1171
Weſtdeutſchland3 hat ſie die erſten Lehrer geliefert,
u, ihre Zöglinge haben ſich durch beſondere geiſtige
Regſamkeit hervorgetan, Dieſe Blüte war freilich
zum guten Teile da8 Verdienſt de3 Konrektor
Murmelliuns (ſ. d.). Wir dürfen aber K. darum
nicht zu ſehr untejähen. Sein ſittlicher Wan»
de), ſeine pädagogiſche Erfahrung u, ſeine ſtrenge
Handhabung der Diſziplin werden von den Zeit-
enoſjen anerkannt u. haben ſicher zum Auſs»
hwunge der Anſiali viel beigetragen, wenn es
auch übertrieben iſi, ihn als Bahnbrecher der Bil»
dung in Weſtſalen zu preiſen, wie e3 Joſeph Hor»
lenius in einem Gedichte getan hat. Unerfreutiche
Eigenſchaften ſind ſeine Selbſtſucht, tine Schroſſ»
beit u, jein übertriebene8 Selbſtgeſühl. In ſeinen
für die Jugend beſtimmten Lehrbüchern ſtreicht er
jeine Verd CN yu. den Wert ſeiner Arbeiten in
einer Weiſe heraus, die marktſchreieriſch wirkt,
An dem Zerwürſniſje mit Murmellins (1507) iſt
aber anch dieſer ſelbſt nicht unſchuldig geweſen ;
er hat ihn dann in ebenſo übertriebener Weiſe
heruntergeriſjen, wie er ihm vorher huldigte. K.8
literariſche Tätigkeit bewegte ſich, abgeſehen von
einer Anzahl lateiniſcher Dichtungen , die nicht
beſſer u. nicht ſchlechter ſind als andre ſeiner Zeit,
u. einer Ausgabe von drei Satiren JInvenals
(1519), auf grammatiſchem u. philojophiſchem
Gebiete, Er ſchrieb, in erſter Linie für ſeine eigne
Anſtalt, einen Kommentar zum Doetrinalo des
Alexander de Villa Dei (f. d.), da3 in den erſten
Jahren nach der Reform noc< in Münſter ge-
braucht wurde (1500, 1501/02, 15083, 1504,
1505 erſchienen), darauf eine ſelbſtändigelateiniſche
Grammatik (zuerſt 1502, bis 1515 noch 9 Aufl.).
Beide3 ſind nicht ungeſchikte Kompilationen, Die
Grammatik ergänzte er durch ein nüßliche3 Werk-
noc< 3 Aufl.). Endlich verſaßte er Kompendien
der Nhetorik (verſchollen), der Dialektik (1507,
1518, 1520) u. der Phyſik (1521).
Siteratur. A. Bömer, Der münſter. Dom»
ſ tumöt. 1111 [1895], Abt. 1); Kl. Löffler (ebd. LX1X
[1912], Abt. 1, S. 89 f) ; D. Neichling, Die Neſoxm
der Domſchule zu Münſter i. J. 1500 (1900).
[Kl, Löfiler.]
Kemph, Nikolau3. 1. Lebensgang. Von
ſeiner Vaterſtadt Straßburg (Argentina), wo K.
1397 geboren wurde, iſt er in der theologiſchen
Literatur als Nikolaus de Argentina bekannt.
Nachdem er ſich in Straßburg die erſte Bildung
angeeignet hatte, bezog er die auſblühende Uni=
verſität in Wien, wo er den Magiſtergrad in den
ſreien Künſten u, in der Philoſophie erwarb.
1437 erſcheint er al3 Regen3 in der artiſtiſchen
Fakultät u. Profeſſor der Philoſophie. Für die
Gemahlin des Herzog3 Albrecht V. v. Öſterreich
verfaßte er eine Erklärung de3 Vaterunſer8, des
Glaubenöbekenntniſſes u. der 10 Gebote in dent»
ſcher Sprache. Seine hoſſnungs8volle Laufbahn
als Howſchullehrer gab er 1440 auf durch den
Kemph -- Keramiſche Fachſchulen.

