1145
jeinen Plänen nicht durch. Machte ſich da3 Ver-
langen nach Handel8ſchulen von nun an in ver=
ſchiedenen Staaten oft bemerkbar (in Deutſchland
von Anton Weizili in ſeinem Buch „Verbeſſertes
Leipzig“ u. in Mähren von Prokop v. Raben=-
ſtein), jo kam doc< der Gedanke erſt in der 2. Hälſte
des 18. Jahrh. zur Verwirklichung. Die erſte
ſelbſtändige Handelsſhule wurde in Portugal 1759
von dem Miniſter Pombal gegründet, mit weit=
gehenden kgl. Privilegien ausgeſtattet u. auch ſtark
beſucht. In Deutſchland wurde von Hecker (ſ. d.)
in Berlin 1747 der erſte Handelsunterricht einge=
führt, u. zwar mit andern Fachklaſſen verbunden als
ein Anbau der Realſchule. Hanau folgte 1764 mit
der Gründung einer ſelbſtändigen Handelsſchule.
Der von Karl Aug. Genterbrü in Erfurt 1764
gemachte Verſuch, eine Fortbildungsſchule zu grün=
den, Icheiterte wegen Mangels an Mitteln; ebenſo
ging e8 den Vorſchlägen de3 Kaufmanns Löffler
in Dre3den. 1773 wurde in Leipzig der erſte
kaufmänniſche Unterricht eingerichtet als Handels-
flaſſe an einem Gymnaſium; wegen zu ſchwachen
Beſuches ging dieſe Klaſſe aber bald wieder ein.
Mehr Erſolg hatte Prof. J. G. Büſch, der mit
dem Kaufmanne Fr. Chr. Wurmb in Hamburg
1768 eine private Handels8ſc nüßigem Charakter gründete. Doch ging auch
dieſe mit dem Tode Büſchs wieder ein, weil die
Kauſleute die nötige Unterſtüßung verſagten. Nach-
haltiger zeigte ſich Büſch8 Einfluß in Öſterreich.
Auf Anregung der Kaiſerin Maria Thereſia wurde
1760 in Wien von I. G. Wolf nad Büſch8
Syſtem eine Handelsſchule gegründet, die 1804
in eine Nealſchule umgewandelt wurde, in der
kaufmänniſche Fächer nur in der Oberklaſſe ver-
treten waren. 1815 erfolgte die Angliederung
an das neugegründete Technikum u. 1865 die
Aufhebung. J. Fr. Keller gründete 1778 in
Magdeburg u. Joh. Mid. Leuchs 1795 in Nürn-
berg eine Handelsſchule, die beide bald wieder
eingingen. 1779 gliederte der Herzog Karl Eugen
v. Württemberg der Karlsſchule eine 2jährige
Handelsſchule an, Bei der Umgeſtaltung der
arlöſchule zur Hochſchule wurden die Handels-
wiſſenſchaften in den Lehrplan der ökonomiſchen
Fakultät einbezogen. Am Ausgang des 18, Jahrh.
iſt der Handelöſchulgedanke mehr verbreitet. Hans=
del3ſc feld, Hagen ujw. 1781 wurdeeineHandelsklaſſeam
Deſſauer Philanthropin eingerichtet, 1791 auf
Anregung der Kaufmannſchaft in Berlin eine
Handelsöſchule gegründet, die 1803 verſtaatlicht
wurde u. 1806 eingegangen iſt, Um die Wende
de3 18. Jahrh. wurde die Entwicklung de8 Handel3=
ſc gehemmt. Der Staatsrat Knuth, der vom preußi-
ſchen Staatsminiſterium mit der Einrichtung einer
Lehranſtalt zur höhern Bildung des Fabrikanten=
uU. Kaufmannſtandes beauftragt wurde, fand bei
der Ausführung ſeine3 Planes ſeiten3 der ſpätern
Miniſter kein Entgegenkommen, ſo daß dieſe An=
Kaufmänniſches Unterricht3weſen,

1146
ſtalt nicht errichtet werden konnte. Doch wurden
Knuths Pläne in Magdeburg verwirklicht, wo
1819 eine „Höhere Gewerbe- u. Handel8ſchule“
eröffnet wurde.
