1187
lichen Fragebogen (über Stand der Eltern, Alter
U. Gejehlecht des Kindes, Zeit u. Dauer des K.
uſw.), den ſie von der Zentrale od. durch die
Ortägruppe beziehen können, auszufüllen, das
Geſuch vom Schuldirektor des Kindes beglaubigen
v, deſürworten zu laſſen u. eine Photographie des
Kinde3 ſowie ein ärztliches Atteſt über die Ge-
ſundheit der ganzen Familie beizufügen.
Die Zahl der Austauſche betrug 1903: 25, aber
1911 bereits 280 (560 Kinder, darunter 486
Knaben u. 124 Mädchen). Die Mehrzahl der
K.e entfiel auf die Ferien. Zwiſchen Frankreich u.
Deutſchland fanden 184, zwiſchen Frankreich 11.
England 86 K.e ſtatt (vgl. die voy der Zentrale
umfonſt zu beziehenden Bullotins u. Annuaires,
die auch eine graphiſche Darſtellung der Entwi-
Jung bieten). Neben dem pädagogiſchen verſolgt
die Yocists auch den philanthropiſchen Zweek einer
ſreundſchaftlichhen Annäherung der einzelnen Völ-
ker. --- Die gleichen Ziele hat ſich das von Direk»
tor Dr M. Walter in Frankfurt a. M. begründete
Frankfurter Unternehmen (Frankfurter Ferien»
heimgeſellſchaft) geſeßt, das im Anſchluß an die
17.000 Mitglieder zählende engliſche „Ferien-
Genoſſenſchaft“ (Cooperative Holidays Ass0-
ciation) auch Schülern den Beſuch von England
während der Ferien vermittelt.
111, Venrteilung. Zum Schuße der aus-
gefauſchten Kinder iſt freilich alles getan, was man
tun kann. Die Socists läßt in gewiſſen Zwiſchen»
räumen die durch ſie untergebrachten Kinder ſogar
beſuchen, Auch beſihen die Eltern in dem aus»
getauſchten Kinde ein gewiſſes Unterpfand u, wer-
den dieſe3 gern pflegen u. beavſſichtigen, ſchon in
dem Gedanken, daß deſſen Familie dem eignen
Kinde dieſelbe Liebe u. Wartung widerfahren
läßt. Beruhigend wirkt auch die in den dem Ge»
ſuchsſormular beigegebenen allgemeinen Anwei»
ſungen ausgeſprochene Beſtimmung, daß dem
Kinde jede Möglichkeit zur Erfüllung ſeiner reli»
giöſen Bſflichten geboten werden muß, u. daß
religiöſe wie politiſche Streitereien prinzipiell ver»
mieden werden ſollen. Aber auch bei wirklicher
Beobachtung dieſer Vorſchriften hat e8 große u,
naheliegende Bedenken, ein Kind in jungen Jahren
einer Familie, über deren Geiſt nur wenig od.
ſo gut wie nichts bekannt iſt, ganz u. gar an-
zuvertrauen. ie] alle Fälle kann man bei Unter-
bringung ſeiner Kinder nicht vorſichtig genug ſein,
beſonders wenn e3 ſich um Mädchen handelt ; die
Gefahr der Verführung u. der ſchlimmen Beein»
fluſſung jeder Art liegt zu nahe, zumal in einem
äußerlich vielleicht anziehenden, innerlich aber
um ſo unſauberern Milieu, Jedenfalls iſt der
Schweizer Brauch de3 K. zwiſchen gut bekannten
od. gar befreundeten Familien beruhigender. --
Die hier ausgeſprochenen Bedenken haben übrigens
neuerdings zur Gründung der Agonco Catholique
pour le placement des e6ldves francais en,
- Angletorre et en Allomagne et vico vergan |
geführt, welche die Kinder bei katholiſchen Proſeſ- |

Kinderbälle -- Kinderbewahranſiglien,
1188
ſoren (Laien od. Prieſtern) unterbringt, Siß der
Agence iſt Boulogne-ſur-Mer (Pas»de-Calais),
21, Rue de Beaurepaire. |
[I u, II W. Grote, XII E, M. Roloff.]
