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Unterrichts" (1877, 111899) folgen, die nod)
heute als Lehr= u. Lernbuch gern benußt wird.
Wie K. ſelbſt von Jugend an ſein ganzes Le-
bven8werk auf eine ebenſo entſchiedene wie durch u.
durc tolerante religiöſe Grundlage geſtellt hatte,
ſo ſuchte er vr) jede Weiſe auch die Lehrer dahin»
zubringen, daß ſie ihren Erzieherberuf uh
Bpeciogeternitatis auSübten. Im unmittel
baren Berkehre mit ſeinen Untergebenen, der die
„unſelige Allesregiererei“ mit Feder u. Papier nicht
zur Herrſchaft kommen ließ, als Schulrat, der von
feinen Lehrern in Erziehungs= u. Unterrichtskunſt
nicht3 forderte, das er nicht ſelber vormachen
konnte, als liebevoller, väterlicher Freund, dem
auch die perſönlichen Kümmerniſſe u. die mate-
riellen Sorgen der ihm Unterſtellten eine Sache
herzlichen Intereſſes waren, gelang es ihm tat-
ſächlich, die Lehrer zur idealſten Auſfaſſung ihre3
Berufes zu erziehen, während „viele bis dahin
die erhabenſten Pflichten des Amtes nach Art | M
der Tagelöhner wie eine Laſt getragen hatten".
Der Schriſiſteller K. ſeßte dann fort, was der
Schulmann u. der Verwaltungsbeamte begonnen
hatte. Auf dieſer religiöſen Baſis de8 Lehrerbe-
ruſes redete er auch der Eintracht von Geiſtlichen
u. Lehrern eindringlich das Wort u. erwartete
eine Zeit, in der die brennende Sc ſrage eine Löſung fände, welche die unbedingt
nötige Eintracht von Kirche u. Staat nicht auſ-
heben würde.
IV. 8.8 ſehriftſtelleriſche Tätigkeit hat ein
5ſaches Ziel: 1. Berufsſreude in die Lehrer u.
2. Poeſie u. Gemüt in die Schule zu bringen;
3. Veredlung des Sprachunterricht8; 4. Ein-
ſührung der Geſchichte der Pädagogik in Semi-
nare u. Lehrerwelt; 5. Neligiöſe Beruſsauſfaſ=
ſung zu fördern. Die auf 8 u. 4 bezüglichen Werke
ſind an ihrem Orte bereit3 behandelt worden.
Von den Nr 1, 2 u. 5 betreffenden Schriften ſind
vor allem folgende nicht veraltende 3 Bücher zu
erwähnen: 1. die klaſſiſchen „Aphori3men zur
Pädagogikt“ (1850, 171907), da38 weitaus be=
liebteſte u. verbreitelſte Werk K.3. 2. Die „Le-
bens8blätter. Erinnerungen aus der Sculwelt"
(1891, 81897), eine ungemein anziehende Selbſt=
biographie, in der ſich der Greis am Nande
des Grabes auf allgemeines Drängen hin in
keuſc Tun u. Laſſen gab. Vor allem die Beſorgnis,
„daß ſpäter doc< andre, vielleicht unberuſene
Hände ſich des Stoſſe8 bemächtigen würden“,
drückte ihm die Feder in die Hand. 3. „Loſe
Blätter. Aphorismen zur Pädagogik der Familie,
der Schule u. des Leben3“ (1895, 21911), die
Rektor Adam Görgen nach K.3 Tode mit pietät-
vollem Verſtändnis geſammelt u. hr8g. hat. Da-
zu ſeien noch genannt : „Pädagogiſche Mittei-
lungen aus dem Gebiete der Schule u. des Leben3“
(1853, 41889) u. „Volksſchulkunde“" (1855,
81886). -- Eine ſchwere Laſt hatte ſich K. neben
dieſer Schriftſtellerei aufgeladen mit der Redak
Kemener.

