichten: das Leſen u. deſſen
Betrieb ſoll auf da3 überſeßungsfreie Leſen hin=
arbeiten. Die Überſeßung fei jo wörtli wie
möglich, ſo frei wie nötig, ſinngemäß u. gleich=
zeitig gut deutſc<. Man erſtrebe genaue3 Wort»
verſtändnis für die Ausſchöpfung des Inhalts,
Auffaſſung des Saßverhältniſſe3, ſorgfältigen Ge=
brauch der Zeiten , eine ſprachlich einwandfreie
Überſeßung. Anders iſt auf der Mittel=, anders
auf der Oberſtufe zu leſen. Die eine Art der
Dur reitung in der Klaſſe, die andre auf der häus-
lichen Borbereitung. Die Einzelheiten de8 Ver=
fahrens vgl. unter den Art, Engliſcher Spracs=
unterricht, Franzöſiſcher Sprachunterricht.
e) Die Grammatik, Nad den neuen Lehr-
plänen für die preußiſche Mittelſchule iſt die Lehr=
weiſe eine induktive, Jhren Aus8gang hat die
Grammatik vom regelmäßigen Zeitwort zu neh=
men. Unbedingt nötig iſt e8, in einem Vorkurſus
über da3 Verb u. ſeine Formen, Zeiten u. Per=
ſonen, Aktiv u. Paſſiv bei den Schülern Klarheit
zu ſchaffen. E3handeltſich hierbei darum, nicht Ein-
zelſormen, ſondern Bildungögeſeße einzuprägen.
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