Kinderbälle [. Tanzen.
Kinderbeichte ſ. Beichte u. Beichtunterricht.
Kinderbewahranſtalien. Im Unter-
ſchiede von den für unbeaufſichtigte ſchulpflichtige
Kinder beſtimmten „Kinderhorten“" (ſ. d.) ſind K.
Einrichtungen zum Scuße von kleinen Kindern
bi8 zum 6. od. höchſtens 7. Jahre , die der
dauernden Elternaufſicht entbehren. Es handelt
ſich dabei beſonder8 um Kinder, deren Mütter
zum Lebensunterhalte der Familie durc< Erwerbs»
arbeit beitragen müſſen od. durch Kränklichkeit bes
hindert ſind, die Kinder zu verſorgen. Auch manch
andern vielbeſchäftigten Hausſrauen kann, zumal
morgens, die Beauſſichtigung tleiner Kinder recht
läſtig ſein, Umgekehrt kommen die Anſtalten auch
für „einzige“ Kinder in Betracht, die zu Hauſe
aus Mangel an Kindergeſellſchaſt nicht gedeihen
wollen. Im engern Sinne gehören hierhin nur die
Bewahrſchulen, im weitern aud die ſog. Krippen.
1. Krippen (ſranzöſ. eröches; benannt nach
der Krippe Chriſti). Die Krippen ſind Schußan-
ſtalten ſjür Säuglinge bi8 zu 2 od, 3 Jahren.
Die erſte Krippe mit 12 Betten gründete 1844
in Pari8 der Gemeindebeamte Marbeau; 1900
zählte man dort allein 51 mit über 2000 Pläßen,
azu im Lande noch an 400, In Öſterreich (heute
dort rund 30) führte 1849 Dr Helm die Krippen
ein mit einer Anſtalt in Wien (heute dort 8); alle
größern Städte ſolgten, Außerdem ſind ſie in der
Schweiz fe 60), in England (London über 80) u.
Rußland jehr verbreitet, Bei uns ging Süddeutſch-
landvoran (Nürnberg [ 1853], München, Cannſtatt
uſw.); im ganzen Neiche ſind nod) nicht 200, davon
in Berlin 14, München 9, Stuttgart 5; die meiſten
(über 100) ſind von ſeiten der Innern Miſſion
(evangeliſche Frauenvereine, Stadtmiſſionen) ins
Leben gerufen; dazu kommen 25--830 von katho»
liſchen Ordens8genoſſen od. Frauenvereinen (Für-
ſorgevereine) gegründete ; mehrfach haben auch
Fabrikanten in Verbindung mit der Fabrikanlage
eigne Krippen für die Kinder ihrer verheirateten
Arbeiterinnen errichtet (Höſch in Düren, Mecha-
niſche Weberei in Hannover-Linden uſw.). Die
meiſten neuern Krippen ſind in erſter Linie für
uneheliche Kinder beſtimmt, da dieſe bei der ge-
wöhnlich großen Hilfloſigkeit der Mutter am erſten
des Schußes bedürfen. Am günſtigſten wirken die
Krippen, die nahe der Arbeitsſtelle der Mutter
liegen ; nur dann iſt ja die ſo wichtige natürliche
Ernährung des Kindes möglich. Zm allgemeinen
müſſen ſie ſtet3 auf wirkliche Notſälle beſchränkt
bleiben, um nicht die Verbindung zwiſchen Mutter
u. Kind unniüth zu lokern. =- Neueſtens hat man
auch Verſuche mit Familienkrippen gemacht
(Unterbringung bei einer alleinſtehenden Frau).
11. Bewahrſchulen (Spiel- od. Klein-
kinderſ

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