War man bi3 jeßt nur beſtrebt geweſen, Han
delöſchulen zu gründen, ſo begann man zu Anfang
des 19, Jahrh. auch Fortbildungsſchulen einzu-
richten. Die erſte Anregung hierzu ging -- ab-
geſehen von der Karl Aug. Gentenbrüc38 1764 in
Erſurt u. den Abendſchulen in Breslau 1797 ---
von dem Kramermeiſter E. W. Arnoldi in Gotha
aus, der durch ein Rundſchreiben Anlaß zur Grün=
dung einer „Kaufmänniſchen Innungshalle“ gab ;
dieſe rief 1818 eine kaufmänniſche Schule ins
Leben, die während der praktiſchen Lehrzeit beſucht
wurde -- alſo eine Fortbildungsſchule. Den Cha-
rakter einer kauſmänniſchen Fortbildungsſchule --
als einer Fachſchule -- erhielt ſie aber erſt 1821
durch Auſnahme der kaufmänniſchen Fächer (Buch=
haltung , Handelskorreſpondenz) neben den all-
gemeinbildenden. Ähnliche Anſtalten entſtanden
nun in mehrern Orten.
Leipzig war die erſte Stadt, die unter Leitung
des Direktor3 Schiebe beide Schularten vereinigte,
indem es eine Fortbildungs= u. eine Handelsſchule
gründete. Den höhern Handelsſchulen wurde 1 866
das Recht erteilt, beim Abgange den Schülern den
Berechtigungöſchein zum einjährig = freiwilligen
Militärdienſt zu geben. Die verbeſſerte Technik ſo-
wie der Fortſchritt in den Naturwiſſenſchaften, die
im Wirtſchaft3leben nußbar angewandt wurden,
rieſen hier einen mächtigen Aufſchwung hervor, ſo
daß eine geſteigerte Fachbildung Bedürfnis wurde.
Da keine ſtaatlichen Fachſchulen errichtet wurden,
gründeten die kaufmänniſchen Vereine u. Inter-
eſſenvertretungen ſole, in denen neben dem all-
gemeinen Fortbildungöſchulunterricht auch Fach-
unterricht erteilt wurde. Zuerſt u. am ſtärkſten
entwickelte ſich das k. U. in Sachſen. Die Gewerbe-=
ordnung von 1869 bot die geſeßliche Grundlage,
den Beſuch der Fortbildungsſchule zu erzwingen.
Zuerſt führte da38 genannte Königreich den Fort-
bildungöſchulzwang ein (Geſ. v. 24. April 1873);
1874 folgten Heſſen, Sachſen-Koburg, Sachſen-
Weimar, Baden ; 1875 Shwarzburg=-Nudolſtadt,
Sachſen-Meiningen ; 1876 Schwarzburg-Son-
deröhauſen u. 1895 Württemberg. Die Novelle
zur Gewerbeordnung von 1900 geſtattete die Au8-=
dehnung der Schulpflicht auf die weiblichen Hand-
lungögehilfen. =- Der 1895 gegründete „Deutſche
Verband für das k. U.“ hat ſehr viel zur Förde-
rung des xk. U. beigetragen durch Kongreſſe, Zeit=
ſchriften u, in ſeinem Auſtrage hr8g. Abhandlungen ;
ebenſo die 1901 gegründete „Internationale Ge-=
ſellſchaft zur Förderung des k. N.“ Durch die Be=
ſtimmungen über Einrichtungen u. Lehrpläne fauf=
männiſcher Fortbildungsſhulen u. kaufmänniſcher
Fachklaſſen an gewerblichen Fortbildungsſchulen
v. 1. Juli 1911 hat die kauſmänniſc bildungöſchule in Preußen eine einheitliche innere
Ausgeſtaltung erfahren.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.