1172
Eintritt in die Kartauſe Gaming (Niederöſter»-
reich); 1447 wurde er Prior der Kartauſe Gei-
rah (Steiermark) u, verſah dieſes Amt bis 1490
in den Kartauſen Gaming, Pletriach u, zuleht
wieder in Geirach. Die lekten Lebensjahre brachte
er in Gaming zu, wo er am 20. Nov. 1497 ſtarb.
11. Bedeutung, Ähnlich wie ſein großer
Ordensgenoſſe Dionyſius (ſ. d.) hat K. als Re-
ſormator des religid8»ſittlichen Lebens u, als
Myſtiker gewirkt, Die meiſten ſeiner Schriften
wollen der Verwelſtlichung vorbeugen od. poſitiv
das religiöſe Leben ſördern. Für die Schulg e-
ſchichte u, namentlich für den Stand u, die
Ordnung der theologiſchen Wiſſenſchaften ſeiner
Zeit bieten ſeine Scriſten nicht wenige wichtige
Angaben, Namentlich iſt dies der Fall mit der
1447 zu Gaming verfaßten Schriſt: Dialogus
do recto Studiorum fine av ordine et fugien-
dis vitae gaecularis vanitatibus (teilweiſe
Überſ. von P. A. Rögler in Bd VII der „Bibl.
d. kathol. Pädag.“). Die Grundſäße, die er über die
Verwertung der Studien zur ſittlichen Selbſiver-
vollfommnung entwidelt, haben bleibenden Wert.
111. Werke. Der Benediktiner Bernhard Bez
im Stiſte Melk (Niederöſterreich) hat in ſeiner
Bibl. antiqua-nova (12 Bde, Negen3burg 1724)
IV 257/492 die obenerwähnte Schriſt K.3 aus
einer Gaminger Handſchriſt veröffentlicht. Der
Forlſeher dieſer Bibliothek , Bernhard Baillie,
Abt v. St Jakob in Regensburg, hat in Bd XI
n. X11 K.8 Lxpogzitionos cantici canticorum
libri 8 hr83g. Alle übrigen Schriften (Pez zählt
36 auf) waren 1724 handſchriftlich in verſchie-
denen Bibliotheken von Oſterreich u. Bayern vor-
handen. In der „Bibl. der kathol. Pädag." (VI11
[1894] 273 fj) ſind 27 dieſer Schriſten dem Titel
nac angegeben, da die weitern von Pez als zweiſel-
haft bezeichnet werden. Dur) die Kloſterauſhebung
ſind viele dieſer Schriften zugrunde gegangen. Ein
Katalog der heute noch vorſindlichen fehlt.
Literatur. N. Paulus, Der Kartäuſer Nik. v.
Straßburg (Katholik 1891 11 346 ff); derſ., Nik. v.
Straßburg (Weer u. Weltes Kirchenlexikon Vil
[?1895] 336 ſj) ; A. Nösler, Der Kartäuſer N. K.
u. ſeine Schr. „Über das rechte Ziel u. die rechte
Ordnung des Unterr." (Bibl, der kath. Pädag.
VII [1894] ; mit biogr. Einleit.).
[A. Rözler CO. S8. R.]
Keramiſche Fachſchulen, 1. Aufgabe.
Die k. F. bilden einen Zweig de3 gewerblichen
Unterricht3wveſens (ſ. d.). Sie beſaſjen ſich mit
der kunſtgewerblichen u. techniſchen Ausbildung
junger Leute, die je na leitende Stellungen in der geſamten Tonwaren-
induſtrie einnehmen ſollen. Außerdem aber haben
dieſe Schulen, die meiſt in alten Töpfergegenden
gegründet wurden, noc< die Auſgabe, produktiv
für da8 Geſamtgebiet der Keramik, beſonders für
die vetreſſenden ſpeziellen örtlichen u. provinzialen
Zweige der Tonwareninduſtrie tätig zu ſein, u.
zwar aud) hier techniſch u. künſtleriſch in gleichem

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