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tion des 1845 von dem Pfarrer u. Dechanten
Hubert S freund“, deſſen Mithr8g. er in den Jahrgängen
12---16 u. 20--27 geweſen war; von 1883
bi8 kurz vor ſeinem Tode gab K. dieſe Zeitſchrift
ganz allein heraus. -- Wa3 K.3 Scriften, in
denen nach eignem Geſtändniſſe „ſein Herz ruht“,
beſonder3 an8zeichnet, iſt die ausgereifte, wohls=
tunende Ruhe u. Überlegenheit, die ſie den Leſer als
ein Labſal empfinden läßt zu einer Zeit, in der
das auſdringliche u. verworrene Phraſentum mo=
derner Überpädagogen die Welt mit ſeinen Dis8=
harmonien u, Bizarrerien erfüllt.
Literatur. A. Bed, 8. K. (1893) ; H. Leine-
weber u. A. Görgen, K. Gedenkbuch (1897); F.
Wienſtein, Preuß. Pädag. d. Neuzeit (1900); E.
Oppermann, L. K. (in W. Reins8 Enzyklop. Handb.
d. Pädag. IV [2?1906]); A. Görgen, Erinnerungs»
blätter an L. K. (1910); derſ., 8. K., der Perſön-
lichfeitö3pädag. (Pharus 1911, 35 ff 129ff); E.
, Roloff, 8. K. (Chriſtl. Schule 1911, 3/14);
IJ. M. Schmidinger, 8. K., der Pädag. der Perſön
lichkeit (1912); H. Ader 8. J9., Erzieh. u. Unterr.
Dr L. K.3 pädag. Grundſäße, aus ſ. Schr. au8gew.
u. eingel. (1912). [E. M. Roloff.]
Kemener, Timann. TI. Leben. K. wurde
in od. bei Werne i. Weſtfalen um 1470 geboren
u. beſuchte die Schule in Deventer. Etwa ſeit
1485 ſtudierte er in Heidelberg unter Agri-
cola (ſ. d.) u. ſeßte ſeit 1487 in Köln ſeine Stu=
dien ſort. Er gehörte dort der Montanerburje
an u. wurde 1488 Bakkalaureus, Zwiſchen 1490
u. 1500 wirkte er, wie er ſpäter ſelbſt angibt, an
mehrern Gymnaſien, welchen, wiſſen wir nicht.
1500 wurde er Nektor der Domſchule zu Münſter
i. W., die damal38 auf Veranlaſſung Rudolf v.
Langen3 (ſ. d.) in humaniſtiſchem Geiſte reſormiert
wurde. Später wurde er dort auch Pfarrer an
St Lamberti u. kommt als ſolcher nicht erſt 1525,
wie man bis8her glaubte, ſondern ſchon 1520 (in
einer Rechnung des Pfarrardiv8) vor. Dem Ber=
ſuche ſeine3 Kaplan3 Joh. Tant, die lutheriſche
Lehre einzuführen, trat er 1525 ebenſo entſchieden
entgegen, wie er 1532, diesmal vergebens, Bern=
hard Rothmann vom Predigen der Neuerung in
ſeiner Kirche abzuhalten ſuchte. Das Nektorat der
Domſ ſeinen Schüler Johann v. Elen ab u. ſtarb, ohne ſein
durc< die Wiedertäuferzeit unterbrochenes Pſarr=
amt wieder angetreten zu haben, 1585 in Münſter.
1. Bedeutung. Die münſteriſche Domſchule
erfreute ſich unter K.3 Rektorat ihrer höchſten Blüte.
Sie war eine der erſten Anſtalten Deutſchlands,
welche die mittelalterlichen Lehrbücher abſchafften
u. den Lateinunterricht humaniſtiſch umgeſtalteten
(1502). Ebenſo ging ſie mit der Cinſührung des
Griechiſchen (1512) u. des Hebräiſchen (vor 1517)
allen Schulen Norddeutſchland38 voran. Ihr Ruhm
verbreitete ſich de8halb ſo weit, daß Bugenhagen
1512 aus Treptow ſeinen Vetter nad) Münſter
ſchi>te u. deſſen Studiengenoſſen riet, Ingolſtadt
mit Münſter zu vertauſchen. Zahlreichen Schulen

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